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"Schmutziges Menetekel": Auch Guttenberg verzichtet auf "Echo" | BR24

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Ennoch zu Guttenberg

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    "Schmutziges Menetekel": Auch Guttenberg verzichtet auf "Echo"

    Die Musikbranche kommt nicht zur Ruhe: Die Echo-Verleihung sorgt weiterhin für eine aufgeregte Debatte. Klassik-Dirigent Ennoch zu Guttenberg gab seine Auszeichnung zurück, Kulturrats-Präsident Höppner verließ den Ethik-Beirat. Von Peter Jungblut

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     Aus Protest gegen die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang gibt auch der Dirigent Enoch zu Guttenberg den Preis zurück. Er hatte ihn 2008 für eine Einspielung von Anton Bruckners vierter Symphonie erhalten. In einem Brief an den Bundesverband der Musikindustrie schreibt Guttenberg:

    Nachdem solch ein Preis nun im Jahr 2018 auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom „Ethikrat" Ihres Verbandes bedenkenlos freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten. - Ennoch zu Guttenberg

    "Mit tiefster Sorge erfüllt"

    Bereits gestern hatten mehrere Künstler ihre "Echos" öffentlich zurück gegeben, darunter der in Bayern lebende Klaus Voormann. Die Krise des Publikums-Preises ist offensichtlich, seine Zukunft ungewiss. Entscheidend sind bisher allein Verkaufszahlen, eine Jury hat nur beratende Funktion. Guttenberg distanzierte sich mit den Worten:

    Das einstige Symbol für gute künstlerische Arbeit hat sich in ein schmutziges Menetekel für eine Entwicklung in unserem Land verwandelt, die uns mit tiefster Sorge erfüllt.

    "Grenzen der Kunstfreiheit"

    Unterdessen trat der Präsident des Deutschen Kulturrates, Christian Höppner aus dem Ethik-Beirat des Musikpreises aus. Unter den bestehenden Rahmenbedingungen werde er nicht weiter in dem Gremium mitarbeiten. Zugleich kündigte er an, dass sich der Kulturrat schwerpunktmäßig mit den Grenzen der Kunstfreiheit befassen werde. Die Entscheidung, die umstrittenen Rapper auszuzeichnen, sei "ein Fehler" gewesen. Unzweifelhaft stünden die Mitglieder des Beirats und die in ihr vertretenen Organisationen ohne Wenn und Aber "gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt". Die derzeitigen Regeln zur Preisvergabe seien "gesellschaftlich nicht mehr tragbar". Der Ethik-Beirat hatte vor der Preisvergabe Textzeilen der Rapper kritisiert, aber gegen einen Ausschluss von der Preisverleihung votiert.

    Preis wird "überarbeitet"

    Am Sonntag hatte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, angekündigt, der Preis werde überarbeitet. Dies schließe eine umfassende Erneuerung der Mechanismen von Nominierung und Preisvergabe ein. Änderungen sind noch nicht bekannt. Für den Echo nominiert werden je Kategorie die Künstler oder Bands, die in den deutschen Charts auf den fünf besten Rängen platziert sind. Landet ein Album auf dem Index für jugendgefährdende Medien, fällt es automatisch von der Liste. Chart-Erfolg und die Stimmen von Fachjuroren werden am Ende zusammengezählt und entscheiden so über die Echo-Preisträger.