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Buchtipps Vier Buchtipps für den Urlaub

Viele nutzen die Urlaubstage, um ausgiebig in einem guten Buch zu schmökern. "Wir in Bayern" stellt vier Bücher vor, die sichbesonders gut als Urlaubslektüre eignen. Ist Ihr absolutes Lieblingsbuch in diesem Sommer auch dabei?

Stand: 02.07.2020

Bücher | Bild: BR/Kirsten Sar

Ann Patchett: Das Holländerhaus

Das Holländerhaus ist das größte und prunkvollste Haus in Philadelphia. Es erinnert an die schlossartigen Villen aus Romanen von Fitzgerald. Das Haus wird von den Geschwistern Maeve und Danny und deren Vater Cyril bewohnt. Die Mutter hat die Familie verlassen. Sie konnte den Prunk und Protz des Hauses nicht ertragen. Cyril hatte das Holländerhaus in den 40ger-Jahren mitsamt der Einrichtung und den Ölporträts der vormaligen Besitzer günstig gekauft, nachdem diese bankrottgegangen waren. Für den Vater war es der Beweis dafür, dass er den sozialen Aufstieg, von dem er immer geträumt hatte, geschafft hat.
Nach dem Weggang der Mutter kümmert sich Maeve um ihren Bruder. Der Vater ist den beiden keine Hilfe, da er zu sehr mit seinem Schicksal hadert. Eines Tages taucht Andrea Smith im Holländerhaus auf. Sie ist jung, schön, selbst Mutter von zwei Töchtern und die neue Frau an der Seite des Vaters. Und sie erfüllt alle Klischees, die man von einer bösen Stiefmutter im Kopf hat. Sie intrigiert, sieht ihre beiden Stiefkinder als Feinde und bringt den Vater Cyril auf ihre Seite. Je schlimmer die Situation zu Hause wird, umso mehr rücken die Geschwister zusammen. Das ändert sich auch nicht, als beide schon erwachsen sind.
Nach dem Tod des Vaters kommt alles genau so, wie Maeve und Danny es befürchtet hatten. Cyril hatte seine zweite Frau Andrea als Alleinerbin eingesetzt, Maeve und Danny müssen ihr Elternhaus nun endgültig verlassen. Gemeinsam versuchen die Geschwister den Weg in die Zukunft zu meistern, doch beide hängen noch zu sehr in ihren Erinnerungen an die Vergangenheit fest. Was ist aus der Mutter geworden? Es gibt Gerüchte, dass sie sich der Armenhilfe gewidmet und es sie bis nach Indien verschlagen hat. Aber Genaueres wissen die beiden nicht. Sollen sie sie suchen?

Sabine Abels Meinung zum Buch:
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Mir gefällt an diesem Roman besonders gut, dass Ann Patchett keine kitschige Familiengeschichte mit garantiertem Happy End schreibt. Vielmehr zeichnet sie ein genaues Porträt einer Familie in den 50ger- und 60ger-Jahren in den USA und spiegelt damit auch die amerikanische Gesellschaft dieser Zeit wider. Die Wichtigkeit sozialer Anerkennung, die Zeit des Wirtschaftswunders in den USA, die Kluft zwischen Arm und Reich und nicht zuletzt die unterschiedlichen Geschlechterrollen kommen in diesem Roman zum Tragen."

Hubert Achleitner: Flüchtig

Dieser Roman erzählt die Geschichte von Herwig und Maria, die seit über 30 Jahren verheiratet sind. Als sie sich kennenlernten, war Herwig Lehrer und Maria Bankangestellte in einer kleinen, österreichischen Stadt in den Bergen. Es war bei beiden nicht Liebe auf den ersten Blick, vielmehr haben sie sich immer mehr aneinander gewöhnt und lieb gewonnen. Allerdings war Herwig schon von Anfang an begeistert von Marias Pragmatismus und ihrem Lebensmut. Als die beiden zum Beispiel in ihrem ersten gemeinsamen Winter eine Skitour unternahmen, bei der sie von einem Tage dauernden Schneesturm überrascht wurden, schnallte sich Maria ihre Ski um und besorgte auf der nächsten Alm Vorräte, während Herwig ängstlich wurde. Im Nachhinein sieht Herwig darin den Moment, in dem er sich endgültig in Maria verliebte. Als Maria schwanger wurde, heirateten die beiden. Kurze Zeit nach der Hochzeit verlor Maria das Kind und alles wurde anders. Trotzdem blieben die beiden zusammen und arrangierten sich irgendwie mit der Situation. Jetzt, nach dreißig Jahren ist Maria plötzlich weg. Sie setzt sich ins Auto, fährt los und verschwindet ohne eine Nachricht. Herwig ist fassungslos. An diesem Punkt beginnt die Geschichte. Eine Tramperin, die Maria auf dem Weg in den Süden mitgenommen hatte, berichtet von ihren Erlebnissen mit Maria. Sie erzählt von Marias Flucht aus dem Alltag mit Herwig und ihrem Leben in der österreichischen Provinz, vom Ausbruch aus einer längst vergangenen Liebe und der Suche nach einem neuen Sinn im Leben. Der Leser begleitet Maria und die Anhalterin von Österreich immer weiter Richtung Süden bis nach Griechenland.

Sabine Abels Meinung zum Buch:
"Hubert Achleitner, den viele sicher unter seinem Künstlernamen Hubert von Goisern kennen, hat meiner Meinung nach einen wunderbaren Roman geschrieben, eine Mischung aus Roadmovie und Beziehungsgeschichte. Was passiert, wenn der Alltag die Liebe auffrisst? Was könnte man dagegen tun? Worum geht es wirklich im Leben? Um all diese Fragen geht es in der Geschichte. Beantwortet werden sie nur teilweise, der Rest liegt im Auge des Betrachters."

Donald Westlake: Fünf schräge Vögel

Nach einem misslungenen Coup sitzt John Archibald Dortmunder im Gefängnis. Als er wieder entlassen wird, ist er pleite und ohne richtige Perspektive. Zum Glück kann er sich auf seine alten Freunde verlassen. Sein Gaunerkumpel Andy Kelp erwartet ihn am Gefängnistor und erzählt ihm von seinen neuesten Plänen in Sachen Kunstraub. Dortmunder, ein großes Organisationstalent, soll den Coup planen. In einem Museum in New York wird der berühmte Balabomo-Smaragd ausgestellt. Zwei afrikanische Staaten streiten sich darum, wem der Smaragd rechtmäßig gehört. Er gilt in beiden Ländern als Symbol für Macht und Unbesiegbarkeit. Talawabo, einer der beiden Staaten, will sich den Edelstein aneignen, egal wie. Und da kommen Dortmunder und seine Freunde ins Spiel. Schaffen sie es, den Smaragd zu stehlen und an den Mittelsmann aus Talawabo zu übergeben, winkt eine große Belohnung und die kann Dortmunder dringend gebrauchen. Nach eingehender Planung schaffen die Diebe das Unmögliche und bringen den Stein tatsächlich in ihren Besitz. Doch die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen. Greenwood, ebenfalls Mitglied der Diebesbande, wird verhaftet. Kurz vor seiner Verhaftung schluckt er den Diamanten. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft und wartet auf die Hilfe seiner Kumpanen. Also müssen diese wohl oder übel die Polizeiwache überfallen. Und das ist nur der Anfang einer immer wieder aussichtslos scheinenden Jagd nach dem Smaragd. Das erhoffte Honorar für den Diamantenraub wird dabei immer unwichtiger. Jetzt geht es um die Berufsehre!

Sabine Abels Meinung zum Buch:
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Dieser Krimi gehört zu den lustigsten und schrägsten Geschichten, die ich jemals gelesen habe. Die Figuren, die Dialoge, die Orte der Handlung – alles passt wunderbar zusammen und ergibt ein echtes Feuerwerk an Spannung und Humor."

Kent Haruf: Kostbare Tage

Kent Haruf hat insgesamt sechs Romane geschrieben. Alle spielen in einer amerikanischen Kleinstadt namens Holt, irgendwo in Colorado. Hier leben ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen und Lebensgeschichten. Von diesen handeln Kent Harufs Romane. In "Kostbare Tage" erzählt er die Geschichte von Dad Lewis, der erfährt, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Haruf berichtet von Dads glücklicher Ehe, seiner Tochter Lorraine, die nach Hause zurückkommt, um ihre Mutter zu unterstützen, aber auch von seinem Sohn Frank, zu dem die Familie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Außerdem berichtet Haruf von der Nachbarin der Familie, einer alten Frau, die sich um ihre Enkelin Alice kümmert. Auch der neue Reverend in Holt und dessen Sohn spielen eine wichtige Rolle bei den Ereignissen dieses Sommers. Reverend Lyle hat keinen leichten Start in seiner neuen Gemeinde. Die Mitglieder haben ihre eigenen Vorstellungen davon, wie sich ein Pfarrer um seine Schäfchen kümmern muss. Der Pfarrersohn durchlebt seinen ersten Liebeskummer und macht Bekanntschaft mit einigen jungen Männern, die ihm auf sehr unfreundliche Art klar machen, dass Fremde in Holt nicht erwünscht sind. In "Kostbare Tage" begleitet der Leser all diese Figuren - und noch einige mehr - einen Sommer lang. Es geht um Abschiednehmen von einem geliebten Menschen, aber auch um Neuanfänge, alte und neue Freundschaften und die kleinen Glücksmomente im Leben, die so wichtig sind.

Sabine Abels Meinung zum Buch:
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Kostbare Tage ist mein derzeitiger Lieblingsroman. Kent Haruf zeichnet seine Figuren sehr genau und sehr liebevoll. In jedem Kapitel des Romans steht einer der Charaktere im Mittelpunkt und immer wenn Haruf erneut die Perspektive wechselt, will man unbedingt wissen, wie es bei dieser Figur weitergeht. Es sind die kleinen Abenteuer des Lebens, die man miterlebt und mitfühlt. Genau das macht den Charme der Romane von Kent Haruf aus."


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