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Steingarten Drei Gründe für Grün statt Stein im Vorgarten

Gerade in Neubaugebieten sieht man sie immer häufiger: Vorgärten, die gänzlich mit Gestein wie Granit, Quartz oder auch Kies bedeckt sind. Sieht gut aus, finden viele. Und ist pflegeleicht. Wirklich?

Stand: 27.02.2019

Kiesgarten | Bild: mauritius-images

Humusschicht abtragen, Folie ausbreiten, eine dicke Schicht Steine drauf - und fertig ist der moderne Steingarten. Auch bei uns in Bayern gibt es immer mehr Fans dieser Art von Gartengestaltung, erzählt BAYERN 1 Gartenexpertin Karin Greiner: "In den Baumärkten wird der Steingarten sehr angeraten, weil er schnell angelegt ist: Der Lastwagen schüttet das Material hin, Sie verteilen es - fertig." Viele "Steingärtner" lieben die schlichte Ästhetik des grauen Steins, andere wollen sich einfach nur Gartenarbeit sparen.

Kiesgärten sind keineswegs pflegeleicht

Nicht jeder verbringt seine Freizeit gerne mit Gartenarbeit - und will sich in seinem Garten lieber erholen statt zu arbeiten. Der Haken: Ein Kiesgarten befreit seinen Besitzer nicht ein für alle Mal von diesem Joch. Denn je nach Witterung bilden sich nach ein paar Jahren auf den Steinen unschöne Beläge aus Moos und Algen; zwischen den Steinen sammeln sich Blätter, Laub und Staub, die nach und nach einen guten Nährboden für anfliegende Samen bilden.
Die Natur ist ein harter Gegner für Steingärtner: Während die Wurzeln mancher Sämlinge, etwa des Ahorns, die Folie unter den Steinen durchbohren, bringen die Triebe von Ziergräsern wie etwa des Bambus' die enorme Kraft auf, die Folie von unten zu durchdringen. Man muss also doch auf der Hut sein und regelmäßig Hand anlegen, damit der Kiesgarten auf Dauer ansehnlich bleibt. Sonst bleiben nur zwei Alternativen, erklärt Karin Greiner:

"Nach drei bis fünf Jahren müssen viele Gärtner dann überlegen, so einen Garten komplett zu sanieren - also alle Steine runter und dann wieder frisch drauf - oder es wird alles von vorn bis hinten mit Glyphosat eingesprüht."

BAYERN 1 Gartenexpertin Karin Greiner

Wer also nicht Geld und Zeit investieren will, dem bleibt als letztes Mittel oft nur der Unkrautvernichter. Doch der ist nicht nur gesundheitlich gesehen fragwürdig, sondern zudem auf versiegelten Flächen wie Kiesgärten verboten.

Grün im Garten fördert das Wohlfühlklima

Der Verdunstungseffekt der Pflanzen tut dem Stadtklima gut.

Gerade in so heißen Sommern wie in den vergangenen Jahren geraten Städte schon fast zum Backofen: Die Steinmauern der Gebäude speichern und strahlen zusätzlich zur Sonne Hitze ab. Vergleichbar wirken Gärten aus Stein, erklärt Karin Greiner: "Schottergärten verschlimmern im städtischen Bereich die klimatischen Bedingungen." Weil Verdunstungsfeuchtigkeit von Pflanzen fehlt, tragen "gerade in heißen Perioden wie in den vergangenen Jahren solche Gärten dazu bei, dass die Hitze noch stärker wirkt." Wie gut Grün uns bei Hitze tut, merken wir, wenn wir draußen etwas trinken gehen: Es ist angenehmer, unter einem Baum zu sitzen oder unter einer bewachsenen Pergola, als unter einem Sonnenschirm oder einer Markise. Denn, so Frau Greiner, "Pflanzen verdunsten Wasser und sorgen damit dafür, dass die unmittelbare klimatische Umgebung sehr viel angenehmer wird." Ein Effekt, der sich auch Zuhause im heimischen Garten spüren lässt.

Streit um die "Schottergärten"

In Nordrhein-Westfalen haben schon einige Kommunen, wie etwa Dortmund und Paderborn, die sogenannten "Schottergärten" in ihren Bebauungsplänen für Neubaugebiete verboten: Weil sie dem Mikroklima in der Stadt schaden und zudem die Lärmbelastung verstärken, da Steinflächen Schall stärker reflektieren als Grünanlagen. Zum Unmut vieler Bauherren, die sich gegen diesen Eingriff in ihre Gartengestaltung wehren. In Bayern gibt es zumindest derzeit keine derartigen Probleme, sagt Wilfried Schober, Sprecher des Bayerischen Städte- und Gemeindetages: "Die meisten Gemeinden im ländlichen Raum halten sich mit Regelungen in ihren Bebauungsplänen zurück und vertrauen darauf, dass das jeder Bauherr für sich regelt." Und in vielen Städten muss der Umweltgedanke angesichts teurem und knappem Baugrund zurückstehen: "Von Seiten der Politik heißt es: Wohnraum schaffen, Wohnraum schaffen, Wohnraum schaffen - und dem hat sich alles andere unterzuordnen", so Schober. Vorgaben für breitere Abstandsflächen, die neben Carport, Fahr- und Müllhäuschen auch noch genug Platz für Grünflächen bieten würden, sind in dieser Lage nicht zu erwarten.

Grün statt Grau im Garten unterstützt die Artenvielfalt

Nicht zu unterschätzender Rückzugsraum für viele Vögel und Insekten - unsere Hausgärten

Jeder Quadratmeter an unversiegelter und möglichst noch insektenfreundlich bepflanzter Bodenfläche zahlt auf die Artenvielfalt ein, betonen Naturschutzverbände schon seit Jahren immer wieder. Wie wichtig diese vielen Menschen in Bayern ist, hat jüngst das Volksbegehren zu deren Erhalt gezeigt. Wenn aber Pflanzen, Vögel und Insekten ausreichend Lebensraum finden sollen, reicht es nicht aus, diese Aufgabe allein der Landwirtschaft zu überlassen. Gerade die Gärten in Wohngebieten sind für viele Tiere als sichere Lebens- und Rückzugsräume unverzichtbar.

Pflanz-Tipps für einen artenfreundlichen und arbeitsarmen Vorgarten

Ein insektenfreundlicher und schön bepflanzter Vorgarten, der nicht viel Arbeit macht? Ja, das geht - mit etwas Planung und den folgenden Tipps unserer Gartenexpertin Karin Greiner.

Pflanzen für den sonnigen Vorgarten

Stauden und Blumenmischung füllen den sonnigen Vorgarten ohne viel Arbeit zu machen

Hier geht nahezu alles. Am einfachsten: Bunte Blumenmischungen aus einjährigen Pflanzen aussäen - sie gibt es auch in speziellen Zusammensetzungen als Falternahrung, Bienenmischung oder auch als essbare Blüten. Alternativ sind auch Kräuter und Gemüse mittlerweile im Vorgarten durchaus salonfähig, sagt Karin Greiner: "Wenn man die im Kuddelmuddel durcheinander setzt, sieht das überaus attraktiv aus." Etwa eine Kombinationen aus Salbei, Thymian und Oregano - und dazwischen Zierfenchel oder einen toskanischen Palmkohl. Sieht zusammen gut aus, ist nutzbar und dabei sehr robust, auch gegen Trockenheit. Rückschnitt einmal jährlich reicht, und bienenfreundlich ist das Ensemble obendrein.

Pflanzen für den schattigen Vorgarten

Hier empfiehlt sich ein dauerhaft angelegter Staudengarten mit Bodendeckern und einem Strauch oder Baum. Wer auf heimische Pflanzen setzen mag, kombiniert etwa eine Schlehe oder einen Bauernjasmin mit robustem Waldmeister, Taubnessel und Veilchen. Frau Greiners Tipp: "In den ersten Jahren muss man das Kräfteverhältnis zwischen den Pflanzen ausgleichen und die stärker wuchernden Exemplare etwas zurücknehmen - sobald aber alles eingewachsen ist, müssen Sie sich nicht mehr kümmern." Wenn Sie weitere Pflanz-Ideen für die schattigeren Bereiche Ihres Garten brauchen, lesen Sie hier weiter: Diese Pflanzen mögen schattige Plätze.

Mehr Garten-Tipps von Karin Greiner

Viele gute Ideen für Balkon & Garten, dazu Tipps für Zimmerpflanzen, und den Haus- und Ziergarten rund ums Jahr gibt unsere Garten-Expertin Karin Greiner jeden Samstag um 13.15 Uhr im Samstagmittag bei BAYERN 1.


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