BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Museum für Franken
Bildrechte: Museum für Franken

Allegorie auf den Christlichen Heilsweg

Per Mail sharen

    Gefährlicher Umbruch: Bildhauer Peter Dell in Würzburg

    Bauernkrieg, Reformation, Umstürze und Rebellionen: Künstler hatten es nicht leicht um 1500, in der Hoch-Renaissance. Glauben und Herrscher wechselten, neue Maßstäbe galten von heute auf morgen. Peter Dell war mittendrin. Von Barbara Markus.

    Per Mail sharen

    Stürmische Umbrüche kennzeichnen das Leben und Schaffen des Peter Dell. Einen ersten radikalen Wandel macht Ausstellungsmacherin Claudia Lichte an drei Madonnen-Figuren deutlich. Die eine ist noch ein typischer "Riemenschneider". Bei dem Meister in Würzburg ist Peter Dell in die Lehre gegangen, dort wurde er geprägt. Dann aber arbeitet er mutmaßlich für Hans Leinberger in Landshut. Dessen Formensprache übernimmt Dell offenbar, als er 1522 ein erstes Mal nach Würzburg zurückkehrt. Naheliegend für Kuratorin Claudia Lichte.

    Glaubensspaltung im Werden

    In etlichen Kirchen am bayerischen Untermain finden sich heute noch Dells Madonnendarstellungen, dann aber tauchen Werke von Peter Dell in Freiberg in Sachsen auf, wo sich der Hofstaat gerade dem neuen, dem "protestantischen" Glauben zuwendet. Der Künstler musste seinen eigenen Weg finden zwischen Tilmann Riemenschneider und der Reformation. Die Schirmherrschaft für diese beeindruckende Ausstellung hat Edda Weise für das evangelische Dekanat Würzburg übernommen:

    An dem Peter Dell sieht man, dass die Trennung damals erst im Werden war und man es sich gar nicht vorstellen konnte, wie das werden würde und man sieht an ihm dass er für einen Landesherrn gearbeitet hat und dessen Bildsprache und Vorlieben hat er übernommen und sehr kunstfertig ins Bild gesetzt.

    Dank Luther Bibelzitate auf deutsch

    Zwischen Adam und Eva , Kreuzestod und Auferstehung sind in eine hölzerne Allegorie über Gesetz und Gnade mehrere Texte eingearbeitet . Es sind Bibelzitate auf Deutsch. Was erst die Übersetzung durch Martin Luther ermöglichte, hat der Bildschnitzer aus dem katholischen Franken in Sachsen umgesetzt. Für Claudia Lichte ist das nicht nur religionsgeschichtlich revolutionär:

    Wir kennen Kombi von Bild und Inschriften aus der Grafik, aber dieses ins dreidimensionale, da scheint Peter Dell wirklich derjenige zu sein, der das im deutschsprachigen Raum eingeführt hat.

    Seele hin und her geworfen

    Zu den Glanzstücken der Ausstellung gehört eine Allegorie auf den christlichen Heilsweg von 1534. Eine Seele, hin und her geworfen zwischen weltlichen Versuchungen und dem Heilsversprechen aus dem Korintherbrief. Das religiöse Lehrstück aus Lindenholz ist nicht größer als zwei Din A 4 Blätter nebeneinander : Spuren am Rahmen zeigen laut Claudia Lichte, dass die kleine Retabel einmal mit Flügeln verschlossen werden konnte.

    Würzburg: Katholisch wie eh und je

    Drei Jahre nach dem Tod seines früheren Lehrmeisters kehrt Peter Dell endgültig nach Würzburg zurück, das katholisch ist wie eh und je und vermutlich ist es auch Peter Dell geblieben. Denn wie sonst ließe sich erklären, dass er jetzt Aufträge für große Grabdenkmäler und Gedenksteine für katholische Würdenträger erhält. Dell stellt aber auch kleinformatige Kunstkammer-Objekte her, wie die 7 Todsünden in Frauengestalt. Der Faszination der 6 erhaltenen Objekte kann sich auch Edda Weise, Würzburgs evangelische Dekanin nicht entziehen.

    Von Kabinettstücken über Retabeln bis hin zu großen Kreuzigungsgruppen - es ist die erste Ausstellung überhaupt, die Peter Dell gewidmet ist. Sie zeigt ihn als Künstler im Umbruch von alten und neuen Glauben, zwischen Spätmittelalter und Renaissance.

    Noch bis 7. Januar auf der Feste Marienberg in Würzburg.