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Die Qumran-Rollen

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Biblische DNA: Die berühmten Qumran-Rollen im DNA-Test

Neue Erbgut-Untersuchungen der Qumran-Rollen könnten helfen, das Geheimnis der Entstehung der Schriften aufzudecken.

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Von
  • Tim Aßmann

Früher dachte man, die Qumran-Texte seien nur auf Ziegenhäute geschrieben worden. Mittlerweile ist klar, dass auch Kuhhäute dabei waren. Was belanglos klingt, könnte die Forscher einen großen Schritt weiter bringen. 

Hier geht es zum Audio-Beitrag.

Es ist ein Zufallsfund, der Experten seit mehr als siebzig Jahren fesselt: Im Jahr 1947 entdeckte ein Hirte in einer Höhle nahe dem Toten Meer Schriftrollen – rund 2000 Jahre alte jüdische Texte auf Leder und Papyrus, darunter zum Teil Bibel-Abschriften. Die Forschung zu den nach ihrem Fundort benannten Qumran-Rollen ist wissenschaftliche Puzzlearbeit, denn die Rollen müssen aus mehr als 25.000, teilweise winzigen, Fragmenten zusammengesetzt werden. Bisher puzzelten die Forscher eher nach Augenschein. Nun sollen Erbgut-Informationen helfen. Anhand von DNA-Proben kann festgestellt werden, welche Fragmente zur Haut eines bestimmten Tieres passen. Die Experten wissen nun auch, auf welche Arten von Häuten geschrieben wurde. „Wir dachten, dass es sich immer um Ziegenhaut handelte und stellen nun fest, dass auch Schafhäute dabei sind“, sagt Pnina Shor von der Israelischen Antikenbehörde. Die Erbgut-Informationen lieferten auch noch eine weitere neue Erkenntnis.

"Dass man Häute von Schafen und Ziegen in der Wüste findet, ist logisch. Aber zwei Proben sind Kuhhäute. Diese zwei Fragmente sind aus Kuhhaut und damit nicht aus der Umgebung des Fundortes. Sie kamen woanders her." Pnina Shor, Israelische Antikenbehörde
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Pnina Shor zeigt Fragmente der Qumran-Rollen.

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Ein Hirte hatte die Rollen in den Höhlen von Qumran entdeckt.

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Eine alte Fotografie des Sensationsfunds von 1947.

Die Forscher aus Israel und Schweden präsentieren ihre neuen Ergebnisse nun im Fachmagazin „Cell“. Sie vermuten auf Basis der DNA-Proben, dass ein Teil der Schriften nicht in der Wüste um das Tote Meer entstand, sondern von Jerusalem aus in die Höhle nahe Qumran gebracht wurde. Die Verwendung von DNA-Analytik hilft also nicht nur bei der Zusammensetzung der Schriften, sondern kann auch das Geheimnis ihrer Entstehung lüften. Bisher habe sich die Forschung zu den Qumran-Rollen nur um die Inhalte der Texte gedreht, berichtet der Bibelforscher Noam Mizrahi von der Universität Tel Aviv. Das ändere sich nun.

"Die biologische Herkunft des Materials der Rollen ist ebenso aufschlussreich wie der Inhalt der Texte. Das hat mein Verständnis der Qumran-Rollen entscheidend verändert. Ich denke, das wird von nun an auch vielen meiner Kollegen so gehen." Noam Mizrahi, Bibelforscher 
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Die Arbeit an den Qumran-Rollen ist für die Forscher wie ein Puzzle - die DNA-Analyse hilft ihnen weiter.

Wenn alle Qumran-Schriften mit der Methode der DNA-Analyse untersucht werden, erhoffen sich die Wissenschaftler noch mehr neue Informationen über Herkunft und Entstehung der Schriftrollen.