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Marta Dzidlo zur Lage der Künstlerinnen

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Emanzipation in Polen: Zur Lage der polnischen Künstlerinnen

In Polen wird bei den "Schwarzen Protesten" für eine Lockerung des Abtreibungsgesetzes gekämpft. Aber in einem Klima der Angst solidarisieren sich immer weniger Kulturschaffende damit. Dagmara Dzierzan sprach mit der Filmemacherin Marta Dzidlo:

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„Ich arbeite gerade an meinem Film „Silaczki“, „Starke Frauen“. Das ist die Geschichte der Emanzipationsbewegung in Polen. Damals, vor hundert Jahren, haben die Frauen um gleiche Rechte gekämpft, um das Recht zu studieren, zu wählen, mitzubestimmen. Es gab eine ganze Reihe hervorragender emanzipierter Frauen, die sich engagiert haben. Aber auch Männer, die sie unterstützten. Die Polen haben ja damals überhaupt um ein unabhängiges Land gekämpft und wollten auch das Wahlrecht für Frauen, nicht nur für die Hälfte der Bevölkerung. Also haben sie auch für die Rechte der Frauen gekämpft. Wo sind heute die Männer, die uns unterstützen?“ Regisseurin und Autorin Marta Dzidlo

Heute wollten viele Männer, aber auch manche Frauen, nicht in mal in die Nähe der feministischen Bewegung gerückt werden, erzählt die Regisseurin und Autorin Marta Dzidlo. Als sie die Crew für „Silaczki“ – übersetzt etwa „starke Frauen“ zusammenstellte, sagten einige Kollegen ihre Teilnahme ab. Vor allem männliche Schauspieler wollten nicht in einer Filmrolle mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden. Männliche Moderatoren und Medienleute behandelten das Thema oft nicht neutral, suggerierten öffentlich, dass ihnen schon die Begriffe der Frauenbewegung suspekt sind, berichtet die 37-jährige Warschauerin.

Atmosphäre der Angst

Eine Atmosphäre der Angst hat der stockkonservative Strippenzieher Jaroslaw Kaczynski, der Vorsitzende der regierenden PIS-Partei, in nur zweieinhalb Jahren mit Hilfe seiner Ministermarionetten erzeugt. Die düstere Stimmung im Land spiegeln die sog. Schwarzen Proteste wider – Demonstrationen tausender schwarz gekleideter Menschen für Frauenrechte, für Selbstbestimmung und gegen eine drohende Verschärfung des ohnehin schon restriktiven Abtreibungsgesetzes - von der Kirche massiv vorangetrieben. Doch die Teilnahme an den Protest-Demos bleibt häufig nicht ohne Folgen, erzählt Marta Dzidlo:

„Vor allem in kleinen Städten und auf dem Land soll es vorgekommen sein, dass Frauen einige Zeit nach ihrer Teilnahme an den schwarzen Protesten ihre Arbeit verloren haben. Natürlich unter irgendeinem Vorwand. Und das ist im Kultur- und im Medienbereich nicht anders. Vor einiger Zeit hat Natalia Przybysz, eine singer-songwriterin, in der Frauenzeitschrift „Wysokie obcasy“ über ihre Abtreibung in Tschechien erzählt. Danach gab es einen großen Shit-storm im Internet und eine Reihe von Absagen ihrer Konzerte.“ Regisseurin und Autorin Marta Dzidlo

Stimmungswandel im öffentlichen Bewußtsein

Auch Marta Dzidlo hat vor einigen Jahren autobiografische Motive dieser Thematik in ihrer preisgekrönten Geschichte? „Slad po mamie“ – „Eine Spur von Mama“ verarbeitet. Zwei junge Studentinnen, die ungewollt schwanger werden, treffen unterschiedliche Entscheidungen, die die Autorin ohne zu werten beschreibt:

„Ich bin vor einigen Jahren mit meinem Buch in ganz Polen aufgetreten, sprach mit vielen Frauen über dieses Thema. Und habe nirgends Vorwürfe gehört. Ja, das waren schwierige Gespräche, aber ich habe viel Zustimmung bekommen, denn die Frauen, die mir für das Buch dankten, freuten sich, nicht allein zu sein. Heute wären diese Gespräche in öffentlichen Veranstaltungen nicht mehr möglich. Die Stimmung hat sich sehr verändert.“  Regisseurin und Autorin Marta Dzidlo

Letztes Jahr ist plötzlich auch das Monodrama „Slady“ – „Spuren“, die Theateradaption ihres Buches, im Warschauer Theater WARsawy abgesetzt worden. Nach drei erfolgreichen Jahren. Zufall? Wohl kaum. Um so wichtiger ist es für Marta Dzidlo dass ihr neuer Film „Silaczki“ über die feministische Bewegung und die Einführung des Frauenwahlrechts vor hundert Jahren in Polen rechtzeitig fertig wird.