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Mitterteich: Eine Gemeinde im Corona-Schockzustand | BR24

© pa/dpa/Nicolas Armer

Ortsschild der Kleinstadt Mitterteich.

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    Mitterteich: Eine Gemeinde im Corona-Schockzustand

    Die Kleinstadt Mitterteich im Kreis Tirschenreuth war bayernweit die erste Kommune mit verordneter Ausgangssperre. Inzwischen gibt es bereits drei Corona-Todesfälle in der Stadt. Für die Bewohner eine schwierige Situation, nicht nur gesundheitlich.

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    In Mitterteich sind mindestens 71 Menschen positiv auf Corona getestet worden. Drei Menschen sind bereits an Covid-19 gestorben. Seit einer Woche gilt eine Ausgangssperre.

    Die Stimmung in der Oberpfälzer Kleinstadt ist bedrückend, wie der evangelische Pfarrer Martin Schlenk dem Evangelischen Pressedienst (epd) berichtet. Seit einer Woche heiße es nur noch: "Der und die hat es auch."

    "Jeder kennt Geschichten von Verstorbenen"

    Und dann höre er, dass wieder jemand gestorben sei, den er gekannt habe, sagt der Pfarrer. So sei unter den bisherigen Toten auch ein Kirchenchormitglied gewesen. Der 86-Jährige sei noch mit Rettungshubschrauber in die Weidener Klinik geflogen worden, dort konnte man aber nicht mehr helfen. Jeder im Ort kenne inzwischen solche Geschichten, sagt Schlenk.

    Viele Bewohner in Corona-Quarantäne

    Seit die Zahl der Erkrankungen wachse, frage sich auch jeder, mit wem er in den vergangenen zwei Wochen Kontakt hatte, ob er oder seine Familie in Gefahr seien. Viele Menschen in dem 7.000-Einwohner-Ort stehen momentan unter Quarantäne. Auch Schlenks Frau. Am 12. März feierte sie zusammen mit dem Kirchenchor den 80. Geburtstag eines Kirchenchormitglieds. Wenig später erkrankte der Jubilar, ist inzwischen aber wieder geheilt. Frau Schlenk wartet noch auf ihr Testergebnis - wie viele andere auch. Unterdessen macht sich der Jubilar schreckliche Vorwürfe, weil er unwissentlich jemanden angesteckt haben könnte, berichtet der Pfarrer.

    Auch Anfeindungen im Ort

    Nicht alle allerdings seien derzeit so auf das Umfeld bedacht. Im Ort hagele es auch Anfeindungen. So rückt wegen der hohen Zahl an Corona-Infizierten in Mitterteich immer wieder ein Starkbierfest in den Mittelpunkt. Dazu gab es eine erste Strafanzeige. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer dem epd bestätigte, ist bei der Staatsanwaltschaft ein Antrag wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung eingegangen. Der Antragsteller sei der Meinung, dass das Starkbierfest am 7. März nicht mehr hätte veranstaltet werden dürfen.

    Burschenverein hatte grünes Licht

    Im Hintergrund steht eine Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, dass Experten das Fest als Ausgangspunkt für die hohe Infektion vermuteten. Nun wird die Anzeige geprüft. Der Burschenverein als Veranstalter hat laut Medienberichten immer wieder klargestellt, dass er vom Gesundheitsamt grünes Licht für die Veranstaltung bekommen hatte. Innenminister Joachim Herrmann hatte schließlich am 18. März eine Ausgangssperre für Mitterteich verhängt.

    Immer mehr Corona-Infizierte im Kreis Tirschenreuth

    Die Corona-Lage im Landkreis Tirschenreuth, zu dem Mitterteich zählt, verschärft sich derweil weiter. Allein am Sonntag stieg die Fallzahl laut Landratsamt Tirschenreuth um rund 150 Prozent. Bis Dienstag wurden 202 Fälle registriert. Es werde derzeit permanent getestet, sagte Landratsamtsprecher Walter Brucker. Der Landkreis weist damit bundesweit die zweitmeisten Fälle in Bezug auf die Einwohnerzahl auf. Nur im nordrhein-westfälischen Heinsberg ist der Anteil noch höher.

    Sorge um angemessene Bestattungen für Todesopfer

    Unterdessen bereitet Pfarrer Schlenk noch ein anderes Problem Sorgen: Was wird mit den Todesopfern? Wie können sich die Angehörigen angemessen verabschieden? Ein 83-jähriger Mann, das wohl erste Corona-Opfer in Mitterteich, soll zwei Wochen vor seinem Tod im Koma gelegen haben. "Niemand durfte sich von ihm verabschieden." Der Tote sei dann vom Krankenhaus direkt ins Krematorium nach Selb transportiert worden. In Mitterteich wird man nach der Pandemie nicht nur um den sozialen Frieden ringen müssen, sondern auch um den seelischen.