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Die Sonnensonde Parker Solar Probe hat einiges über deren turbulente Sonnenwinde herausgefunden. Weitere Wissenschaftsmeldungen zur neuen Monats-Antibabypille und zum Verbot von Chlorpyrifos.

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Antibabypille: Auf lange Sicht nur noch einmal monatlich?

Millionen Frauen weltweit schlucken sie täglich, möglichst zur selben Uhrzeit: die Antibabypille. Wer sicher oral verhüten will, kommt an dieser Routine bislang nicht vorbei. Doch jetzt arbeiten US-Forscher an der Entwicklung einer Monats-Pille.

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Von
  • Ortrun Huber

Die Antibabypille ist der Klassiker unter den Verhütungsmitteln. Sie ist die am häufigsten verwendete Methode zur Verhütung einer Schwangerschaft - und das obwohl es auch langfristig wirksame Kontrazeptiva wie die Spirale gibt. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass die Antibabypille - laut Pearl-Index, der die Sicherheit von Mitteln zur Verhütung beurteilt - auch eines der zuverlässigsten Mittel zur Familienplanung ist. Methodisch hat die Antibabypille einen Pearl-Index von 0,3 bis 0,8, dass heißt, die in ihr enthaltenen Hormone, wirken mit großer Sicherheit. In Sachen Gebrauchs-Sicherheit steht die Antibabypille allerdings nur auf 2. Das heißt, 2 von 100 Frauen, die ein Jahr die Pille einnehmen, werden trotzdem schwanger. Und zwar, weil die tägliche Einnahme der Pille öfter mal vergessen wird.

Stets an die Pille denken müssen ist mühsam

Die notwendige Zuverlässigkeit bei der Einnahme ist eine Schwäche der Antibabypille, die Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge nun beheben wollen. Die Forscher arbeiten derzeit an einem Präparat, das den Druck des "Stets-an-die-Pille-denken-müssen" durch einen längeren Einnahme-Zyklus entschärft. Zugleich soll damit das Risiko, die Pille zu vergessen, und damit die Gefahr einer unerwünschten Empfängnis, verringert werden, schreiben Ameya Kirtane und seine Kollegen in der aktuellen Ausgabe von "Science Translational Medicine".

Neue Pillen-Hülle trotzt Magensäften

Möglich wird dies durch eine neuartige Verpackung der Pille, die im Magen nur nach und nach die hormonellen Inhaltsstoffe, die zur Empfängnisverhütung notwendig sind, freisetzt. Zu dem Zweck wurde die Monats-Pille in eine Gelatinekapsel gehüllt, in deren Inneren ein chemisches System aus Kettenmolekülen, eine sogenannte Polymerkombination, platziert wurde. Entfalten sich die Polymere nach Auflösung der Gelatine im Magen, ist das sternförmige Gebilde mit sechs Ärmchen so groß, dass es nicht mehr durch den Magenpförtner in den Darm passt. Verdaut wird das Medikament aber auch im Magen nicht, denn durch die spezielle Kombination aus Polymeren bleibt die Hülle stabil und gibt erst nach und nach die hormonellen Wirkstoffe frei. Durch Veränderung der Materialzusammenstellung gelang es den Wissenschaftler zudem, die Dosis des freigesetzten Medikaments zu variieren.

Test an Schweinen

Dass die langfristige Abgabe der Hormone im Magen tatsächlich funktioniert, konnten die US-Forscher in einem Test an Schweinen zeigen. Die Tiere erhielten eine Pille mit dem Verhütungshormon Levonorgestrel in der neuen Monats-Verpackung. Durch das Polymere-System in der Pille gab das Medikament eine nahezu konstante Wirkstoffdosis ab, über einen Monat hinweg. Im Blut der Schweine fanden sich dadurch ähnliche Konzentrationen des Verhütungshormons wie bei einer täglichen Medikamentengabe.

Einmonatspille muss den Körper verlassen

Um die Monats-Pille bei Frauen anwenden zu können, arbeiten die Wissenschaftler nun daran, die Kapsel so zu verändern, dass sie nach drei oder vier Wochen auseinander fällt und vom Körper ausgeschieden werden kann.

"Diese Arbeit ist unserer Kenntnis nach das erste Beispiel für eine Einmonatspille. Wir hoffen, dass sich daraus eines Tages neue Verhütungsoptionen für Frauen ergeben." Robert Langer, Massachusetts Institute of Technology