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Bayernreise: Docs auf Schicht Brustvergrößerung, Hornhauttransplantation, Lappenplastik

Wenn die Not am größten ist, sind sie zur Stelle – Retter, Pfleger, Ärzte. Aber wie sieht der Alltag in Bayerns Kliniken aus? Gesundheit! geht mit den Docs auf Schicht – heute in der Kinderklinik in Regensburg, in der Augenklinik der Universität Erlangen und in der plastischen Chirurgie der Uniklinik München.

Von: Florian Heinhold

Stand: 07.01.2019

Tag 1, Regensburg: Kinderklinik St. Hedwig

7.00 Uhr Früh. Morgenvisite für das Team um Dr. Christian Knorr an der St. Hedwig Klinik der Barmherzigen Brüder in Regensburg. In der Kinderklinik ist viel Fingerspitzengefühl gefragt - von Knochenbrüchen, über innere Erkrankungen bis hin zu aufwendigen OPs sind hier alle möglichen Krankheitsbilder und Altersklassen vertreten.

"Wir haben die ganz kleinen, die Säuglinge, dann die Pubertierenden und die Kleinkinder dazwischen. Das ist sehr abwechslungsreich. Man weiß weder, wenn man früh ins Haus kommt, wer über Nacht aufgenommen worden ist, noch was einem im Dienst selbst erwartet. Und das ist das Spannende an unserem Job – es ist immer so eine kleine Überraschungskiste."

PD Dr. med. Christian Knorr, Chefarzt, St. Hedwig Klinik der Barmherzigen Brüder, Regensburg

Neugeborener mit schwerer Komplikation

Und während unseres Besuchs, hat der Tag wieder mal so einiges zu bieten. Zunächst begleiten wir Dr. Knorr auf die Neugeborenenstation. Dort treffen wir den kleinen Noah und seine Eltern. Der Säugling war mit einer schweren Komplikation auf die Welt gekommen.

"Noah leidet an einer angeborenen Zwerchfelllücke. Das heißt, dass das Zwerchfell nicht ganz verschlossen war, so dass Darm, Milz und andere Organe in den Brustraum gerückt sind."

PD Dr. med. Christian Knorr, Chefarzt, St. Hedwig Klinik der Barmherzigen Brüder, Regensburg

"Das ist natürlich für jeden grauenvoll, wenn man gesagt kriegt, dass die ganzen Organe durcheinander sind. Bei so einem kleinen Baby! Das ist erst mal ein Schock."

Noahs Eltern

OP nach drei Tagen auf der Welt

Noah musste schon drei Tage nach der Geburt operiert werden. Die Ärzte haben die Organe wieder an die richtige Stelle gerückt.

"Seitdem geht es Noah auch deutlich besser und er ist jetzt auch schon ernährt und trinkt selbstständig."

PD Dr. med. Christian Knorr, Chefarzt, St. Hedwig Klinik der Barmherzigen Brüder, Regensburg

Arm gebrochen

Währenddessen ist in der Notaufnahme jede Menge zu tun für Dr. Anja Schmidt und Dr. Christiane Pröpper. Ein Mädchen ist beim Fußballspielen gestürzt – bei der Untersuchung zeigt sich: Ihr Arm ist gebrochen, aber der Bruch muss nicht operiert werden. Die Kleine kann mit einem Gips nach Hause. Kurz darauf trifft ein deutlich komplizierterer Bruch ein. Alexander ist von einem Traktoranhänger gefallen und hat sich an mehreren Stellen des Arms Brüche zugezogen. Dr. Schmidt erklärt den Eltern das Röntgenbild.

"Der Unterarm ist aus dem Gelenk herausgesprungen. Und hier vorne ist ein Bruch, der auch abgeknickt ist, richtig verschoben. Man muss es auch deshalb recht schnell operieren, weil Alexander mir schon erzählt hat, dass er den kleinen Finger nicht mehr richtig spürt."

 Dr. med. Anja Schmidt, Assistenzärztin, St. Hedwig Klinik der Barmherzigen Brüder, Regensburg

Ein kritisches Zeichen – sind Nerven beeinträchtigt? Alexander muss in den OP. Vor der Narkose raten ihm die OP-Pfleger an etwas Schönes zu denken, damit er gute Träume hat. Alex entscheidet sich fürs Bulldogfahren – der Armbruch hat seiner Begeisterung für Traktoren also keinen Abbruch getan.

Komplizierte OP

Dann geht es los. Die OP-Ärzte Raphael Hofbauer und Dr. Patrick Sperling müssen zunächst das herausgesprungene Gelenk wieder einrenken. Doch das klappt nicht sofort. Durch den Bruch hat sich ein Knochensplitter gelöst. Die OP wird unerwartet kompliziert.

"Das abgebrochene Stück Knochen liegt in dem Gelenk und deswegen ist das Gelenk nicht wieder einzurenken. Weil der Knochen im Weg liegt."

Raphael Hofbauer, Kinderorthopäde, St. Hedwig Klinik der Barmherzigen Brüder, Regensburg

"Deshalb müssen wir das Gelenk jetzt eröffnen und dieses Knochenstück rausholen."

Dr. med. Patrik Sperling, Kinderchirurg, St. Hedwig Klinik der Barmherzigen Brüder, Regensburg

Sobald das abgesplitterte Knochenfragment entfernt ist, gelingt es den Ärzten, den Arm wieder einzurenken. Dann müssen sie die abgesplitterten Knochenfragmente wieder an die richtige Stelle setzen. Präzisionsarbeit, denn nur wenn die Knochenfragmente wieder richtig angeordnet sind, kann der Arm normal zusammenwachsen.

Am nächsten Morgen besuchen wir Alex noch einmal im Krankenzimmer – er ist schon wieder guter Dinge und freut sich auf Daheim.

Tag 2, Erlangen: In der Augenklinik

Auch auf der zweiten Station unserer Bayernreise, der Augenklinik der Universität Erlangen, gibt es schon um 7.00 Uhr Früh jede Menge Arbeit für das Ärzteteam. Wie jeden Morgen empfängt Professor Friedrich Kruse zur Frühvisite die Patienten der Augenstation. Alle möglichen Krankheitsbilder und vor allem schwere Fälle werden hier behandelt. Viele hatten gerade eine Augen-OP.

"Es ist eine sehr emotionale Angelegenheit nicht mehr sehen zu können und dann wieder das Sehen zu erlangen."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

Hornhauttransplantation 

Karl-Heinz Schuh steht eine schwere OP bevor: Eine Hornhauttransplantation. Als er mit starken Sehstörungen zum Augenarzt ging, dachte er, er bräuchte nur eine neue Brille. 

"Schon nach dem ersten Test hat er gesagt, also da ist mit Brille nichts mehr zu machen. Das muss operiert werden."

Karl-Heinz Schuh, Patient

 OP-Vorbereitung mit Dr. Maximilian Mösler. Die Hornhaut ist fast komplett zerstört.

"Die Zellen der Hornhaut sind nicht mehr in der Lage, das Wasser, dass immer wieder aus dem Auge in die Hornhaut fließt, rauszupumpen und deshalb schwillt die Hornhaut an und wird trüb."

Dr. med. Maximilian Mösler, Assistenzarzt, Augenklinik Erlangen

Kurz darauf geht es los – Karl-Heinz Schuh wird in den OP gebracht. Während die Narkose zu wirken beginnt, bereitet sich das Ärzte-Team vor. Ein relativ neuer Eingriff, die zu transplantierende Hornhautschicht ist nur einen fünftausendstel Millimeter dick.

"Am Anfang haben wir selber gar nicht gewusst, dass wir das überhaupt machen können, weil diese Struktur an der Grenze dessen ist, was man handhaben kann."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

 Die Operation beginnt. Es wird nicht einfach die komplette Hornhaut getauscht. Unter dem Mikroskop entfernt Prof. Kruse nur die hauchdünne Schicht der Hornhaut, die wirklich beschädigt ist. 

"Deshalb ziehen wir diese schadhafte Membran ab und transplantieren ihm eine neue Membran mit gesunden Zellen in das Auge rein."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

Dann bringen die OP-Pfleger das Spenderorgan. Aus der Hornhaut eines Verstorbenen entfernen die Ärzte jetzt die Zellschicht, die sie Karl-Heinz Schuh einpflanzen wollen. Dafür wird die Membran gerollt und in eine Präzisionskanüle manövriert.

"Wir haben nur einen kleinen Schnitt zur Verfügung und deshalb müssen wir das Transplantat rollen, damit es in das Auge reinpasst."

Prof. Dr. med. Friedrich Kruse, Direktor, Augenklinik Universität Erlangen

Das gerollte Transplantat wird so ins Auge geführt und unter der Hornhaut ausgebreitet. Eine Luftblase aus Spezialgas drückt das Transplantat an die Hornhaut. Im Anschluss wird die getrübte Linse gegen eine Kunstlinse getauscht.

Die Station

Doch nicht nur im OP gibt es viel zu tun – auch auf Station haben Assistenzärztin Juliane Fritsch und Professor Christian Mardin eine Menge Arbeit. Sie sind auf dem Weg zu einer Schülerin, die einen Unfall im Matheunterricht hatte. 

"Ich habe ein Geodreieck ins Auge gekriegt. Es wurde geschmissen und ich habe es ins Auge gekriegt."

Kimberley, Schülerin

Die Hornhaut war verletzt und musste genäht werden. Jetzt wird geschaut, ob Kimberley nach Hause darf. Denn mit einer offenen Hornhaut ist nicht zu spaßen. Unter dem Spaltmikroskop schaut sich Juliane Fritsch zunächst die Naht an der Hornhaut an.

Aber die entscheidende Untersuchung ist der Ultraschall. Professor Mardin muss schauen, ob durch den Aufschlag die Netzhaut hinter dem Auge verletzt wurde.

"Alles gut, Gott sei Dank! Kimberley darf heim!"

Prof. Dr. med. Christian Mardin, leitender Oberarzt, Augenklinik Erlangen

Kimberly und ihre Mutter sind glücklich. Und Gesundheit macht sich auf zur letzten Station unserer Bayernreise.

Tag 3, München: Plastische Chirurgie

Unser Besuch bei der plastischen Chirurgie der Uniklinik München beginnt um 7.00 Uhr: Morgenkonferenz für Chefarzt Riccardo Giunta und sein Team. Auf die Ärzte wartet die ganze Bandbereite an Fällen: von Unfall- und Tumorpatienten bis hin zu rein ästhetischen Operationen. 

"Es ist eine Herausforderung für den plastischen Chirurgen, dass das Ergebnis auch optisch nach außen ansprechend aussehen muss."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Universität München

Brustvergrößerung

Die erste Patientin heute will sich die Brust vergrößern lassen. Prof. Giunta zeichnet die Orientierungslinien für die OP an und macht der Patientin Mut:

"Ich glaube, wir werden ein sehr schönes Ergebnis für Sie bekommen können."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Klinikum der Universität München

Aber in der plastischen Chirurgie geht es um viel mehr als „nur“ um Schönheit.

"Plastische Chirurgie ist keine Schönheitschirurgie. Es geht um Lebensqualität für die Patienten: zum Beispiel, dass ein Gesicht schön aussieht, obwohl ein Tumor dort vorhanden ist."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Klinikum der Universität München

Lappenplastik: Gegen Loch in der Kopfhaut

Auf Station wartet ein komplizierter Fall: Ein Patient, der unter einem Tumor auf der Kopfhaut litt. Seit der entfernt wurde, klafft mitten auf seinem Kopf ein großes Loch in der Haut. Heute soll es mit einer aufwendigen OP, einer sogenannten Lappenplastik, wieder geschlossen werden. 

Wir dürfen bei beiden Operationen dabei sein und begleiten die Ärzte in den OP. Zunächst wird die Patientin operiert, die wegen einer Brustvergrößerung gekommen ist. Die junge Frau ist aufgeregt. Auch Schönheitsoperationen haben schließlich Risiken wie Blutungen und Infektionen. Chefarzt Prof. Giunta wird den Eingriff durchführen. 

Bei einer Brustoperation stellt sich immer die Frage: Soll das Implantat über oder unter dem Brustmuskel eingesetzt werden? Die heutige Patientin ist sehr schlank. In solchen Fällen ist es meist besser, das Implantat unter den Brustmuskel zu platzieren, alles soll schließlich möglichst natürlich aussehen. 

"Man versucht natürlich auch die Zugangsnarbe möglichst zu verstecken, so dass nur eine kleine Narbe entsteht. Es muss aber gleichzeitig noch das Implantat untergebracht werden."

Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, Klinikum der Universität München

Kleiner Schnitt, großes Implantat. Das Material hält grundsätzlich das ganze Leben. Trotzdem kann durch hormonelle Veränderungen, etwa in der Schwangerschaft oder auch im fortgeschrittenen Lebensalter, eine Folgeoperation nötig werden. Zuletzt kontrollieren die Ärzte, ob beide operierten Brüste auch wirklich symmetrisch und formschön aussehen. Prof. Giunta ist sehr zufrieden. 

Hautlappen schließt Loch im Kopf

Dann steht die schwerste OP des Tages an. Die Lappenplastik am Kopf. Dr. Denis Ehrl führt die Operation durch. Höchste Konzentration: Das Loch im Kopf des Patienten soll durch einen Hautlappen geschlossen werden, den die Ärzte aus dem Oberschenkel schneiden. Stück für Stück wird der Hautlappen freigelegt. Dann werden die Blutgefäße am Kopf für das neue Gewebe präpariert. Es muss schnell gehen: Sobald der Lappen entnommen ist, wird er nicht mehr durchblutet und könnte absterben. 

"Das ist die kritischste Phase der OP. Jetzt geht es darum: Erfolg oder Misserfolg."

Dr. med. Denis Ehrl, Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Universität München

Dr. Ehrl muss unter Zeitdruck die Venen und Arterien am Kopf mit den Blutgefäßen des Hautlappens verbinden, damit das neue Gewebe durchblutet wird. Zuletzt wird die Wunde vernäht und ein Verband angelegt. Nach dem Eingriff besuchen wir den Patienten im Aufwachraum. Er schaut schon wieder optimistisch in die Zukunft. Und auch unsere Brustpatientin hat zwar noch ein wenig Schmerzen, freut sich aber schon auf den neuen Look. 


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