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Schwierige Diagnose Fibromyalgie – Wenn Muskeln dauerhaft schmerzen

Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Depressivität und chronische Müdigkeit: Hinter diesen Symptomen könnte eine Fibromyalgie stecken. Voraussetzung ist aber, dass sie gehäuft auftreten und über Monate oder sogar Jahre andauern.

Author: Antje Maly-Samiralow

Published at: 1-7-2024

Thema Fibromyalgie | Bild: picture-alliance/dpa

Etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, hauptsächlich Frauen. Die Fibromyalgie wird dem Rheumatischen Formenkreis zugeordnet.

Doch im Unterschied zu rheumatischen Erkrankungen liegen bei der Fibromyalgie keine Entzündungen vor. Es handelt sich vielmehr um ein funktionelles chronisches Schmerzsyndrom.

Fibromyalgie-Syndrom: Diagnose ist schwierig

Viele Betroffene konsultieren über Jahre hinweg verschiedene Ärzte, ohne, dass es zu einer klaren Diagnosestellung kommt. Oft genug wird hinter ihren Beschwerden eine rheumatische Erkrankung vermutet, was zur Folge hat, dass sie mit Cortison und Schmerzmitteln behandelt werden, obwohl eine medikamentöse Therapie keine dauerhafte Linderung der Symptome bewirkt und mittel- bis langfristig ernsthafte Nebenwirkungen mit sich bringt.

"Für eine eindeutige Diagnostizierung eines Fibromyalgie-Syndrom müssen klar definierte Kriterien erfüllt sein. Unter anderem müssen seit mehr als drei Monaten Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, im sogenannten Achsenskelett bestehen und darüber hinaus in der rechten und in der linken Körperhälfte, oberhalb und unterhalb der Taille. Zudem kann eine Reihe von genau definierten Triggerpunkten positiv sein. Ein Ausschlusskriterium sind Entzündungen."

Univ.-Prof. Dr. med. Jost Langhorst, Facharzt für Innere Medizin und Naturheilkunde, Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde, Sozialstiftung Bamberg

Multimodale oder stationäre Therapie gegen schmerzende Muskeln

Stationäre Therapie

Zum Einsatz kommen unter anderem

  • Bewegung im Wasser
  • Stressreduktion durch achtsamkeitsbasierte Verfahren
  • Meditative Bewegungsformen wie Chi Gong und Yoga
  • Fasziendehnungsübungen
  • Wickel und Auflagen
  • Akkupunktur, insbesondere Ohr-Akkupunktur
  • Ernährungsumstellung, z.T. Heilfasten nach Buchinger

In der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde der Sozialstiftung Bamberg werden Fibromyalgie-Patienten nach einem multimodalen Therapiekonzept behandelt, dass schwerpunktmäßig auf naturheilkundlichen Ansätzen basiert. Zunächst werden die Betroffenen im Rahmen einer ambulanten Basistherapie für sechs bis zwölf Monate betreut. Wenn diese Betreuung nicht ausreicht, wird die Therapie intensiviert, indem verschiedene Therapien parallel angewendet werden.

Erst wenn diese Ansätze nicht die angestrebten Verbesserungen zeitigen, wird eine stationäre Therapie in Erwägung gezogen. Diese dauert zwischen zwölf und 14 Tagen.

Bewegung im Wasser ist für die Patienten wichtig.

"Für Fibromyalgie-Patienten ist es wichtig, dass sie sich regelmäßig und moderat bewegen. Das gilt sowohl für den Ausdauerbereich als auch für ein moderates Krafttraining. Übungen im warmen Wasser kommt eine besondere Bedeutung zu. Für diese Art der Bewegung gibt es gute Daten, dass sie nachweislich hilft, die Symptomatik zu lindern."

Univ.-Prof. Dr. med. Jost Langhorst, Facharzt für Innere Medizin und Naturheilkunde, Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde, Sozialstiftung Bamberg

Ganzkörperhyperthermie: 38 Grad Kerntemperatur im Körper

Die Ganzkörperhyperthermie hat sich bei Fibromyalgie bewährt.

Ein Schwerpunkt im multimodalen Therapiekonzept, wie es in der Bamberger Klinik zum Einsatz kommt, ist die Ganzkörperhyperthermie. Dabei wird die Körperkerntemperatur auf über 38 Grad Celsius erhöht. Eine kürzlich abgeschlossene randomisiert kontrollierte Studie, die Prof. Jost Langhorst und sein Team in der Bamberger Klinik durchgeführt haben, hat die Wirksamkeit dieser Therapie belegt.

"Wir konnten zeigen, dass wir mit dieser Therapie eine relevante Verbesserung der Schmerzen bei den Patienten erreichen konnten. Wir konnten ferner zeigen, dass durch die Erhöhung der Körperkerntemperatur ein starker immunologischer Reiz ausgelöst wird, der zur Folge hat, sodass sich bestimmte Botenstoffe verändern und Blutzellen reagieren, was eine Erklärung für die Wirksamkeit zu sein scheint."

Univ.-Prof. Dr. med. Jost Langhorst, Facharzt für Innere Medizin und Naturheilkunde, Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde, Sozialstiftung Bamberg

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