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Schleichende Vergiftung: Auswirkungen bleihaltiger Jagdmunition | BR24

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Bleihaltige Jagdmunition

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Schleichende Vergiftung: Auswirkungen bleihaltiger Jagdmunition

Bleihaltige Jagdmunition steht unter Beschuss. Wissenschaftlich belegt ist: Spuren davon können über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen. Ihre Reste belasten Gewässer und führen bei Greifvögeln zu einer schleichenden Vergiftung.

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Seit Jahren sind die Auswirkungen bleihaltiger Jagdmunition bekannt und wissenschaftlich belegt. Nicht nur, dass der Mensch Bleireste beziehungsweise Spuren von Blei über die Nahrungskette aufnehmen kann. Auch die Qualität von Gewässern wird damit beeinträchtigt. Enten zum Beispiel nehmen beim Gründeln Bleischrote auf, Greifvögel wie See- oder Steinadler und Bartgeier können über die Nahrungskette schleichend vergiftet werden.

Es gibt keine verträgliche Blei-Dosis

Blei ist ein sehr starkes Gift. Es reichert sich im Körper an und führt sukzessive zu immer stärkeren Vergiftungserscheinungen. Es gibt keine verträgliche Menge an Blei. Schon kleinste Bleianteile im Körper haben negative Auswirkungen. Bei Greifvögeln zum Beispiel werden die Nerven geschädigt und es führt zum Abbau der Brustmuskulatur. Die Vögel fliegen dadurch schlechter. Nicht selten verenden sie qualvoll an Atemnot und Nährstoffmangel.

Landesbund für Vogelschutz übt heftige Kritik an Bleimunition

Auch in Bayern verenden immer wieder Greifvögel nachweislich durch Bleivergiftungen. Bei Verdachtsfällen, so Toni Wegscheider, Bartgeier-Beauftragter des Landesbundes für Vogelschutz, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass entsprechende Proben genommen werden. Der LBV-Biologe kritisiert, dass tote Greifvögel meist einfach entsorgt würden, wenn sie in schlechtem Zustand gefunden werden.

Jäger halten an Bleimunition fest

Egbert Urbach, Leiter der Jagdschule des Bayerischen Landesjagdverbandes, sieht das Problem mit den toten Greifern aus anderer Warte. Mit bleifreier Munition sei die Tötungswirkung auf weitere Distanz oder bei stärkerem Wild nicht gegeben. Für Jäger sei "nicht ausschlaggebend, ob bleihaltig oder bleifrei", sondern "die Tötungswirkung", so Egbert Urbach, um "jegliche Tierquälerei zu vermeiden".

Vogelschützer widersprechen

Dem widerspricht der Landesbund für Vogelschutz. Gerade im forstlichen Bereich, so LBV-Bartgeier-Beauftragter Toni Wegscheider, wisse er von "vielen Abschüssen, die nur noch bleifrei" stattfänden.

Problem bekannt, aber nicht gebannt

Mit Erlass des Bundesfinanzamtes ist es in den deutschen Bundesforsten – zum Beispiel auf den Truppenübungsplätzen Munster und Grafenwöhr – bereits seit 2013 Pflicht, bleifrei zu jagen. Auch auf europäischer Ebene gibt es Bestrebungen, Bleimunition nicht nur in Feuchtgebieten zu verbieten, sondern flächendeckend.

In Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist es bislang nur verboten, an und über Gewässern mit Bleischrot zu jagen. Lediglich in vier Bundesländern - in Schleswig-Holstein, im Saarland, in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg - existiert bereits ein generelles Verbot für bleihaltige Jagdmunition; dort darf weder mit Bleikugeln noch Bleischrot gejagt werden.

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll nun ein neues Regelwerk beschlossen werden. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums befindet sich eine Novelle des Bundesjagdgesetzes derzeit in der Ressortabstimmung mit dem Bundesumweltministerium.

Hörtipp!

Notizbuch-Gespräch mit Wolfgang Kornder vom Ökologischen Jagdverein über die Jagd mit Bleimunition

© BR

Blei ist hochgiftig. Reste können übers Jagdwild in die Natur und Nahrungskette gelangen. Doch viele Jäger argumentieren mit der "optimalen Tötungswirkung" von Bleimunition. Der Ökologische Jagdverband weist das zurück.