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Wadenkrämpfe Alkohol fördert sie, Gurkenwasser kann helfen

Nächtliche Wadenkrämpfe sind äußerst schmerzhaft. Was das Gläschen Wein am Abend damit zu tun hat. Lesen Sie auch, ob Magnesium oder Gurkenwasser gegen die Krämpfe helfen.

Published at: 29-11-2023

Frau sitzt im Bett und massiert sich die Wade | Bild: mauritius images / Daria Kulkova / Alamy / Alamy Stock Photos

Wadenkrämpfe nachts

Höllische Schmerzen in der Nacht, wenn sich die Wadenmuskulatur krampfartig zusammenzieht - nächtliche Wadenkrämpfe sind einfach nur schlimm. Automatisch versucht man, den Muskel wieder zu dehnen. Da kann es helfen, im Sitzen die Fußspitze zu sich zu ziehen oder aus dem Bett aufzustehen. Nach so einer Schmerzattacke ist man meist hellwach.

Macht Alkohol Wadenkrämpfe?

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat häufiger unter solchen nächtlichen Wadenkrämpfen zu leiden. Zumindest ab einem gewissen Alter. Und dabei muss gar nicht viel Alkohol im Spiel sein. Eine kleine Studie an der Uni Straßburg aus dem Jahr 2018 mit 140 Versuchspersonen zwischen 60 und 86 Jahren aus dem Elsass fand heraus, dass diejenigen, die pro Woche ein alkoholisches Getränk zu sich nahmen, 6,5 Mal häufiger unter Wadenkrämpfen in der Nacht litten als diejenigen, die keinen Alkohol tranken. Die Menge des Alkohol war nicht entscheidend, das heißt, wenn jemand mehr trank, stieg die Häufigkeit der Krämpfe nicht entsprechend an.

Woher kommen Wadenkrämpfe?

Wadenkrämpfe sind übrigens kein muskuläres Problem, sondern ein neurologisches, es betrifft also unsere Nerven und die Reizleitung. Vereinfacht gesagt sorgen verschiedene Einflüsse - wie zum Beispiel Alkohol, aber auch Vitamin B-Mangel oder Mineralstoffmangel - dafür, dass unser Elektrolyt-Haushalt durcheinander kommt. Diese Elektrolyte sind an der Reiz-Weiterleitung in unseren Nervenmembranen beteiligt. Elektrische Entladungen verursachen Nervenimpulse und diese lassen unsere Muskeln krampfen.

Wadenkrämpfe - Ursache

Das können die Ursachen für häufige Wadenkrämpfe sein:

  • Starkes Schwitzen und Dehydrierung durch zu geringe Trinkmenge
  • Während einer Schwangerschaft können auch häufiger Wadenkrämpfe auftreten
  • Alkohol
  • Medikamenteneinnahme
  • Vitamin D-Mangel
  • Zu starke, aber auch deutlich zu geringe Belastung der Muskeln

Was hilft gegen Wadenkrämpfe?

Vorbeugend kann man einiges tun gegen Krämpfe. Zuallererst sollte man mit der Hausärztin oder dem Hausarzt klären, ob man unter einem Mineralstoff- oder Vitaminmangel leidet. Dazu werden diese Blutwerte genauer angesehen: "Elektrolytwerte inklusive Kalzium und Magnesium, Nieren- und Leberwerte, Blutzucker, Schilddrüsenhormone, Kreatinkinase", so steht es in der Ärztlichen Leitlinie zur Behandlung von Krämpfen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Diese wird derzeit überarbeitet. Beim Arzt oder der Ärztin sollte abgeklärt werden, ob eine Erkrankung hinter den häufigen Krämpfen stehen könnte, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder Morbus Addison. Häufig kann aber auch keine direkte Ursache für die Wadenkrämpfe gefunden werden.

Was tun gegen Wadenkrämpfe?

  • Gezielte tägliche Dehnungsübungen können helfen - zum Beispiel ein Vorbeugen des Körpers im Stand, ohne dass die Fersen abheben. Allerdings ist auch hier wissenschaftlich unklar, ob das Dehnen tatsächlich immer effektiv ist.
  • Dass die tägliche Einnahme von Magnesium gegen Krämpfe hilft, ist nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Allerdings hilft Magnesium vielen Menschen und sie bekommen seltener Krämpfe.
  • Verschreibungspflichtige Chininpräparate - dazu schreibt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie: "Erst wenn alle behandelbaren Ursachen ausgeschlossen wurden und eine Magnesiumtherapie versucht wurde, sollten bei häufigen und sehr schmerzhaften Krämpfen Chininpräparate zum Einsatz kommen, so die derzeitige Leitlinienempfehlung."
  • Gurkenwasser: Eine Studie in den USA bewies, dass Gurkenwasser, also die Einlegeflüssigkeit von sauren Gurken, die Länge der Muskelkrämpfe bei dehydrierten Menschen verkürzt - und zwar um die Hälfte der Zeit. Die Versuchspersonen nahmen dabei einen Mililiter Gurkenwasser je Kilogramm Körpergewicht zu sich. Die sofortige Wirkung des Gurkenwassers, bevor dieses im Magen landet, erklärten die Autoren und Autorinnen der Studie damit, dass der Reiz im Rachen durch das saure Gurkenwasser die elektrischen Nervenimpulse am betroffenen Muskel stoppt.

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