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Henker am Berg Eine Tour auf das Corno Battisti im Pasubio-Massiv

Wandern zu alpinen Schauplätzen des Ersten Weltkriegs - das bietet sich im Pasubio-Massiv an. Unsere Tour führt auf den Corno Battisti. Die Wanderung mit tollem Panorama geht über 1.200 Höhenmeter auf den Gipfel eines Berges, der wie kaum ein anderer die Absurdität des Krieges vor Augen führt.

Von: Andreas Pehl

Stand: 06.10.2016

Eine Tour auf das Corno Battisti im Pasubio-Massiv | Bild: BR; Andreas Pehl

1918 standen sich auf dem Corno Battisti und in den Stollen im Berg auf wenigen Metern italienische Alpini und österreichische, so genannte Welschtiroler Kaiserjäger, gegenüber und bekämpften sich bis aufs Blut. Die Absurdität gipfelte darin, dass sich italienische Truppen nach einem Rückschlag durch die auf dem Gipfel stationierten Österreicher in die tieferliegenden österreichischen Tunnel in Sicherheit brachten. Bergvergnügen der Gegenwart und Kriegsgräuel der Vergangenheit gehen hier eine eigenwillige, befremdliche Symbiose ein.

Der Corno Battisti beeindruckende Felswand über der Alm

Mächtig thront der Corno Battisti über dem Vallarsa. An seine Flanke geschmiegt liegt Anghébeni. Dort hat Ezio eine kleine Bar – die einzige der Umgebung. Ezio kennt die Berge wie seine Westentasche. Schon immer hat ihn der Corno Battisti fasziniert – die Tunnel, die exponierte Lage. Der schönste Weg auf den Gipfel ist der gut markierte Franco-Galli-Steig. Durch Laubwald führt er in gleichmäßigen Serpentinen nach oben. Vögel zwitschern, es riecht nach Moos und Schwammerl. Nach knapp zwei Stunden ändert sich der Weg. Er wird bergsteigerisch interessant, schmal und ausgesetzt, Stahlseile helfen über steile Wegabschnitte. Immer wieder aber bietet sich ein großartiges Panorama über die Gipfel hinweg und hinunter ins grüne Tal.

Der Zugang zur Pulcinella-Festung von hier aus nahmen italienische Truppen den Gipfel unter Beschuss

Bis in die 1950er-Jahre hinein, so erzählt Ezio, war das ganze Tal hier noch verwüstet, von den Bomben zerstört. Allmählich aber wächst alles wieder zu. Die Sonne wärmt angenehm und lässt das Violett der Alpenveilchen leuchten. Eine frisch gemalte Markierung weist den Weg in eine Galerie, die mit Stufen eine unwegsame Geröllhalde umgeht. Freundlich scheint das Licht herein. Nun beginnt der abenteuerliche Teil der Tour: Die letzten 200 Höhenmeter geht es durch in den Berg gegrabene Stollen in Richtung Gipfel. Wir schalten die Stirnlampen ein und steigen durch nasses Geröll nach oben. Ein neu verlegtes Drahtseil und Hinweisplaketten machen die Orientierung auch in der völligen Finsternis einfach.

Anfangs lassen Fensteröffnungen noch Tageslicht in den Tunnel

Damals waren unten italienische Tunnel, oben drüber die österreichischen. Unter Tage wurde gekämpft. Im österreichischen Teil gab es viele kleine holzvertäfelte Kammern, die als „Schlafhöhlen“ genutzt wurden. Man sieht noch die Pritschen und die Balken, an denen Kleidung und Ausrüstung aufgehängt wurden. Höhlen und versteckte Seitentunnel wecken Neugier und Entdeckergeist. In einen fast quadratischen Raum leuchtet die Sonne durch eine große Öffnung. Von dieser Höhle, die für die medizinische Notversorgung der Soldaten genutzt wurde, führt ein langer Tunnel mit vielen Schießöffnungen in Richtung des Cosmagnon, des Berges gegenüber. Von hier aus wurde auf ihn geschossen. Das Abenteuer im Berginneren schließt mit einem spektakulären Abstieg auf Eisenkrallen 15 Meter senkrecht hinab durch ein etwa kanalgroßes Loch. Dann hat uns die Sonne wieder und der Franco-Galli-Steig führt auf den Gipfel. Der Blick reicht zum Pasubio hinüber und bis hin zum Massiv des Monte Baldo.

In Alghebeni erinnert ein kleiner Soldatenfriedhof an die vielen Opfer

Der Abstieg führt dann gemütlich über einen Sattel und öffnet großartige Blicke zum mächtigen und steil zum Tal hin abfallenden Corno Battisti. Eigentlich hieß der Berg Corno di Vallarsa. Ab dem Zeitpunkt, an dem Cesare Battisti dort oben verhaftet wurde, nannte man ihn Corno Battisti. Ein gut angelegter schmaler Weg führt in Serpentinen wieder hinunter ins Tal, In der Bar von Ezio warte eine kühle Limonade.

Nach seiner Gefangennahme durch österreichische Truppen wurde Cesare Battisti nach kurzem Prozess hingerichtet. Der Henker war bereits vor Prozessbeginn aus Wien angereist. Die Veröffentlichung von Fotos des triumphierenden Henkers und seiner Gehilfen mit dem Leichnam Battistis führten zu seiner Stilisierung als italienischer Nationalheld.

Karte: Der Monte Corno Battisti

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Karte: Der Monte Corno Battisti


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