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David Schalko: „Schwere Knochen“ | BR24

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© BR Cornelia Zetzsche

David Schalko über seinen Roman "Schwere Knochen"

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David Schalko: „Schwere Knochen“

In seinem neuen Roman „Schwere Knochen“ erzählt David Schalko mit Wiener Schmäh und schwarzem Humor, wie aus Wiener Kleinkriminellen im Konzentrationslager kapitale Mörder werden, die nach dem Krieg die Unterwelt beherrschen. Von Cornelia Zetzsche

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„Ferdinand Krutzler war damals der wichtigste Notwehrspezialist Wiens. Elfmal wurde er wegen tödlicher Notwehr freigesprochen. Nur am Schluss hatte er es übertrieben.“ (Roman-Zitat)

 Der „Halsstich-Krutzler“, Schalkos Romanheld, war ein ungeliebtes Kind. Seinen Vater soll er beseitigt haben. Mit jugendlichen Kleinganoven zieht er durch Wien, betrügt, raubt, stiehlt. Ein 2-Meter-Hüne mit Hornbrille und dem Aussehen eines Insekts – bar jeder Empathie.

 Modell Unterwelt

„Der Krutzler hat ein bissel ein reales Vorbild aus der Wiener Unterwelt. Es gab eine Figur in den 40ern, 50ern, die hieß Josef Krista, auch genannt der „Notwehr-Krista“, der mehrmals wegen tödlicher Notwehr freigesprochen wurde, und um den sich eine Gruppe gesammelt hat, die der nicht so unähnlich ist.“ (David Schalko)

Als die Bande einen hohen Nazi ausraubt, genau am 15.März 1938, als alle den „Anschluß“ Österreichs bejubeln, werden die vier gefasst und kommen ins KZ.

„Gschamster Diener“

„Das zentrale ist für mich eigentlich die Sprache, in der das Buch geschrieben ist, weil es so eine ganz eigene Kunstsprache sein soll, eine ganz eigene Melodie, ein eigener Ton.“ (David Schalko)

Und das gelingt David Schalko mit schwarzem Humor und Wiener Schmäh, sogar wenn er Todesarten im KZ beschreibt oder erzählt, wie die Österreicher in K&K-Manier die brutale Herrschaft der „Herrenmenschen“ unterwanderten.

„Humor ist ja etwas Feines, das die Dinge sichtbar macht, vielleicht feiner als brachiale Betroffenheitsmechanismen, die bei uns schon so automatisiert sind.“ (David Schalko)

Krutzler, der 2-Meter-Mann, wird zum Handlanger der Nazis, später in Mauthausen, zuvor im KZ Dachau, wo die Prominenten inhaftiert waren.

„Genau genommen war das spätere Österreich damals im KZ entstanden,“ (Roman-Zitat)

schreibt David Schalko in „Schwere Knochen“, denn die gesamte Opposition war im Lager und beriet, wie Österreich nach dem Krieg aussehen könnte. Der Krutzler unterhält in den 50er, 60er Jahren ein profitables Netzwerk von Schmuggel, Prostitution und Glücksspiel. „Schwere Knochen“ ist, nach „Altes Geld“ und „Braunschlag“, der 3.Band zum Thema „Gier“.

"Ich glaube, dass Gier in der extremen Leistungsgesellschaft schon zu einer Tugend stilisiert wird, und wir, als westliche Gesellschaft, eine sehr gierige Gesellschaft sind, die auf Kosten des halben Planeten lebt.“ (David Schalko)

David Schalko: „Schwere Knochen“, Kiepenheuer & Witsch 19,99