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Wie das Breitmaulnashorn noch gerettet werden könnte | BR24

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Letztes Männchen tot

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Wie das Breitmaulnashorn noch gerettet werden könnte

Nashorn-Opa "Sudan" war das letzte Männchen seiner Art. Die Rettung der Breitmaulnashörner ist ein Wettlauf mit der Zeit, so Steven Seet, Sprecher des Berliner Leibniz Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in der Bayern 2-radioWelt.

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Hiobsbotschaft aus Kenia: Ein Drittel der verbliebenen Population des Nördlichen Breitmaulnashorns ist verendet. Der 45-jährige Sudan, ein Popstar unter den Wildtieren, musste in seinem Reservat altersbedingt eingeschläfert werden. Sudan war der letzte Bulle. Übrig bleiben nur noch seine Tochter und die Enkelin. Ginge alles seinen natürlichen Weg, wäre das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns unausweichlich, aber die Wissenschaft gibt nicht auf, unter anderem das Berliner Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Sein Sprecher ist Steven Seet.

radioWelt: Sie arbeiten ja schon seit Jahren daran, dass sich die verbliebenen Tiere auf natürlichem Wege reproduzieren. Warum ist das denn in den vergangenen Jahren nicht mehr geglückt?

Seet: Bei den Nördlichen Breitmaulnashörnern hat das physiologische Gründe. Wir haben die beiden Weibchen untersucht und sie sind nicht fähig, eine normale Kopulation zu überstehen. Einerseits ist der Uterus nicht in der Situation, dass man dort einwandfrei Nachwuchs erzeugen kann. Auf der anderen Seite hat das ältere Weibchen Probleme mit den Hinterläufen, das heißt ein natürlicher Deck-Akt wäre vom Gewicht her nicht haltbar.

radioWelt: Ist denn schon auf künstlichem Weg versucht worden, Nachwuchs zu zeugen?

Seet: Wir haben zwei Möglichkeiten. Ein Weg ist, den beiden Weibchen Eizellen zu entnehmen, diese Eizellen dann mit Spermien von nördlichen Breitmaulnashörnern zu versetzen. Diese Spermien lagern einerseits bei uns in Berlin, im flüssigen Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius, und unser Kooperationspartner in San Diego in den USA hat auch noch Sperma. Das sind Spermien von Sudan, aber wir haben auch noch von drei weiteren Männchen Spermien eingefroren und wenn es um die genetische Vielfalt geht, wählt man natürlich nicht den Vater aus, sondern nimmt das Tier, das von der Verwandtschaft her am weitesten weg ist.

radioWelt: Ist das jetzt ein Wettlauf gegen die Zeit? Weil ja wahrscheinlich auch bei Nashörnern irgendwann mal die Zeit um ist, um noch Nachwuchs zu bekommen.

Seet: Das ist richtig. Wir haben hier einen enormen Wettlauf gegen die Zeit. Ziel ist es, Embryos zu erzeugen. Und wir werden diese Embryos auch nicht in Sudans Tochter oder Enkelin einsetzen, das ist zu heikel. Wir werden eine Leihmutter verwenden. Von dem Südlichen Breitmaulnashorn gibt es ja insgesamt noch ca. 20.000 Exemplare, also sehr viele Weibchen. Und wir haben in den letzten zwei Jahren in Europäischen Zoos an den Südlichen Breitmaulnashörnern dieses Ovum Pick Up, also diese Eizellengewinnung, getestet und perfektioniert und der nächste Schritt ist der Embryo-Transfer. Wenn das funktioniert, dann wird natürlich ein breeding program, also ein Aufzuchtprogramm gestartet mit vielen Partnern, anfangs vorrangig in Europa, aber dann natürlich weltweit. Das heißt, da werden Kühe der Südlichen Breitmaulnashörner ausgesucht und die werden dann im Prinzip alle mit einem Embryo versehen. Das wäre eine Möglichkeit, um die Stückzahl erst einmal zu erhöhen und dann sukzessive eine Population zu gründen.

radioWelt: Man versucht also eine Population aufzubauen, die irgendwann einmal wieder in der Lage ist, sich selbst zu reproduzieren?

Seet: So ist der Plan. Und das Gelingen ist sehr aussichtsreich.