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Weinempfehlung Weintipps für den Sommerurlaub

Im August und September fahren viele in ihren wohlverdienten Urlaub. Beliebte Reiseziele sind Österreich, Italien und Frankreich. Länder, die berühmt sind für ihre guten Weine. Mit welchem jeweils typischen Tropfen Sie nichts falsch machen, verrät Ihnen die Weinexpertin und Sommelière Conny Ganß.

Stand: 28.07.2023

Ein Glas Wein in der Toskana genießen. | Bild: picture alliance

Die Urlaubszeit ist die perfekte Zeit, um neue Länder und Plätze zu erkunden. Ein großer Teil dieser Entdeckungen ist nicht selten kulinarischer Art. Ein schönes Glas Wein aus der Region, serviert zu einem typisch regionalen Gericht, am besten noch bei Sonnenuntergang - das ist bestimmt ein Moment, an den sich jeder gerne zurückerinnert.

Faustregel:

Wenn Sie unentschlossen sind, welchen Wein Sie zum Essen wählen sollen, dann orientieren Sie sich am besten daran, was die Menschen vor Ort zu dem typisch regionalen Gericht selbst trinken würden. Einfach fragen! Denn der Wein wächst und gedeiht meistens in den gleichen Gefilden, wo auch die Lebensmittel für die regionalen Klassiker herkommen. Sie sprechen somit die gleiche "Sprache" und werden mit ziemlicher Sicherheit perfekt zusammenpassen.

Wein-Tipps für Urlaubsreisen nach Österreich, Italien und Frankreich

Grüner Veltliner - das Aushängeschild von Österreich

Conny Ganß: "Die mit Abstand wichtigste Weißweinsorte in Österreich heißt 'Grüner Veltliner'. Die Rebsorte stammt von einer natürlichen Kreuzung zwischen der Rebsorte Traminer und einer recht unbekannten Sorte mit dem Namen 'St. Georger' ab. Auf die zweite Elternsorte weist ein jahrhundertealter Rebstock hin, der in St. Georgen im Burgenland gefunden wurde.
Heute zählt das österreichische Aushängeschild zu den bedeutendsten Rebsorten der Welt, obwohl es außerhalb seiner Heimat kaum angebaut wird. Das zeigt ziemlich deutlich, dass Grüner Veltliner schon lange nicht mehr nur ein ehrlicher Zechwein aus der Liter-Flasche ist. (Wobei ein guter Zechwein auch viel Schönes haben kann.)
Vom leichtfüßig frischen Charakter bis hin zu großen, langlebigen Weinen steckt in dieser Weißweinrebsorte in jeder Richtung enormes Potential. Und das ist das Schöne daran, wenn im Urlaub die Wein-Entscheidung beim Restaurant- oder Wirtshausbesuch ansteht. Die unverkennbare und beliebte feine, sympathische Würze - gerne auch 'Pfefferl' genannt - in Verbindung mit einem charmanten, saftigen Körper und der harmonischen Säure passt gefühlt zu jedem typischen Gericht aus dem Alpenland.
Genießen Sie die österreichische Küche von gebackenen Steinpilzen und gerösteten Eierschwammerln über Wurzelkarpfen oder Renke 'Müllerin' bis hin zum Backhendl mit Erdäpfelsalat oder Kalbsnierenbraten. Das Glas Grüner Veltliner dazu wird Ihnen als Urlaubserinnerung bleiben."

Chianti - eng verbunden mit der Geschichte Italiens

Conny Ganß: "Auf der Welt gibt es kaum einen Wein-Namen beziehungsweise ein Gebiet, das so ein Kopfkino auslöst wie 'Chianti'. Nur sehr selten wird die Frage, ob jemand Chianti kennt, verneint. Das hat gute Gründe: Der Wein aus dem Herzen der Toskana hat schon ungefähr seit dem 15. Jahrhundert eine große Fan-Gemeinde. Kein anderer Wein steht so sehr für Dolce Vita, für das 'süße Leben' voll Sinnlichkeit und Glück.

Wenn vom Chianti die Rede ist, sprechen wir automatisch auch von der Geschichte Italiens. 1716 wurden unter Großherzog Cosimo III. (Medici) die Weinzonen für Chianti festgelegt - somit gilt der Chianti als erste offizielle Ursprungsbezeichnung weltweit. Die heutige Bezeichnung 'Chianti Classico' auf den Weinflaschen entspricht ziemlich genau dem Gebiet, das damals schon bestimmt wurde. Der 'Gallo Nero' (schwarzer Hahn) ist ein Erkennungsmerkmal, das zum Schutz des Chianti Classico auf den Weinflaschen zu finden ist. Wenn Chianti beziehungsweise Chianti Classico auf dem Etikett steht, dann ist die Rebsorte Sangiovese dafür hauptverantwortlich. Die Römer verliehen der Rebsorte 'Sangiovese' ihren Namen, was so viel heißt wie 'Blut des Jupiters'. Sangiovese bringt fruchtstarke und tiefgründige Weine hervor, die von einem animierenden Säurespiel und kraftvollem Tannin-Gerüst geprägt sind.

Geduld ist der Schlüssel! Soll heißen: Flaschenreife steht der Sangiovese-Traube und somit dem Chianti sehr gut. Ab drei oder vier Jahren Lagerung gelten Sangiovese-Weine als besonders gut.
Die Heimat des Chianti zwischen Florenz und Sienna verspricht einen unvergesslichen Urlaub. Die Landschaft ist geprägt von Hügeln, die mit Weinstöcken überzogen und mit hohen, schlanken Zypressen und romantischen Steinbauernhäusern verziert sind.

Aber nicht nur die Landschaft, Architektur und Geschichte hat einiges zu bieten - Toskana und Chianti stehen vor allem auch für italienische Kulinarik. Die Auswahl von traditionellen Gerichten und Produkten ist genauso vielfältig wie die Hügel selbst. Brotsalat mit Tomate und Olivenöl, ein Stück Gorgonzola, Pecorino stagionato, Bistecca alla Fiorentina, Pappardelle mit Wildschwein, Finocciona oder Prosciutto Crudo Toscanao… Zu all diesen Köstlichkeiten aus der toskanischen Küche (und noch vielen weiteren) darf ein Glas Chianti nicht fehlen."

Crémant - Französisch chic und immer "en vogue"

Conny Ganß: "Dass die Franzosen verstanden haben, wie Genuss geht und gelebt wird, dürfte hinlänglich bekannt sein. Die Lebensphilosophie 'savoir vivre' (die Kunst, das Leben zu genießen) kommt ja nicht von ungefähr. Wer an Urlaub in Frankreich denkt, der hat mit ziemlicher Sicherheit neben den unzähligen Sehenswürdigkeiten auch die berühmte Küche und die mindestens genauso berühmten Weine aus Frankreich auf der Liste. Nicht umsonst heißt es: 'Leben wie Gott in Frankreich'!

Frankreich ist historisch, architektonisch und kulinarisch sicher eine Reise wert - sei es für einen Städtetrip nach Paris oder für einen Badeurlaub an die Côte-d'Azur. Die Auswahl an Regionen, die entdeckt werden möchten, ist riesig, ebenso wie die jeweiligen kulinarischen Spezialitäten. Die einzelnen Regionen in Frankreich unterscheiden sich sehr voneinander. Und genau hier liegt die Stärke des herrlich sympathischen und absolut authentischen 'Crémant'! Kein anderes Genussmittel verkörpert so deutlich nach außen seine französische Herkunft und spiegelt gleichzeitig so wunderbar seine jeweilige Heimat in den unterschiedlichen Regionen des Landes wieder. Doch was ist Crémant überhaupt? Und zu welcher Gelegenheit sollte man ihn genießen?

Crémant ist grundsätzlich die Bezeichnung für alle Qualitäts-Schaumweine aus Frankreich, welche nicht aus der Region der Champagne stammen. Natürlich gibt es auch hier einige strenge Vorgaben, die man als Weingut einhalten muss, um am Ende 'Crémant' auf das Etikett schreiben zu dürfen, beispielsweise traditionelle Flaschengärung, Reifelagerung im Weingut und Ertrag.

Das Besondere an Crémant aus Frankreich ist, dass jede Weinbauregion in Frankreich noch zusätzlich weitere Vorgaben definiert hat, die eingehalten werden müssen, unter anderem, welche Rebsorten überhaupt verwendet werden dürfen, die nach der traditionellen Flaschengärung versektet werden. Der Fokus liegt immer auf den Rebsorten, die auch wirklich für die jeweilige Region typisch sind. Daher dürfen wir zwischen Crémant de Loire, Crémant de Bordeaux, Crémant d'Alsace und anderen wählen."

Tipp:

Bestellen Sie sich den Crémant aus der Region, in der Sie Urlaub machen. Das ist authentisch und attraktiv für die Urlaubskasse. In diesem Sinne: à la vôtre!

Viel Erfolg mit den Tipps und einen schönen Urlaub wünschen Conny Ganß und "Wir in Bayern"!


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