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Erste Corona-Impfstoffstudie aus Deutschland: Was dabei passiert | BR24

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Sehnsüchtig wartet die Menschheit auf einen Corona-Impfstoff. Ein Mainer Unternehmen für Krebs-Medikamente darf als erste Firma in Deutschland ein mögliches Corona-Gegenmittel klinisch testen- Es keimt also ein wenig Hoffnung auf!

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Erste Corona-Impfstoffstudie aus Deutschland: Was dabei passiert

Das Paul-Ehrlich-Institut hat dem Mainzer Unternehmen Biontech erlaubt, eine erste klinische Studie mit ihren Impfstoffen gegen das Coronavirus zu machen. Was passiert dabei? Und wie lange dauert es, bis der Impfstoff auf dem Markt ist?

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Das Mainzer Startup Biontech (Eigenschreibweise: BioNTech) beginnt in diesen Tagen mit einer ersten klinischen Studie ihrer Impfstoffkandidaten gegen den Covid-19-Erreger. Das weckt bei vielen Hoffnungen, der Börsenkurs der Firma steigt schon seit Wochen. Im März wurden die Stoffe schon in Tierversuchen an Mäusen getestet.

Gesunde Freiwillige werden geimpft

Die nun genehmigte Studie ist eine sogenannte Phase I/II-Studie, das heißt, erstmals wird das Mittel am Menschen getestet. Biontech sucht dafür 200 gesunde Freiwillige bis 64 Jahre in Deutschland, die mit jeweils einer von vier nur leicht unterschiedlichen Impfstoffvarianten geimpft werden, so das Studiendesign, das hier öffentlich abgerufen werden kann. Die Versuchspersonen werden dann eine Weile beobachtet und im zweiten Teil der Studie werden weitere Personen geimpft. In diesem Teil sollen auch Risikopatienten eingeschlossen werden. Insgesamt sind zwölf Monate für die Studie angesetzt, es gibt keine Placebogruppe. Darauf folgen weitere Studien in den USA und China.

Nebenwirkungen werden zuerst getestet

Eine Phase I/II-Studie soll vor allem die Verträglichkeit einer Impfung testen. Hauptaugenmerk liegt also auf unerwünschten Nebenwirkungen, die die Impfung hervorrufen kann, auch bei dieser Studie.

Das können Reaktionen der Haut an der Einstichstelle sein: Wird sie in den ersten Tagen nach dem Pieks rot oder schmerzt die Stelle? Entsteht eine Schwellung? Es wird auch genau beobachtet, ob die Versuchspersonen andere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Fieber oder Müdigkeit entwickeln. All diese Nebenwirkungen können einfach nur ein Zeichen sein, dass das Immunsystem arbeitet und die Impfung damit ihren Zweck erfüllt. Doch wenn die Nebenwirkungen überschießen, ist das Mittel – zumindest in dieser Dosierung oder Form - für die Impfung nicht geeignet.

Wirksamkeit des Impfstoffs auch im Blick

Erst an zweiter Stelle steht die Wirksamkeit der Impfung. Denn noch kann keiner sagen, welche Impfdosis zum Beispiel sinnvoll ist. Hier kann aber die Phase I/II-Studie schon erste Hinweise liefern, ob nach einer oder drei Wochen schon eine Immunreaktion stattfindet.

Sollten diese Tests zufriedenstellend verlaufen, beginnt die nächste Phase in der Zulassung des Impfstoffs, Phase III und Phase IV-Studien. Dann werden noch mehr Versuchspersonen eingeschlossen und erprobt, welche Impfdosis denn nun tatsächlich das gewünschte Ergebnis liefert. In jeder der Phasen kann der Impfstoff aber durchfallen, sich als zu gefährlich oder als wirkungslos erweisen.

Im besten Fall dauert es noch bis ins Jahr 2021, bis dieser Impfstoff auf den Markt kommt. Das Paul-Ehrlich-Institut geht davon aus, dass in den nächsten Monaten noch weitere derartige Studien zugelassen werden. Es gibt momentan weltweit nur vier klinische Phase I/II-Studien zu Impfstoffen gegen Covid-19.

RNA-Impfstoff gegen Covid-19

Der Impfstoff, den Biontech verwendet, ist ein sogenannter RNA-Impfstoff. Er funktioniert anders als herkömmliche Impfungen. Normalerweise beinhaltet ein Impfstoff einen Teil des Erregers oder einen abgetöteten Erreger - das ist ein sogenannter Totimpfstoff. Oder es wird ein abgeschwächter Erreger geimpft - das nennt man Lebendimpfstoff.

Was den Totimpfstoff vom Lebendimpfstoff unterscheidet

Unser Körper erkennt in beiden Fällen den Erreger und produziert Abwehrzellen, dann ist man geschützt. Ein RNA-Impfstoff bringt nun Teile der Erbinformation des Erregers, eine Art Bauanleitung für auffällige Strukturen des Corona-Virus in den Körper. Die werden dann im Körper selbst erst hergestellt und vom Immunsystem als "fremd" erkannt. Dann werden Abwehrzellen produziert.

Ob diese Art der Impfung erfolgreich ist, ist nicht klar. Bisher gibt es weltweit noch keinen derartigen Impfstoff, der schon zugelassen ist. Der Vorteil einer RNA-Impfung ist vor allem, dass man auf diese Weise sehr schnell große Mengen an Impfstoff herstellen könnte.

Börsennotiertes Startup Biontech

Das Mainzer Startup arbeitet dabei auch mit dem Pharmariesen Pfizer, der den Vertrieb weltweit übernehmen würde, und dem chinesischen Unternehmen Fosun Pharma zusammen, das für die Verteilung in China zuständig wäre. Das Unternehmen ist an der Börse notiert, schon 2015 hat die Bill und Melinda Gates-Stiftung Millionen investiert. Das Hauptgeschäft von Biontech ist die Krebsforschung.

Anmerkung: Die Studie findet mit Versuchspersonen aus Deutschland statt, nicht, wie zunächst berichtet, aus China. Wir haben das korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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