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Kultur

"Woher kommt's Brot": Impressionist Robert Sterl in Kissingen | BR24

© Sterls Erfolgs-Titel

Ausstellung Bad Kissingen

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    "Woher kommt's Brot": Impressionist Robert Sterl in Kissingen

    Er ist nicht so bekannt wie viele seiner Zeitgenossen, zählt aber zu den bedeutendsten Vertretern des Impressionismus: Der sächsische Maler Robert Sterl. Das Museum Obere Saline in Bad Kissingen widmet ihm jetzt eine Ausstellung. Von Anke Gundelach

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    Mädchen im Sonntagskleid mit Schleifen im Haar, Jungen in Matrosenanzügen, artige Kinder in der guten Stube. Spießige, heile Welt. Bilder wie diese sind Teil 1 der Ausstellung. Robert Sterl hat sie in jungen Jahren hundertfach gezeichnet - aus naheliegenden Gründen, erklärt Kurator Roland Halbritter:

    Als Broterwerb musste er von irgendetwas leben und hat für Jugendmagazine und "Herzblättchens Zeitvertreib" und "Töchteralbum" die Illustrationen gefertigt. Hier sind natürlich die ganz braven Sachen. Wenn Sie da drüben "Woher kommt's Brot" sehen, da musste er den Auftrag bedienen, was der jeweilige Auftraggeber wollte, und die wollten eben diese moralisierenden Darstellungen haben.

    Bestseller dieser Zeit

    Wie passend, dass ausgerechnet das bekannte Bilderbuch „Woher kommt's Brot“ so erfolgreich war, dass es für den jungen Künstler zu mehr reichte als nur zum Broterwerb.

    Also mit diesem "Woher kommt's Brot" konnte er sich quasi einen Frankreich-Studienaufenthalt leisten, also es war gut bezahlt, es war auch ein Bestseller zu dieser Zeit. Daraufhin konnte er mit den französischen Impressionisten erstmals in Verbindung treten. - Roland Halbritter

    Auktion in Dresden

    Der Impressionismus war Robert Sterls wahre künstlerische Heimat. Der talentierte Junge aus einfachen Verhältnissen war schon als Teenager an der Dresdner Kunstakademie aufgenommen worden. Während die zu dieser Zeit noch in alten Traditionen verhaftet war, suchte sich der Student seinen eigenen Weg. Davon zeugt im Hauptteil der Ausstellung zum Beispiel die Studie einer Auktion in Dresden:

    Da war er noch in der Meisterklasse. Das war ein freies Werk, völlig ungewöhnlich für Dresden. Vier Jahre später hat er ein größeres Sujet davon gemacht, und dafür hat einen Preis bekommen. Wir haben hier auch die Urkunde liegen, und die Silbermedaille, die er dafür bekommen hat, für das größere Werk, die sogenannte "Auktion an der Rampischen Gasse'" in Dresden. Das ist so verblüffend, das Werk, das er schon 1885 geschaffen hat, da war er 17, 18 Jahre alt, dass er da schon den impressionistischen Gedanken verinnertlicht hatte, im Prinzip. Also, da musste er gar nicht mehr nach Frankreich reisen, er hat ihn da schon präsent gehabt. - Roland Halbritter

    Schiffszieher an der Wolga

    Reisen unternahm Sterl natürlich trotzdem immer wieder und fand seine Motive vor allem im Arbeitermilieu. Momentaufnahmen harter, körperlicher Arbeit wurden sein Markenzeichen. Er malte Elbebaggerer und Schiffszieher an der Wolga, Bauern auf dem Feld und immer wieder Steinbrecher.

    Sein Vater war Steinmetz, deshalb ist er schon mit einem Illustrationsauftrag an den Steinbruch ran gekommen und das hat ihn dann nie wieder losgelassen, bis zum Ende seines Lebens hat er sich immer wieder im Steinbruch aufgehalten. Dafür ist er auch bekannt, also Steinbruch-Bilder sind auch in Kinder-Schulbüchern in Sachsen vertreten. Für Sachsen ist dieser Maler dafür also eine Ikone. Wenn man dort von Sterl spricht, spricht man von seinen Steinbrecherbildern. - Roland Halbritter

    Er war ein bescheidener Mann

    Der Stellenwert des Malers Robert Sterl ist heute unumstritten – auch wenn der Künstler weit weniger bekannt ist als etwa seine Zeitgenossen Max Liebermann, Lovis Corinth oder Max Slevogt. Das mag auch daran liegen, dass Sterl einfach ein bescheidener Mann war. Tatsache ist, dass sein Werk in dieser Form bisher noch nicht ausgestellt wurde, und darauf ist Museumsleiterin Annette Späth schon ein bisschen stolz.

    Bis zum 1. Juli ist die Sterl-Ausstellung im Museum Obere Saline in Bad Kissingen zu sehen – mit dabei auch eine Skizze, die in der Kurstadt entstanden ist. 1911 hatte sich Robert Sterl für einige Tage hier aufgehalten. Begleitend dazu sind Sonderführungen und Workshops geplant.