BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture-alliance/dpa
Bildrechte: picture-alliance/dpa

Blick aus der ISS Richtung Erde

Per Mail sharen

    Earth Overshoot Day: Ab heute leben wir auf Pump

    Ökologen haben für heute den sogenannten "Earth Overshoot Day" - den "Erdüberlastungstag" - ausgerufen. Die Menschheit hat bereits jetzt alle Ressourcen verbraucht, die die Erde dieses Jahr zur Verfügung stellen kann. Von Miriam Stumpfe

    Per Mail sharen

    Die Menschheit hat zwischen Jahresbeginn und heute alle Ressourcen verbraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres zur Verfügung stellen kann – und lebt den Rest des Jahres auf Pump: Es geht um sauberes Wasser, um Äcker, auf denen Nahrungsmittel wachsen, oder Wälder, die unsere CO2-Emissionen aufnehmen und gleichzeitig Holz liefern. Menschen sind darauf angewiesen, dass natürliche Rohstoffe sich stetig erneuern.

    1,7 Erden wären für unseren Ressourcenbedarf nötig

    Wie viele dieser Rohstoffe wir weltweit verbrauchen, berechnet die Organisation "Global Footprint Network" jedes Jahr neu – und hat bilanziert, dass wir bis heute alle Ressourcen verbraucht haben, die 2018 nachwachsen könnten. Vor 20 Jahren lag dieser Tag noch im Oktober. Anders ausgedrückt: Will die Menschheit so weiter wirtschaften wie aktuell, bräuchte sie 1,7 Erden, um ihren Ressourcenbedarf zu decken.

    Deutschland "ökologischen Fußabdruck" um acht Prozent verringert

    Zwar gibt es positive Entwicklungen: Mehrere Industrieländer haben ihren ökologischen Fußabdruck pro Kopf seit 2000 deutlich verringert, Dänemark und die USA zum Beispiel um knapp 20 Prozent, Singapur sogar um über 30 Prozent. Deutschland hat seinen ökologischen Fußabdruck um acht Prozent verringert. Sogar in China, wo der Ressourcenverbrauch seit 2000 stetig gestiegen war, ist eine Trendwende erkennbar.

    Wachstum in der Gesamtbilanz höher

    Trotz dieser Entwicklungen aber wächst der ökologische Fußabdruck der Menschheit in der Gesamtbilanz weiter. Die Forscher des "Global Footprint Network" rufen dazu auf, gegenzusteuern. Und machen konkrete Vorschläge:

    Städte: Wenn die Menschen weltweit den motorisierten Verkehr um 50 Prozent zurückschrauben und ein Drittel aller Autokilometer durch öffentlichen Transport sowie Zufußgehen und Radfahren ersetzen, würde der Erdüberlastungstag wieder 12 Tage Richtung Jahresende rücken.

    Energie: Wenn die Menschheit 50 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen würde, könnte der Welterschöpfungstag um 93 Tage nach hinten rücken.

    Ernährung: Wenn alle Menschen auf der Welt ihre Lebensmittelabfälle um die Hälfte reduzieren und auf eine Ernährung mit geringem ökoloischen Fußabdruck umstellen (z.B. fleischarm, vegetarisch, saisonal), dann könnte der Welterschöpfungstag um 38 Tage verschoben werden.

    Deutschland bräuchte drei Erden

    Die Rangliste der größten Ressourcenverbraucher führen die USA an. Würde die gesamte Menschheit so leben wie dort, bräuchten wir insgesamt fünf Erden, um den Bedarf zu decken. In Deutschland entspricht der Ressourcenverbrauch in diesem Vergleich ungefähr dem von drei Erden. Im Gegensatz dazu leben die Menschen in Indien so, dass es nur 0,7 Erden bräuchte, um weltweit so zu wirtschaften wie dort.

    In Berlin demonstriert heute ein Bündnis von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen u.a. für einen konsequenten Kohleausstieg und eine ökologischere Landwirtschaftspolitik.