Kultur - Literatur


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Klaus Mann Übermächtiger Vater

Obwohl Klaus Mann viel publizierte, gelang es ihm nicht, die Aufmerksamkeit oder gar Anerkennung seines berühmten Vaters zu erlangen - im Gegenteil. Thomas Mann betrachtete seinen ältesten Sohn mit ironischer Distanz.

Stand: 03.11.2011 | Archiv

Der Drang zur literarischen Produktion hatte auch eine unheilvolle Komponente für Klaus Mann. Es war ihm nicht verborgen geblieben, dass ihm sein Vater nicht die gewünschte Aufmerksamkeit schenkte. Der Sohn brannte aber vor Mitteilungsdrang gegenüber dem bereits renommierten Autor der "Buddenbrooks". Klaus wollte zudem schon früh selbst berühmt werden. Ein Freund sagte später über ihn sogar: "Er wollte selber Thomas Mann werden."

Ignoranz des "Zauberers"

Welche Blüten die Über-Identifikation mit dem Vater und dessen Werk trieb, wird an "Der gute Sohn", einem seiner ersten Stücke deutlich. Das Titelblatt dazu lautete: "Klaus Manns sämtliche Werke. 1. Band. Dramatisches." Er schrieb ein Buch nach dem anderen, aber Thomas Mann, den die Familie den "Zauberer" nannte, war wenig bezaubert von den literarischen Versuchen seines Sohnes, wenn er sie überhaupt beachtete. Noch schlimmer: In seiner Erzählung "Unordnung und frühes Leid" betrachtete Thomas Mann seinen Sohn mit äußerster ironischer Distanz fast bis zur Karikatur - ein Schicksal, das allerdings viele dem Schriftsteller nahe stehenden Personen ereilte.

Die Neigung, die Thomas Mann seinem Sohn - zumindest als Jugendlichem - entgegenbrachte, beschränkte sich auf eine homo- und pädophile Ebene. Als Klaus Mann - in der Familie "Eissi" genannt - 14 Jahre alt war, vertraute der Vater seinem Tagebuch an: "Entzücken an Eissi, der im Bade erschreckend hübsch. Finde es sehr natürlich, daß ich mich in meinen Sohn verliebe."

Homosexuelles Erwachen

Klaus Mann

Ungefähr zur selben Zeit - 1920 - entdeckte Klaus Mann seine Homosexualität und verliebte sich in einen Mitschüler. Er verwandelte den neuen "Rausch des Selbstbewußtseins" in Erzählungen und Dramen, die weder mit exhibitionistischen Selbstenthüllungen noch mit persönlichen Angriffen auf Zeitgenossen sparten. Ab 1925 trat er mit diesen Schriften in die Öffentlichkeit, so 1926 mit dem Stück "Anja und Esther", in dem auch Erika Mann, Pamela Wedekind mitspielten und der junge Gustaf Gründgens Regie führte.

Skandale blieben nicht aus. Zwar gehörte in den 20er-Jahren viel Mut zu einem Outing als Homosexueller, aber der junge Klaus Mann platzierte seine Provokationen eher marktschreierisch - auch ein Grund, warum sich Thomas Mann distanzierte: Dessen Werk beeinhaltet zwar auch weiß Gott nicht wenige Tabubrüche, aber er formulierte sie vorsichtiger und leiser.


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