BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Moschee-Entscheid in Kaufbeuren: AfD streitet mit Initiator | BR24

© BR/Andreas Herz

Der Initiator des Bürgerentscheids zur Moschee in Kaufbeuren, Werner Göpel, bei einer Bürgerversammlung.

Per Mail sharen

    Moschee-Entscheid in Kaufbeuren: AfD streitet mit Initiator

    Vor drei Tagen haben sich die Bürger in Kaufbeuren dagegen entschieden, dass die Stadt ein Grundstück an die türkisch-islamische Gemeinde verpachtet - für einen Moschee-Neubau. Die AfD feiert jetzt "ihren Erfolg" - ist aber gar nicht Initiator.

    Per Mail sharen

    "Das wir das als kleine AfD in Kaufbeuren durchsetzen konnten, ist natürlich ein Wahnsinn für uns," sagt Karl Keller, der Vorsitzende des AfD-Kreisverbands unmittelbar nach der Wahl. Die Partei feiert sich für den Bürgerentscheid. Da kommt ein alter Mann mit Brille an den Tisch der AfD.

    "Die wollen das einheimsen"

    "Nein, der Initiator bin ich. Niemand sonst", ruft er. "Da brauchen wir gar nicht weiterreden, wenn man diesen Herrschaften glaubt, die das einheimsen wollen." Mit diesen "Herrschaften" meint er die Vertreter des AfD-Kreisverbands. Dann verlässt er erregt den Saal.

    Der Mann heißt Werner Göpel. Der Kaufbeurer Bürgermeister hat ihn gebeten, ins Rathaus zu kommen. Denn offiziell ist tatsächlich er der Initiator des Bürgerbegehrens. 

    Die AfD hatte Bürgerbegehren zur Moschee ins Gespräch gebracht

    Die Geschichte beginnt vor vielen Wochen. Die AfD bringt ein Bürgerbegehren ins Gespräch, um die Moschee am Ortsrand zu verhindern, sagt AfD Kreis-Schatzmeister Wolfgang Rotter: "Wir fanden aber kein AfD-Mitglied aus der Stadt Kaufbeuren, das bereit gewesen wäre, das Bürgerbegehren zu tragen. Sie müssen sich ja mit Namen und Adresse outen damit. AfD-Mitglieder müssen Repressalien befürchten," so Rotter.

    Die AfD unterstützt den Initiator des Bürgerbegehrens

    Das erfährt Werner Göpel, der selbst nicht bei der AfD ist. Er springt in die Bresche und initiiert das Bürgerbegehren. Im Hintergrund unterstützt ihn die AfD – z.B. mit Wahlplakten und Rechtsberatung. Dann legt Werner Göpel los - bei der Bürgerversammlung: "Der Koran ist die Lizenz für Gewalt, Terror, Kampf, Krieg und Töten. Und daher ist der Islam eine tickende Zeitbombe. Und wer dagegen nichts unternimmt und tatenlos zuschaut, macht sich unweigerlich mitschuldig."

    AfD distanziert sich vom Initiator des Bürgerbegehrens

    AfD-Kreisschatzmeister Wolfgang Rotter sagt, er ist mit einigen Punkten, die Göpel gesagt hat, nicht einverstanden. Distanziert hat sich die AfD aber nicht: "Das ist ja nicht im Namen der AfD gesprochen worden. Das war dem Herrn Göpel seine persönliche Meinung," sagt AfD-Kreisschatzmeister Wolfgang Rotter.

    Initiator hat Rede zum Teil von verurteiltem Aktivisten abgeschrieben

    Werner Göpel sagt, er habe seine Rede in Teilen von Michael Stürzenberger abgeschrieben, ein rechter Aktivist, verurteilt wegen Volksverhetzung. Hat die AfD einen Scharfmacher voran geschickt? Rotter sagt: "Das war nie so gedacht."

    Die AfD bleibt lange im Hintergrund

    Die AfD plakatiert, bleibt aber sonst weitgehend im Hintergrund. Erst kurz vor der Wahl mehren sich Interviews, in denen die Partei den Bürgerentscheid für sich reklamiert. Am Ende haben sie zusammen Erfolg – Werner Göpel und die AfD. Auch wenn sie nun kein Wort mehr miteinander reden. 


    Autor: Andreas Herz