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Hintergrund Antibiotika

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Wirkung von Antibiotika Nicht jedes Antibiotikum wirkt gleich

Bei einer Blasenentzündung z.B. handelt es sich häufig um den Erreger Escherichia coli, bei einer Lungenentzündung um Streptococcus pneumoniae. Entscheidend für die Wahl des Antibiotikums sind, neben Bakterienstamm und Infektionsherd, die Schwere der Erkrankung, die Empfindlichkeit oder Resistenz der Bakterien sowie auch die Lebensumstände des Patienten. Das sind in der Regel Alter, Vorerkrankungen, Allergien, und Aufenthaltsort.

Von: Johannes von Creytz

Stand: 14.11.2017

Verschiedene Packungen von Antibiotika liegen auf einem Tisch. | Bild: picture-alliance/dpa

Ein betagter Mann in einem Altenheim, braucht unter Umständen ein anderes Medikament, als eine junge Frau in ihrer Wohnung. Allein durch ihren Aufenthaltsort kommen die Patienten mit unterschiedlichen Bakterienstämmen in Berührung.

Nebenwirkungen von Antibiotika

Das Wort Antibiotikum kommt aus dem Griechischen und bedeutet "gegen Leben". Damit umschreibt es eine Substanz, die Wachstum und Vermehrung lebender Mikroorganismen wie Bakterien verhindert. Leider unterscheiden Antibiotika dabei nicht zwischen nützlichen und krankmachenden Mikroorganismen. Am deutlichsten bekommen Patienten das in Form von Verdauungsproblemen zu spüren. Übelkeit, Völlegefühl und Durchfall, gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotika. Die antibakterielle Wirkung der Medikamente bringt nämlich in den meisten Fällen das Gleichgewicht zwischen den Bakterienstämmen im Mikrobiom des Darmes durcheinander. Über eine Billion Mikroorganismen siedeln dort und helfen nicht nur bei der Verdauung. Mit von ihnen produzierten Botenstoffen tragen sie einen großen Teil zur Steuerung des menschlichen Stoffwechsels und Immunsystems bei. Ein Ungleichgewicht zwischen diesen teilweise noch nicht einmal bekannten Bakterienarten sorgt unter anderem auch für Störungen in der Verdauung.

"Es gibt Hinweise, dass Joghurt in Zusammenhang mit einer Antibiotikatherapie Abhilfe bringen kann. Das funktioniert aber nicht bei allen Menschen. Außerdem gibt es Antibiotika, die man nicht zusammen mit Joghurt oder Milchprodukten einnehmen sollte, wenn dann nur in einem entsprechenden zeitlichem Abstand. Aber gesunde Ernährung ist im Zusammenhang mit einer Antibiotikatherapie auf alle Fälle eine gute Idee."

Dr. med. Béatrice Grabein, Leiterin der Abteilung Klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Klinikum der LMU München

Antibiotika und Milchprodukte

Bei Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline, etwa Doxycylin und Gyrasehemmer, wie Ciprofloxacin und Levofloxacin, kann es passieren, dass sich Bestandteile an das Kalzium aus den Milchprodukten haften und Flocken bilden. Der Körper kommt dann schlechter an den Wirkstoff heran. Im zeitlichen Abstand von ein bis zwei Stunden ist die Aufnahme von Milchprodukten aber meistens kein Problem. Auch Citrussäfte können die Wirkung von Antibiotika verringern. Auf Alkohol sollte während einer Antibiotikatherapie ganz verzichtet werden. Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Übelkeit bis hin zu Erbrechen sind noch die geringeren Folgen. Manche Antibiotika hemmen Enzyme, die eine wichtige Rolle beim Abbau von Alkohol im Körper spielen. Ohne diese Enzyme können giftige Zerfallsprodukte bis hin zu extrem leberschädigenden Molekülen entstehen.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen bei der Einnahme von Antibiotika

Vorsicht ist auch bei der Empfängnisverhütung angebracht. Der Bundesverband der Frauenärzte warnt, dass Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline, Tetracycline, Cephalosporine und Chloramphenicol die Wirkung von Anti-Babypillen verringern kann. Welche Lebensmittel oder Medikamente sich mit dem Medikament vertragen oder nicht, ist in jedem Fall auf dem Beipackzettel beschrieben. Im Zweifel kann man auch beim Arzt oder in der Apotheke nachfragen.

Antibiotika und Sonne

Nach der Einnahme von Antibiotika reagiert die Haut besonders empfindlich auf UVA-Strahlung aus dem Sonnenlicht. Wenn sich ein Aufenthalt mit direkter Sonneneinstrahlung nicht vermeiden lässt, sollte man sich auf alle Fälle mit Kleidung und Sonnencreme vor einem Sonnenbrand schützen.

Antibiotika in der Schwangerschaft

Besteht eine Schwangerschaft, sollten die Risiken einer Antibiotikatherapie sorgfältig mit dem Arzt abgewogen werden. Es gibt zwar Medikamente, die auch in der Schwangerschaft einsetzbar sind, aber auch die können Nebenwirkungen nach sich ziehen. Es ist in jedem Fall besser, das mit seinem Arzt zu besprechen, als sich die Informationen aus anonymen Internet-Foren zu holen.

Kinder und Antibiotika

Es gibt Antibiotika, die eine Zulassung ab dem dritten Lebensmonat von Babys haben. Aber auch hier können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Ausführlichere Informationen sollten beim Arzt eingeholt werden. Egal, ob es Fragen zu Gerüchten aus dem Internet sind oder zu Unverständlichem vom Beipackzettel. Gute Kinderärzte sind es gewohnt, auf die Sorgen von Eltern ihrer Patienten einzugehen.

Bakteriophagen: Zukünftige Alternative zu Antibiotika?

Ein großes Problem ist die zunehmende Zahl multiresistenter Bakterien. Infiziert sich ein Patient, gibt es dann nur noch wenige Möglichkeiten zur Heilung. Eine Hoffnung von Patienten und Ärzten setzt auf sogenannte Bakteriophagen. Das sind Mikroorganismen aus der Familie der Viren, die Bakterien befallen und sie abtöten. Sie kommen hauptsächlich in Gewässern vor, in denen ausgedehnte Bakterienkulturen leben. Bakteriophagen wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, gerieten aber nach der Entdeckung von Penicillin in Vergessenheit. Einzig in Ländern des ehemaligen Ostblocks, wie Georgien, Rumänien oder Bulgarien wurde - in Ermangelung von Antibiotika - weiter an Bakteriophagen geforscht. Dort entwickelte Präparate mit Phagen sind in Deutschland mangels klinischer Studien aber noch nicht zulassungsfähig. Im regen Austausch mit Wissenschaftlern aus diesen Ländern erhoffen sich Mediziner zukünftig eine wirksame Waffe gegen multiresistente Bakterien. Die Herstellung von medizinischen Phagen ist allerdings sehr aufwändig, und die unterschiedlichen Phagen-Arten greifen nur sehr gezielt einzelne Erregerstämme an. In Deutschland hat die Therapie mit Bakteriophagen deshalb bisher nur ein experimentelles Stadium erreicht.


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