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Corona hat die Volkskrankheit Übergewicht verschärft.

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    Studie: Nach Corona-Pandemie droht eine Adipositas-Welle

    Über die Hälfte der Erwachsene bewegt sich weniger als vor einem Jahr und Menschen mit Adipositas haben durchschnittlich sogar 7,2 Kilogramm zugenommen. Das zeigt eine Studie der TU München. Corona hat die Volkskrankheit Übergewicht verschärft.

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    Von
    • Monika Haas

    Unter Corona-Bedingungen haben sich innerhalb weniger Monate der Lebensstil und die Lebensqualität vieler Menschen verschlechtert. Zu diesem alarmierende Ergebnis kommt eine Online-Umfrage von TU München und dem Meinungsforschungs-Institut Forsa, an der 1.001 Erwachsene teilgenommen haben. "Wir sehen eine gesundheitsschädliche Kombination von Bewegungsmangel und ungesundem Essverhalten ", so das Studienteam aus München.

    Stress verändert Essgewohnheiten

    Das Fazit: Die seelische Belastung hat im zweiten Lockdown stark zugenommen. Die Ernährungswissenschaftler sind besorgt: Ein Drittel der Befragten, vor allem jüngere Menschen mit Gewichtsproblemen haben sich in den letzten Monaten zusätzliche Pfunde, "Kummerspeck" angefuttert, zwischen fünf und sieben Kilogramm. Die Hälfte der Betroffenen hatte in der Online-Umfrage im April angegeben, sich seit Pandemiebeginn deutlich weniger zu bewegen. Im Lockdown zuhause im Home-Office fehlt Bewegung, dazu wurden insgesamt mehr Fast-Food und kalorienreiche Mahlzeiten verzehrt. Prof. Dr. med. Hans Hauner, Studienleiter und Ernährungsexperte am Institut für Ernährungsmedizin der TU München, warnt davor, "dass die veränderte Lebensweise in der gut einjährigen Pandemiezeit Menschen mit Übergewicht sogar doppelt bedroht."

    Teufelskreis Adipositas und Corona

    Übergewichtige Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck gelten im Falle einer Corona-Infektion als Hoch-Risikopatienten, bei denen besonders schwere, lebensbedrohliche Verläufe beobachtet werden. Menschen mit Adipositas leiden oft an einer eingeschränkten Herz- und Lungenfunktion und haben häufig schon vor einer Infektion Entzündungsreaktionen, zum Beispiel im Darm oder im Fettgewebe, und dadurch ein gestresstes und schwaches Immunsystem. "Das Übergewicht erhöht das Sterberisiko in der Corona-Pandemie." erklärt Hauner.

    Lockdown gefährdet gesunde Energiebilanz

    Geschlossene Sportstätten, Universitäten und Schulen, dazu die Arbeit daheim im Homeoffice: Wichtig bleibt, trotz vieler Einschränkungen in der Pandemiezeit ein gesundes Gleichgewicht zwischen Ernährung und Bewegung zu finden.

    "Der Energiebedarf eines Erwachsenen liegt – je nach Alter, Geschlecht und Gewicht – zwischen 1.500 und 2.500 kcal pro Tag", so Hauner. Das Gewicht ist für Gesundheitswissenschaftler auch ein Spiegel der Seele. Menschen, die unter Dauerstress stehen, verändern ihr Essverhalten, wenn sie unter Vereinsamung leiden oder psychische Probleme, wie eine Depression erleiden. Die Forscher fanden heraus, dass neben verstärktem Übergewicht bei einem Teil der Befragten auch Gewichtsverlust eingetreten ist. Menschen mit geringem Gewicht und Body-Mass-Index haben dabei stärker abgenommen, für die Experten ein Hinweis, dass sich auch die Gefahr einer Essstörung wie der Magersucht in der Pandemiezeit erhöht.

    Gewicht bei der Mehrheit der Befragten unverändert

    Entwarnung geben die Experten im Blick auf die Gesamtbevölkerung. Quer durch alle Altersgruppen hat der Großteil der Befragten sein Essverhalten in der Krise nicht stark verändert. Sorge bereitet aber, dass besonders die Jüngeren Erwachsenen bis 29 Jahre stärker auf Lieferservices oder Snacks zurückgreifen.

    "Ein Problem ist, es wird nur noch selten selbst gekocht, das geht quer durch alle Schichten", Prof. Dr. Hans Hauner, Ernährungswissenschaftler TU München

    Nur noch 30 bis 40 Prozent der Menschen kochen zuhause. Aber wer fertige Mahlzeiten bestellt, zu Snacks greift oder Fastfood isst, hat keinen Überblick über seine Kalorienzufuhr. Mit frischen Zutaten selbst Mahlzeiten zuzubereiten, wäre die gesündere Alternative. Die Umfrage zeigt auch: Männer haben tendenziell mehr Probleme mit einem gesundem Lebensstil als Frauen. Das Studienteam empfiehlt generell kalorienbewusstes Essverhalten, mit viel Gemüse, Fisch und gesunden Ölen, der sogenannten Mittelmeerdiät. Verzichtet werden sollte auf Fleisch, Fett oder Kohlenhydrate, um überzählige Kalorien zu vermeiden. Bei drastischem Übergewicht sollte eine ärztlich begleitete Diät gestartet werden, so der Tipp der Ernährungsforscher. Zum Beispiel in Form der sogenannten "Formula-Diät". Mit Eiweißdrinks kann in wenigen Wochen eine deutliche Gewichtsabnahme erreicht und so auch das Immunsystem gestärkt werden.

    Gesundes Gewicht mit Sport und Fitness

    Das Expertenteam betont, nicht allein ein gesundes Gewicht durch geringe Kalorienzufuhr sei entscheidend, um möglichst gesund durch die Pandemie zu kommen. Wichtig ist körperliche Aktivität. Schon leichte sportliche Übungen zuhause stärken Lungen- und Herzfunktion. "Besonders Ausdauersport ist zu empfehlen, verbessert die Blutwerte, Herz- und Lungenfunktion", sagt Renate Oberhoffer-Fritz, Sportwissenschaftlerin an der TU München.

    Tägliche Bewegung hilft dem Körper, Immunsystem und seine Abwehrkräfte zu trainieren. Viele Menschen treiben bereits Sport, trotz geschlossener Fitness-Studios. Die Empfehlung der Experten: jetzt im Frühsommer ist körperliche Aktivität in der Natur besonders gut geeignet, um die Fitness zu erhöhen, Kalorien zu verbrennen und zudem Stress abzubauen, z.B. mit Yoga, Fahrradfahren, Joggen oder Wanderungen.

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