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Weltspatzentag: Der kleine Spatz wird vermisst | BR24

© LBV/Dieter Hopf

Männlicher Spatz (Haussperling)

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    Weltspatzentag: Der kleine Spatz wird vermisst

    Früher stibitzten sie uns die Brösel vom Tisch. Heute sind in den Städten fast keine Haussperlinge mehr zu sehen. Der Spatz wurde vom Allerweltsvogel zum bedrohten Piepmatz. Woran das liegt, warum er uns fehlt - und was Sie tun können.

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    Ein Leben ohne einen Spatz? Undenkbar! Spatzen haben sich uns wahrscheinlich schon vor rund 10.000 Jahren angeschlossen, als der Mensch sesshaft wurde und mit dem Ackerbau begann. Denn auch Spatzen lassen sich gerne fest nieder und bewegen sich nur in Ausnahmefällen wenige Kilometer von ihrem Geburtsort weg. Mit ihren menschlichen Gefährten zogen sie von den ersten Ansiedlungen bis in die heutigen Großstädte. Überall dahin, wo sie ausreichend Futter und Nistplätze fanden und finden.

    Weltspatzentag

    Am 20. März wird jedes Jahr der Weltspatzentag begangen. Ins Leben gerufen hat den "world sparrow day" die indische Naturschutzorganisation "Nature Forever Society" 2010. Seither macht der Tag jedes Jahr auf den Rückgang der Spatzen aufmerksam. Viele Naturschutzorganisationen haben sich der Initiative angeschlossen

    Von wegen Spatzenhirn

    Einen ersten Rückschlag mussten die Spatzen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hinnehmen: Autos verdrängten die Zugpferde, damit verloren die Vögel eine ihrer Hauptnahrungsquellen: die unverdauten Haferkörner in den Pferdeäpfeln. Zwischenzeitlich beschuldigte man den Haussperling auch, ein Schädling und Korndieb zu sein. Bis in die 1950er-Jahre wurde er deshalb bekämpft. Dabei ist der intelligente Vogel, was die Nahrungssuche angeht, ganz schön findig. Immer wieder erschließen sich Spatzen neue Nahrungsquellen: Sie haben gelernt, dass manche Türen automatisch aufgehen, wenn man vor ihnen umherflattert. Dass man über die Rolltreppenschächte in die U-Bahn-Stationen hinunterfliegen kann. Und dass es Papiertüten gibt, aus denen man durch Schütteln kostbare Brösel zaubert. Oder dass parkende Autos wahre Insekten-Schnellimbisse sind. 

    Der Spatz nimmt ab

    Im Freistaat Bayern geht es dem Haussperling schlecht. Das zeigen auch die Ergebnisse der vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zusammen mit dem NABU jährlich durchgeführten Vogelzählungen "Stunde der Gartenvögel" und "Stunde der Wintervögel". Im Frühjahr 2018 wurden im Durchschnitt nur noch 4,5 Haussperlinge pro Garten gezählt. Vor sechs Jahren waren es noch 6,2 Vögel pro Garten. Der Spatz ist nicht mehr der häufigste Vogel im Freistaat - inzwischen führt die Kohlmeise die Liste an. München ist die Stadt mit den wenigsten Spatzen in Bayern. 2018 wurden hier nur noch 0,9 der Vögel pro Garten gezählt. 2010 waren es noch 3,8.

    "Der Charaktervogel der bayerischen Biergärten - der Hausspatz auf der Suche nach Brezenbröseln - ist unter vielen Münchner Biertischen mittlerweile verschwunden und damit ist auch ein bayerisches Kulturgut bedroht." Thomas Rödl, LBV-Ornithologe

    Dem Spatz ist die Stadt zu geschleckt

    Vor allem in den Städten werden die Lebensbedingungen für den ehemaligen Allerweltsvogel immer schlechter. Ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Dass in den Großstädten überall gebaut und modernisiert wird, naturnahe oder brachliegende Gebiete verschwinden und Flächen versiegelt werden, macht dem Spatz zu schaffen. Die ursprünglichen Nistplätze des Gebäudebrüters - vor allem Nischen und Hohlräume an Häusern - werden dank energetischer Bauweisen, Fassadendämmungen und modernen, glatten Wänden immer seltener. Zusätzlich findet er in Städten immer weniger proteinreiche Nahrung für die Jungen. Städtische Grünanlagen und Gärten sind oft zu gut gepflegt und zu exotisch angelegt für unsere heimischen Insekten - und somit auch für den Spatz. Schätzungen zufolge ist der Spatzenbestand in Bayern von 1991 bis 2009 um 20 bis 50 Prozent gesunken. Inzwischen befindet sich der Haussperling sogar deutschlandweit auf der Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Arten.

    Dem Spatzl etwas Gutes tun

    Wer dem Haussperling helfen will, kann eine künstliche Nisthilfe anbringen. Werden Gebäude saniert oder neu gebaut, können Nischen und Mauerspalten eingerichtet werden - perfekte Orte für ein Spatzennest. Auch in eine begrünte Fassade wird gerne eingezogen. Wer einen Garten besitzt, pflanzt einheimische Sträucher, Stauden und Gräser, sie sichern dem Spatz ein reiches Angebot an Insekten und Samen. Bäume und Hecken bieten Schutz, Nest und eine Überwinterungsmöglichkeit. Wer den Sperlingen ein wahres Paradies einrichten möchte, stellt eine Vogeltränke und ein Sandbad zur Gefiederpflege auf. Hierfür kann man entweder einen größeren Blumenuntersetzer mit Sand füllen oder im Garten eine kleine Mulde graben und mit den Körnchen bestücken.