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Bayerische Städte stöhnen unter der SUV-Flut | BR24

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    Bayerische Städte stöhnen unter der SUV-Flut

    In Deutschland ist jeder vierte Neuwagen mittlerweile ein sogenannter Offroader oder SUV. Im Alltag müssen sich die Fahrer mit ihren extra breiten Wagen durch enge Straßen quetschen und sich um die raren Parkplätze streiten. Von Tina Wenzel

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    Die Wunderburggasse in der Nürnberger Altstadt. Bis zur Shoppingmeile sind es nur noch wenige Meter. Geparkt wird hier auf dem Gehweg. Und da fängt das Problem schon an. Zwei nagelneue SUV's stehen direkt hintereinander, die Seitenspiegel eingeklappt – trotzdem: Viel Platz bleibt den Fußgängern nicht mehr. Im Gänsemarsch geht es an den teuren Schlitten vorbei.

    Kein Platz mehr für Fußgänger

    Nur wenige Straßen weiter: Ein SUV – mit einem Rad noch auf der Bordsteinkante – die Parklücke einfach zu eng. Das Urteil vieler Nürnberger ist vernichtend:

    "Völlig unnötig. Das braucht man, wenn man in die Rocky Mountains fährt oder in den Bayerischen Wald. Aber nicht in der Stadt. Und kostet wahnsinnig Sprit. Und kostet wahnsinnig Geld. - Also ich finde SUV’s einfach zu groß für die Stadt. In Amerika passt das, da sind die Straßen breiter, aber hier – find ich nicht gut.- In der Innenstadt und Großstädten auf jeden Fall fehl am Platz." Aus einer Straßenumfrage

    Die Autos werden immer breiter

    Die Fahrzeuge sind in den vergangenen Jahren immer breiter geworden: 1974 zum Beispiel maß ein Golf noch rund 1,60 Meter ohne Seitenspiegel. Einige SUV’s sind heutzutage schon rund zwei Meter breit – also 40 Zentimeter mehr.

    Und die Parkplätze? Die wachsen nicht mit. In der Altstadt ist Platz Mangelware, sagt der Chef des Verkehrsplanungsamts, Frank Jülich. Parkplätze mit einer Breite von 1,75 Meter sind keine Seltenheit. Bei neuen Straßen – allerdings außerhalb der Altstadt – halte man sich an die sogenannte RAST 06 – die Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen. Und die macht klare Vorgaben: zwei Meter Breite für den Parkplatz. Basta.

    "Die Autos werden immer breiter und länger. Und die Großstädte sind insbesondere in der dichtbebauten Innenstadt darauf nicht ausgelegt. Es gibt tatsächlich immer mehr Probleme. Wir planen nach den Richtlinien, die uns vorgegeben sind. Meine Ingenieure wissen, dass sie an den Straßen 2 Meter breite Parkstreifen planen, die aber in der Regel, in dem Maß für die großen breiten SUV’s schon zu schmal sind." Frank Jülich, Chef des Verkehrsplanungsamts Nürnberg

    Problem Parkgaragen

    Ortswechsel: Es geht in den Untergrund. In eines der vielen Parkhäuser in der Nürnberger Innenstadt. Eng an eng stehen die SUV’s. Einen klitzekleinen Spalt wird die Tür geöffnet und dann aalen sich die Autofahrer heraus. Oder man parkt gleich auf zwei Parkplätzen. Dann geht es eindeutig einfacher. Der ADAC teste regelmäßig die Parkhäuser und bemängelt die engen Parkplätze: 

    Die Parkstände genügen meistens den Garagenverordnungen. Das sind 2.30 Meter Parkstandbreite, aber nicht den Anforderungen, die Forschungsgesellschaft vorgibt von 2,50 Meter. Neuere Parkhäuser sind durchaus 2,50 Meter breit aber gerade bei älteren Parkhäusern ist es häufig ein Problem." ADAC Verkehrsexperte Jürgen Hildebrandt

    Die Parkhausbesitzer – eine sehr scheue Spezies, die nicht gern vor dem Mikro spricht – sehen keinen Grund ihre Parkplätze zu erweitern. Man halte sich ja an die Garagenverordnung. Und nur an wenigen Tagen im Jahr seien die Parkhäuser schließlich proppenvoll. Die Autofahrer müssen halt ordentlich einparken.

    Warum ein SUV fahren?

    Bleibt nur noch die Frage: Warum kauft man sich so ein Auto, das in der Innenstadt absolut unpraktisch ist?

    "Ganz einfach, weil man in dem Auto relativ viel Platz hat und gut und hoch einsteigen kann. - Man sitzt bequem, man sitzt hoch, man hat Überblick. Also ich finde es toll, bequemes Fahren." Umfrage unter SUV-Besitzern

    Den Grund: "Um mit dem Auto anzugeben", den will dann doch keiner zugeben. In der Nürnberger Altstadt lassen die jungen SUV-Fahrer auf jeden Fall gerne auch mal den Motor laut aufheulen.