Bayern 1

Warum Seife so gut gegen Viren wirkt Seife ist die beste Waffe - auch besser als manche Hand-Desinfektionsmittel

Seife ist eine gute Waffe gegen Viren. Mit Seife waschen wir die Viren nicht nur von den Händen ab. Nein - Seife schaltet die Viren sogar aus. Das gilt auch für das Coronavirus. Wie das geht und warum manche Hand-Desinfektionsmittel nur zweite Wahl sind.

Stand: 20.07.2020 | Archiv

Zwei Hände mit Seifenschaum | Bild: mauritius images

Er hat die Seife als wirksame Waffe im Internet gefeiert und wurde dann selbst vom Feedback überrascht: Pall Thordarson, Chemieprofessor an der Uni New South Wales in Sydney, hat über Twitter genau erklärt, was passiert, wenn Seife und ein Virus wie das Coronavirus aufeinander treffen.

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

Palli Thordarson 08.03.2020 | 08:08 Uhr 1/25 Part 1 - Why does soap work so well on the SARS-CoV-2, the coronavirus and indeed most viruses? Because it is a self-assembled nanoparticle in which the weakest link is the lipid (fatty) bilayer. A two part thread about soap, viruses and supramolecular chemistry #COVID19 https://t.co/OCwqPjO5Ht

1/25 Part 1 - Why does soap work so well on the SARS-CoV-2, the coronavirus and indeed most viruses? Because it is a self-assembled nanoparticle in which the weakest link is the lipid (fatty) bilayer. A two part thread about soap, viruses and supramolecular chemistry #COVID19 https://t.co/OCwqPjO5Ht | Bild: PalliThordarson (via Twitter)

Seife ist deswegen so effektiv, weil sie die schützende Lipidschicht der Viren, die das Erbgut der Viren enthält, angreift - und auflöst: Das Virus falle zusammen wie "ein Kartenhaus" und werde inaktiv, schreibt Thordarson. Und das kann Flüssigseife ebenso bewirken wie das gute alte Seifenstück.

Das funktioniert so: Ein Virus besteht aus Proteinen, seiner Erbsubstanz (RNA) und Lipiden. Es wird von einer Lipidschicht quasi ummantelt. "Seife enthält fettähnliche Substanzen, sogenannte Amphiphile, von denen einige strukturell den Lipiden in der Virusmembran sehr ähnlich sind. (...). Die Seife 'löst' effektiv den Klebstoff auf, der das Virus zusammenhält", so der Chemiker. Seifenmoleküle haben zwei Enden - ein Ende verbindet sich mit den Lipiden, also den Fetten des Virus, das andere Ende heftet sich an die Wassermoleküle. So zerstören die Seife-Moleküle die Hülle des Virus und ohne sie kannn sich das Virus nicht mehr vermehren. Die Virusreste spülen wir dann beim Händewaschen einfach ab.

Allerdings braucht es einige Zeit, bis die Seife auf unserer Haut mit ihrer speziellen faltigen Oberfläche ihre chemische Arbeit tut - mindestens 20 Sekunden. Daher empfehlen alle Hygiene-Experten auch, sich die Hände 20, besser 30 Sekunden lang sorgfältig einzuseifen.

Die Wassertemperatur ist dabei unwichtig, die Menge der Seife allerdings nicht: Händewaschen mit kaltem oder warmem Wasser

Wann wir Hand-Desinfektionsmittel benutzen können

Seife wirkt sehr gut gegen Viren - braucht aber 20 Sekunden, um ihre Arbeit zu tun.

Hand-Desinfektionsmittel sind nur sinnvoll, wenn sie "viruzid" wirken und mehr als 60 Prozent Alkohol enthalten. Sie können wir verwenden, wenn es weit und breit keine Möglichkeit gibt, sich mit Seife die Hände zu waschen - das sagt die US-Bundesbehörde CDC.

Chemieprofessor Thordarson hält Seife immer für die bessere Option, er schreibt auf Twitter: "Desinfektionsmittel oder Flüssigkeiten, Tücher, Gele und Cremes, die Alkohol (und Seife) enthalten, haben ähnliche Wirkungen, sind jedoch nicht ganz so gut wie normale Seife."