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Unfallforschung: Was wissen wir über Geisterfahrer? | BR24

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Bei einem schweren Unfall auf der A99 bei Hohenbrunn sind gestern Abend vier Menschen ums Leben gekommen. Ein Autofahrer war in der falschen Richtung unterwegs gewesen, der entgegenkommende Fahrer konnte nicht mehr ausweichen.

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Unfallforschung: Was wissen wir über Geisterfahrer?

Nach dem schweren Unfall von der A99 mit vier Toten werden manche wieder mit mulmigem Gefühl über die Autobahn fahren. Die Unfallforschung zeigt: Es sind vor allem zwei gesellschaftliche Gruppen, die häufiger als andere zum Geisterfahrer werden.

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Geisterfahrer-Meldungen kommen mit erschreckender Häufigkeit. Im vergangenen Jahr waren es laut ADAC 1.912 Geisterfahrer-Warnungen in ganz Deutschland, die an die Autofahrer herausgegeben wurden. Zu einem Unfall kommt es allerdings meistens nicht. Laut amtlicher Statistik gab es 61 Geisterfahrer-Unfälle. Neun Kollisionen verliefen tödlich und insgesamt kamen dabei 11 Menschen ums Leben.

Unter den Geisterfahrern sind viele Männer und viele Alte

Für die Unfallforschung sind Falschfahrer ein relativ schlecht erforschtes Terrain. Auch deshalb, weil die Unfälle zwar schwerwiegend, aber selten sind, so der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann. Häufig sind nach einer Falschfahrer-Meldung die Verursacher auch gar nicht mehr für weitere Befragungen auffindbar. Was man sagen kann: Unter den Geisterfahrern, die ermittelt werden konnten, sind mehr Männer als Frauen, und alte Menschen sind überrepräsentiert. Suizide oder auch Mutproben scheinen keine große Rolle zu spielen: "Das ist in den seltensten Fällen nachweisbar", so Brockmann.

Geisterfahrten oft nachts am Wochenende

Melanie Mikulla vom ADAC fasst zusammen: "Es gibt bei Geisterfahrer-Unfällen zwei auffällige Gruppen: verwirrte Senioren und junge Männer." Geisterfahrer-Unfälle passieren auffällig häufig nachts am Wochenende, so der ADAC. Das lasse darauf schließen, dass Geisterfahrten mit Alkohol- und Drogenkonsum zu tun haben. Die Fahrtüchtigkeit müsse schon erheblich eingeschränkt sein, um trotz aller Vorkehrungen falsch herum auf die Autobahn zu fahren und dann nicht schnell auf den Standstreifen zu fahren und anzuhalten.

Die These mit dem Rauschmittel-Einfluss steht nach Ansicht von Unfallforscher Brockmann allerdings auf dünnem Eis. Es brauche einfach noch Forschung dazu, ein Projekt bei dem identifizierte Geisterfahrer befragt werden sollen, wird derzeit vorbereitet.

Notrufsäulen könnten Warnblinker bekommen

Ebenfalls in Vorbereitung ist ein Projekt, bei dem die Notrufsäulen am Fahrbahnrand mit Warnleuchten ausgestattet werden sollen – sie würden dann Autofahrer vor drohenden Falschfahrern warnen, per automatisiertem Lichtsignal. Ein anderes Projekt hat sich als wenig wirksam erwiesen: Die besonders auffälligen Warnschilder in Neonfarben, die nach österreichischem Vorbild an Autobahnauffahrten in Südostbayern aufgestellt wurden, haben keinen messbaren Effekt bewirkt.

Andere Unfallursachen sind deutlich gefährlicher

Klar ist allerdings, was zu tun ist, wenn eine Geisterfahrer-Warnmeldung für die eigene Strecke im Radio ertönt: Langsam auf der rechten Fahrbahn fahren, Warnblinkleuchte anschalten, Abstand zum Vordermann halten und den Seitenstreifen im Auge behalten. Und natürlich kann man die Autobahn auch möglichst schnell verlassen, bis die Entwarnungsmeldung kommt.

Insgesamt kamen auf deutschen Straßen vergangenes Jahr 3.046 Menschen ums Leben – Geisterfahrerunfälle spielen also im Vergleich zum allgemeinen Risiko im Verkehr statistisch eine untergeordnete Rolle.

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