Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Therapie gegen die Sucht

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 04.12.2014

Das Bier nach Feierabend ist gesellschaftlich akzeptiert, vielleicht auch zwei. Doch wo ist die Grenze? Wann beginnt der Alkoholismus? - im Bild: Junge Männer in einer Kneipe beim Konsum von Alkohol. | Bild: colourbox.com

Jeder Mensch kann alkoholkrank werden. Denn schon nach kurzer Zeit wird möglicherweise aus einem Alkoholmissbrauch eine Abhängigkeit - die Übergänge sind fließend. Eine Reihe Alkoholkranker schafft es aber, mithilfe von Programmen des kontrollierten Trinkens oder der Abstinenz von der Sucht wieder loszukommen.

Alkohol schädigt

Wer über einen langen Zeitraum regelmäßig Alkohol trinkt, kann nahezu alle Organsysteme des Körpers schädigen, vor allem

Experte:

Prof. Joachim Körkel, Psychologe, Evangelische Hochschule Nürnberg, Institut für Innovative Suchtbehandlung und Suchtforschung

  • die Leber,
  • das Herz-Kreislauf-System,
  • den Magen-Darm-Trakt und
  • die Stoffwechselfunktionen.

Darüber hinaus wirkt Alkohol auf Nervensystem und psychische Funktionen und kann zu Abhängigkeit oder Sucht führen. Aus medizinischer Sicht ist Alkoholsucht eine chronische Krankheit.

Experte:

Prof. Oliver Pogarell, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München, Leiter der Abteilung für Substanzabhängigkeit

Alkohol wirkt im Gehirn

Alkohol zählt zu den Substanzen, die im Gehirn auf das Belohnungssystem wirken, das ist ein Netzwerk verschiedener Nervenzellensysteme und -verbindungen. Dort löst Alkohol ein positives Erleben oder eine positive Erwartung aus.

Sucht nach Positivem

Da diese Nervenzellensysteme im Gehirn stark an das Gedächtnissystem gekoppelt sind, kann bei Alkoholsucht der Wunsch nach einer ständigen Wiederholung der positiven Empfindungen oder Erwartungen auftreten. Bei manchen Patienten schleicht sich auch ein Kreislauf ein, der sich immer weiter verstärkt.

Umbau des Gehirns

Wer alkoholabhängig ist, bei dem ist die Balance des Gehirns beeinträchtigt. Im weiteren Verlauf der Krankheit kann es zu Anpassungs- und Umbauvorgängen im Gehirn kommen, und schlimmstenfalls kann das Gehirn nur noch mithilfe von Alkohol normal funktionieren.

Zwei Kriterien für Alkoholsucht sind: ein starker Drang nach Alkohol und Entzugssymptome, wenn man nichts trinkt - im Bild: Biertrinker in einer Kneipe. | Bild: colourbox.com zum Artikel Abhängigkeit Wann beginnt Alkoholsucht?

Jeden Abend zwei Bier oder zwei Gläser Wein – ist man damit schon alkoholabhängig? Oder erst, wenn man es nicht mehr schafft, einen Abend ohne Alkohol zu verbringen? [mehr]

Bei vielen gehört der Alkohol zum Alltag, die gesellschaftliche Akzeptanz ist groß - im Bild: Zwei Mädchen auf einem Weihnachtsmarkt mit einer Tasse Glühwein. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Ursachen der Sucht Warum trinkt man Alkohol?

Im Sommer in den Biergarten, im Winter ein Glühwein auf dem Christkindlmarkt – Alkohol findet sich bei vielen ganz unbedacht im Alltag. Doch wie entsteht daraus eine Abhängigkeit? [mehr]

Was ist der richtige Weg, aus der Alkoholsucht herauszukommen? Gar nichts mehr trinken? - im Bild: Patienten während einer Therapie für Suchtkranke in einer Einrichtung in Magdeburg. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Therapie Raus aus der Sucht

Gar nicht mehr trinken oder nur ganz gezielt eine geringe Menge trinken – was ist der richtige Weg, um vom Alkohol loszukommen? Beides kann eine Möglichkeit sein, aber Hilfe braucht man auf jeden Fall. [mehr]

Sogenanntes kontrolliertes Trinken kann auch aus der Sucht führen - im Bild: Mann trinkt aus einem Glas Bier. | Bild: colourbox.com zum Artikel Kontrolliertes Trinken Wie funktioniert das?

Statt einfach immer wieder das nächste Bier zu bestellen, sich einfach pro Abend nur eine Halbe zu genehmigen – geht das? Man kann die Alkoholmenge reduzieren, aber ob man damit die Sucht beendet, ist fraglich. [mehr]


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