BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR.de
Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel

Fußball-Statistik - Warum Frankreich gute Chancen auf den EM-Titel hat

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Warum Statistiker Frankreich als Europameister sehen

Die EM 2021 hat begonnen - und während die meisten Fans hierzulande auf ein starkes Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft hoffen dürften, sehen Statistiker ein anderes Land vorn: Demnach hat Frankreich die besten Chancen auf den Titel.

1
Per Mail sharen
Von
  • Katrin Klaus

Wie gut sich Weltmeister Frankreich und Deutschland bei der Europameisterschaft schlagen, kann am Dienstag ab 21 Uhr beim ersten Vorrunden-Spiel der beiden Nationalmannschaften beobachtet werden. Gleich die erste Begegnung der Teams dürfte spannend werden. Die Chancen auf den Titel als Europameister sieht Statistiker Achim Zeileis von der Universität Innsbruck aber eindeutig bei der französischen Mannschaft.

Frankreich als Europameister: Wahrscheinlichkeit bei 15 Prozent

Mithilfe von Statistik konnten er und Forscher der Universität Gent, der Technischen Universitäten Dortmund und München und der Hochschule Molde in Norwegen eine Prognose erstellen: Nach dieser liegen die Gewinnchancen der diesjährigen Europameisterschaft von Frankreich bei knapp 15 Prozent - dicht gefolgt von den Engländern mit 13,5 Prozent und den Spaniern mit 12,3 Prozent.

Bereits bei vergangenen Wettbewerben lag Zeileis mit seinem Innsbrucker Modell, das auf den bereinigten Quoten der Wettanbieter basiert, richtig. So beispielsweise beim Sieg der Spanier zur Weltmeisterschaft 2010 und zur Europameisterschaft 2012. Aber die Zahlen können nicht alles vorhersagen. Denn zur WM 2018 sagte die Statistik ein Finale zwischen Deutschland und Brasilien voraus. Am Ende waren es aber Frankreich gegen Kroatien, wobei sich die Franzosen durchsetzen konnten.

Spielstärke, Wettquoten und Ratings flossen in Prognose ein

Daher setzten Zeileis und das Forscherteam dieses Mal nicht nur auf ihre Vorerfahrungen, sondern brachten noch mehr Informationen und Expertise in ihre Berechnung ein - und das Modell von Zeileis wurde erweitert. Sie analysierten Daten aus verschiedensten Quellen in jeweils eigenen statistischen Modellen. Darin flossen die Spielstärke der Teams auf Basis aller Länderspiele in den letzten acht Jahren, die Wettquoten der Buchmacher und die individuellen Ratings der Spieler und ihrer Leistungen im Stammverein und der Nationalmannschaft ein. Hinzu kamen Variablen wie beispielsweise der Marktwert, aber auch die Anzahl der Champions-League-Spieler oder sozio-ökonomische Faktoren des Herkunftslandes wie Bevölkerung und Bruttoinlandsprodukt.

In einem kombinierten Prognosemodell wurden die Spielstärken abgebildet und die Europameisterschaft mithilfe von Machine Learning, also maschinellem Lernen, 100.000 Mal simuliert. Und zwar Spiel für Spiel. Daraus ergaben sich Wahrscheinlichkeiten, wie oft ein Team weiterkommt und wie oft eine Nationalelf den Titel holt.

Zahlen können auch irren

Zeileis kennt also nicht nur die Zahlen, sondern hat die EM schon mehrere tausend Male "gesehen". Herausgekommen ist eine Wahrscheinlichkeit von 14,8 Prozent, mit der Frankreich das Turnier gewinnt. Das heißt aber gleichzeitig auch, dass die französische Mannschaft mit 85 Prozent nicht die Meisterschaft holt. "Also von Gewissheiten sind wir doch sehr weit entfernt, aber das ist ja das Schöne, sonst wäre ja Fußballschauen auch extrem fad", schlussfolgert Zieleis. Das erkennt man auch daran, dass die Spitze ziemlich dicht beieinander ist.

Deutschland gleichauf mit Portugal

Und wo taucht Deutschland in diesem Modell auf? Die Statistiker errechneten einen Wert von 10,1 Prozent - auf Augenhöhe mit Portugal. Gegen das portugiesische Team spielt die deutsche Nationalelf am Samstag, denn auch sie sind in der gleichen Vorrunden-Gruppe - Gruppe F. So weiß auch Zeileis: "Das ist natürlich mit Abstand die schwierigste Gruppe von allen."

"In dieser Gruppe ist die Wahrscheinlichkeit deshalb verglichen mit den Favoriten in den anderen Gruppen geringer, es bis ins Achtelfinale zu schaffen. Wer das aber schafft, hat dann ganz gute Chancen, weiterzukommen." Statistiker Andreas Groll (TU-Dortmund), ebenfalls an der Prognose beteiligt

Die Wahrscheinlichkeit für Deutschland, ins Achtelfinale zu kommen, liegt bei 85,3 Prozent - ebenfalls bei Portugal. Bei Frankreich liegt sie noch etwas höher bei 89,7 Prozent. Zwei von vier Mannschaften aus der Gruppen-Phase kommen definitiv weiter, zusätzlich die besten vier Drittplatzierten aus den insgesamt sechs Gruppen. Überraschungen kann es dennoch geben, denn Statistiker errechnen Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten.

Und wer mit den Ergebnissen der Wissenschaft nicht zufrieden ist, der kann sich ja noch auf tierische EM-Orakel verlassen. Ob Krake, Elefant oder Hängebauchschwein - irgendeines der Tiere wird schon das richtige Ergebnis voraussagen.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!