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International Music Journalism Award Drei Preise für den BR

Der Bayerische Rundfunk konnte sich diese Woche im Rahmen des Reeperbahn Festivals über gleich drei Auszeichnungen für besonders herausragende musikjournalistische Arbeiten freuen. Das Reeperbahn Festival findet dieses Jahr in einer Mischform aus digitalen Angeboten und Live-Panels und -Konzerten in Hamburg statt.

Stand: 19.09.2020

International Music Journalism Award | Bild: IMJA

Bereits zum vierten Mal wurde der International Music Journalism Award im Rahmen des Reeperbahn Festivals verliehen - es ist der wichtigste Musikjournalismus-Preis in Deutschland. Eine fachkundige Jury würdigt besonders gute Arbeiten, die sich mit populärer Musik und ihrem wirtschaftlichen Umfeld befassen. Ein spezielles Augenmerk liegt dabei stets auf den Arbeiten junger Musikjournalist*innen.

Beste musikjournalistische Arbeit des Jahres (Multimedia)

"Visa Vie, Josi Miller, Cashmiri / Co.: Wie diese Frauen Deutschrap prägen"

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Visa Vie, Josi Miller, Cashmiri & Co.: Wie diese Frauen Deutschrap prägen II PULS Musik Analyse | Bild: PULS Musik (via YouTube)

Visa Vie, Josi Miller, Cashmiri & Co.: Wie diese Frauen Deutschrap prägen II PULS Musik Analyse

Die Auszeichnung ging an: Miriam Fendt, Fridolin Achten, Frederik Kunth, Philipp Laier – PULS / BR  (03/2020)

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IMJA Winner 2020 Official – Best Work Of Music Journalism: Multimedia (German): Fendt & Achten | Bild: Reeperbahn Festival (via YouTube)

IMJA Winner 2020 Official – Best Work Of Music Journalism: Multimedia (German): Fendt & Achten

Jurybegründung des International Music Journalism Award

Das Märchen, deutscher Hip Hop sei Männersache, haben wir jetzt wirklich lange genug erzählt bekommen. "Visa Vie, Josi Miller, Cashmiri und Co.: Wie diese Frauen Deutschrap prägen" aus der Reihe "Puls Musik Analyse" leistet einen wertvollen Beitrag zum dringend nötigen Perspektivenwechsel. 

Solide recherchiert, nachvollziehbar strukturiert und angenehm präsentiert, porträtiert das knapp viertelstündige Video Frauen, die als Produzentinnen, DJs, Fotografinnen, Regisseurinnen, Journalistinnen, Podcasterinnen und Veranstalterinnen alle Bereiche des Rap-Games geprägt haben. Die Auswahl der Protagonistinnen beschränkt sich dabei nicht auf die drei in der Headline gedroppten Namen. Hinter dem "und Co." im Titel stecken unter anderem Melbeatz oder Katja Kuhl, die schon Deutschraps Kindertage wesentlich mitgestaltet haben. Damit ist der Beitrag nicht nur rein informativ, sondern unterhöhlt subversiv das gängige Narrativ. Siehste? Deutschrap war nie wirklich eine Männerdomäne. Wer das immer noch glaubt, hat nicht sehr genau hingesehen.

Dass diese Erkenntnis doch wieder ein Mann in die Kamera moderiert, mag der einen oder anderen im ersten Moment leise sauer aufstoßen. Tatsächlich ist aber zu begrüßen, wenn Veränderungen nicht länger nur die Angelegenheit unmittelbar Betroffener bleibt. Erst wenn Feminismus keine Frauensache mehr ist, sondern Anliegen und Bestreben aller, haben auch alle gewonnen. Heute gewinnen aber zunächst einmal Miriam Fendt, Friedl Achten, Frederik Kunth und Philipp Laier. Herzlichen Glückwunsch.

Beste musikjournalistische Arbeit unter 30 Jahren

"Neuer Deutscher Rechtsrap - Wie der vom Verfassungsschutz beobachtete Rapper Chris Ares die Charts erobert - und was AfD-Funktionäre damit zu tun haben."
Hier geht es zum Artikel.

Die Auszeichnung ging an: Stefan Sommer – PULS/ BR (09/2019)

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IMJA Winner 2020 Official – Best Work Of Music Journalism Under 30 (German): Stefan Sommer | Bild: Reeperbahn Festival (via YouTube)

IMJA Winner 2020 Official – Best Work Of Music Journalism Under 30 (German): Stefan Sommer

Jurybegründung des International Music Journalism Award

Im Tonfall sachlich, sauber recherchiert und mit analytischem Tiefgang zeigt Stefan Sommer die Verstrickung eines "patriotischen Rappers" mit parteipolitischem Kalkül und neurechter Szene auf. Musikjournalismus als Investigation und Aufklärung, Haltung statt Pose.

"Was für eine Leistung! Es freut uns unglaublich, dass wir gleich zwei der bedeutsamen International Music Journalism Awards nach Hause bringen durften. Unsere Kolleg*innen aus der PULS Musikredaktion liefern stets mutige, gut recherchierte Berichterstattung auf Augenhöhe, für junge Zielgruppen, die Journalismus mit Haltung schätzen. Dabei setzen sie sich immer kritisch mit den neuesten Trends der Musikwelt auseinander und lassen gleichzeitig alle User*innen an ihrer absoluten Leidenschaft für Innovation in der Musikwelt teilhaben. Herzlichen Glückwunsch an meine Kolleg*innen Miriam Fendt, Fridolin Achten, Frederik Kunth, Philipp Laier und Stefan Sommer für die herausragende Arbeit!"

Nadine Ulrich, Redaktionsleitung PULS

Beste musikjournalistische Arbeit des Jahres (Audio)

"Wie die Aufstände in der arabischen Welt die arabische Musik revolutionierten"
Die Sendung zum Anhören.

Die Auszeichnung ging an: Nabila Abdel Aziz – Zündfunk/ BR (02/2020)

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IMJA Winner 2020 Official – Best Work Of Music Journalism: Audio (German): Nabila Abdel Aziz | Bild: Reeperbahn Festival (via YouTube)

IMJA Winner 2020 Official – Best Work Of Music Journalism: Audio (German): Nabila Abdel Aziz

Jurybegründung des International Music Journalism Award

Nein, Musik ist keine "universelle Sprache", wie so gern behauptet wird. Ohne kulturellen Kontext, ohne Deutung und Zusammenhänge ist der Zugang oft schwer – weshalb Nabila Abdel Aziz mit ihrem Feature über den Wandel der Musik in der Arabischen Welt für viele von uns ein immens wertvolles Stück Aufklärungsarbeit geleistet hat.

Je tiefer sie uns in die alternativen, eklektischen Musikszenen von Ländern wie Tunesien, Ägypten, Syrien und Sudan führt, desto offensichtlicher wird, dass unser gewohnter Horizont nicht selten nur ein enger Tellerrand ist. Wie wunderbar, hier neue Aus- und Einblicke zu bekommen! Verstehen zu lernen, wie eine neue Generation arabischer Künstler*innen – oft an der Grenze der Legalität ihrer jeweiligen Heimat – daran arbeitet, den einlullenden Soundtrack unterdrückerischer Regime mit ihren eigenen Stimmen zu übertönen, ist eine echte Bereicherung.

"Der Blick in die Welt ist für uns ein erfreuliches journalistisches Privileg – und eine Verpflichtung. Denn es ist unsere tagtägliche Aufgabe, gesellschaftliche Veränderung zu dokumentieren und für die Hörerinnen und Hörer sowie die User begreifbar zu machen. Nabila Abdel-Aziz tut dies auf unaufgeregte und kenntnisreiche Art und Weise und erschließt hier abseits der puren Fakten über die Musik eine zusätzliche, emotionale Erfahrungsebene. Von ihrer Arbeit profitieren übrigens nicht nur die Rezipienten außerhalb des Funkhauses. Auch wir Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion lernen durch derlei Beiträge ständig dazu. Danke für diese wertvollen Lektionen!"

Jan Heiermann, Redaktionsleitung Zündfunk

"Die Sendereihe 'Zündfunk Playback' hat damit im zweiten Jahr nacheinander bei den Music Journalism Awards abgeräumt. 2019 wurde Malcolm Ohanwes Sendung: 'Wir sind zu viele: Warum deutscher Pop nicht mehr weiß bleibt' ausgezeichnet. Beleg dafür, dass auch heute noch Longlistens, also lange und gut recherchierte musikjournalistische Stücke gefragt sind."

Michael Bartle, Musikchef Zündfunk

Alle Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen International Music Journalism Award auf einen Blick: https://imja.reeperbahnfestival.com/winners-2020.

Inhaltliche Impulse von PULS Musikchef Christoph Lindemann in Hamburg

Auch inhaltlich war der BR in Hamburg vertreten: PULS Musikchef Christoph Lindemann diskutierte im Rahmen des Reeperbahn Festivals auf dem Panel "Das Ende der Musikmedien" darüber, wie man Menschen heute für Popmusikjournalismus begeistern kann.

"Der Bedarf ist weiterhin da - nur nutzt die junge Zielgruppe kaum mehr die alten, einst etablierten Musikmedien. Aber mit Angeboten wie unserem Podcast 'Schacht & Wasabi' und dem Video-Format 'PULS Musik Analyse' können wir jede Woche meist weit über 100.000 junge Menschen erreichen - und die Inhalte auch direkt mit dem Publikum in den Community-Bereichen diskutieren."

Christoph Lindemann, Musikchef PULS

So hat es der BR als öffentlich-rechtliches Haus geschafft, eine relevante Stimme für junge musikjournalistische Inhalte zu werden - in einer Zeit, in der ein Musikmagazin nach dem anderen die Segel streicht.


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