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"Großer König der Nacht" von Paul Müller

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"Feuer und Flamme": Kerzenleuchter-Ausstellung in Deggendorf

Stabil, feuerfest, tragbar: So sollte er sein, der ideale Kerzenleuchter. Sonst sind den künstlerischen Ideen keine Grenzen gesetzt. Das beweisen die rund 100 Kerzenleuchter, die derzeit im Handwerksmuseum Deggendorf zu sehen sind. Von Julie Metzdorf

Über dieses Thema berichtet: Kulturleben am .

"Großer König der Nacht" heißt der Kerzenleuchter des Nürnberger Silberschmieds Paul Müller. Treffender kann kaum eine Name sein: Der große orangefarbene Leuchter aus pulverbeschichtetem Edelstahl strahlt sogar ohne Kerzen. Dünne Stäbe markieren im Zentrum einen Kubus, von dem aus sich acht ebenso dünne Arme in den Raum ausstrecken und an ihren Enden die eigentlichen Kerzenhalter tragen. Ein Wechselspiel aus grafischen Linien und raumgreifender Form.


Fast einhundert Kerzenleuchter hat die Jury aus den Einsendungen zum Wettbewerb "Feuer und Flamme " ausgewählt. Sie alle sind nun im Handwerksmuseum Deggendorf zu bestaunen: aus Keramik, Porzellan, Silber, Stahl, Bronze, Glas oder Holz, figürlich oder abstrakt, minimalistisch oder reich dekoriert, klassisch oder unkonventionell.


Fast 100 Kerzenleuchter jeder erdenklichen Art


Der Münchner Künstler Gerd Rothmann hat einen Leuchter geschaffen, der die Mobilität des Geräts unterstreicht, denn früher wie heute geht es oft darum, die Leuchter an verschiedenen Orten zu platzieren, je nachdem wo man gerade Licht braucht. Rothmanns Kerzenleuchter mit dem Titel „Leben“ zeigt die Hohlform einer Faust. Das heißt, er hat seine Faust um eine formbare Masse geschlossen – Wachs oder Ton – und dieses zusammengedrückte Etwas, – das ein bisschen an einen Apfelbutzen erinnert – dann in Silber gegossen. Zugleich ist das Objekt dadurch individualisiert, der Künstler hat ihm seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt, denn auf der Oberfläche zeichnen sich die kleinen Falten seiner Handinnenflächen ab.


Das Spiel mit Stabilität und Sicherheit


Der erste Preis des Wettbewerbs geht an die Nürnberger Silberschmiedin Anne Fischer. Ihre Leuchter aus Silber und kupferfarbenem Tombak sind aus Würfeln aufgebaut, mal nur einer, mal drei übereinander gestapelt. Doch anders als bei normalen Würfeln sind die Kanten nicht geschlossen, die einzelnen Seitenwände sind hier ein bisschen zu klein, dort ein bisschen schief, kragen aus oder sind verbogen. So wirken die Gebilde bewegt und leicht, aber auch instabil, wie kleine Fertigbauhäuser, die auseinanderbrechen, oder wie Kartenhäuser. Eine völlig neuartige Interpretation des traditionellen Themas „Kerzenleuchter“.


"Feuer und Flamme - Der Kerzenleuchter" Bis 22. April im Handwerksmuseum Deggendorf