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Steingarten Schottergärten: Nach BaWü bald auch in Bayern verboten?

Bei unseren Nachbarn in Baden-Württemberg dürfen keine Schottergarten mehr angelegt werden. In Bayern gibt es vereinzelt Verbote, aber droht da mehr? Und was ist eigentlich so schlimm an diesen Steingärten?

Stand: 04.08.2020

Schottergarten | Bild: mauritius-images

Humusschicht abtragen, Folie ausbreiten, eine dicke Schicht Steine drauf - und fertig ist der moderne Steingarten. Auch bei uns in Bayern gibt es immer mehr Fans dieser Art von Gartengestaltung, erzählt BAYERN 1 Gartenexpertin Karin Greiner: "In den Baumärkten wird der Steingarten sehr angeraten, weil er schnell angelegt ist: Der Lastwagen schüttet das Material hin, Sie verteilen es - fertig." Viele "Steingärtner" lieben die schlichte Ästhetik des grauen Steins, andere wollen sich einfach nur Gartenarbeit sparen.

Schottergärten Nachteile

Auch Schottergärten schützen nicht vor Gartenarbeit - umso mehr, je älter sie werden.

Nicht jeder verbringt seine Freizeit gerne mit Gartenarbeit - und will sich in seinem Garten lieber erholen statt zu arbeiten. Der Haken: Ein Schottergarten befreit seinen Besitzer nicht ein für alle Mal von diesem Joch. Denn je nach Witterung bilden sich nach ein paar Jahren auf den Steinen unschöne Beläge aus Moos und Algen; zwischen den Steinen sammeln sich Blätter, Laub und Staub, die nach und nach einen guten Nährboden für anfliegende Samen bilden.
Die Natur ist ein harter Gegner für Steingärtner: Während die Wurzeln mancher Sämlinge, etwa des Ahorns, die Folie unter den Steinen durchbohren, bringen die Triebe von Ziergräsern wie etwa des Bambus' die enorme Kraft auf, die Folie von unten zu durchdringen. Man muss also doch auf der Hut sein und regelmäßig Hand anlegen, damit der Kiesgarten auf Dauer ansehnlich bleibt. Sonst bleiben nur zwei Alternativen, erklärt Karin Greiner:

"Nach drei bis fünf Jahren müssen viele Gärtner dann überlegen, so einen Garten komplett zu sanieren - also alle Steine runter und dann wieder frisch drauf - oder es wird alles von vorn bis hinten mit Glyphosat eingesprüht."

BAYERN 1 Gartenexpertin Karin Greiner

Wer also nicht Geld und Zeit investieren will, dem bleibt als letztes Mittel oft nur der Unkrautvernichter. Doch der ist nicht nur gesundheitlich betrachtet fragwürdig, sondern zudem auf versiegelten Flächen wie Kiesgärten verboten.

Warum sind Steingärten schlecht?

Schottergärten: Stylischer Look - Hitzeturbo fürs Mikroklima.

Bei heißen Sommergraden verwandeln sich viele Städte in Glutöfen: Die Steinmauern der Gebäude speichern und strahlen zusätzlich zur Sonne Hitze ab. Vergleichbar wirken Gärten aus Stein, erklärt Karin Greiner: "Schottergärten verschlimmern im städtischen Bereich die klimatischen Bedingungen." Weil Verdunstungsfeuchtigkeit von Pflanzen fehlt, tragen "gerade in heißen Perioden wie in den vergangenen Jahren solche Gärten dazu bei, dass die Hitze noch stärker wirkt."

Wie gut Grün uns bei Hitze tut, merken wir, wenn wir draußen etwas trinken gehen: Es ist angenehmer, unter einem Baum zu sitzen oder unter einer bewachsenen Pergola, als unter einem Sonnenschirm oder einer Markise. Denn, so Frau Greiner, "Pflanzen verdunsten Wasser und sorgen damit dafür, dass die unmittelbare klimatische Umgebung sehr viel angenehmer wird." Ein Effekt, der sich auch Zuhause im heimischen Garten spüren lässt.

Schottergärten Bebauungsplan

Weg von den Schotter- hin zu den Blühgärten: Das ökologische Bewusstein bei Bayerns Bürgermeistern ist innerhalb eines Jahres deutlich gewachsen.

Während in Nordrhein-Westfalen schon 2019 einzelne Kommunen wie Paderborn und Dortmund dem Schottergarten-Hype mit Verboten entgegen getreten sind, gab es in Bayern noch keine derartigen Überlegungen, so Wilfried Schober, Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetages, im Juli 2019. Ein Jahr später hat sich das Bild geändert: "Viele Bürgermeister fragen an: 'Wie kann ich in der Gemeinde dafür sorgen, dass Blühgärten entstehen, keine Schottergärten?'", erklärt Schober. Die Hebel dazu wären vorhanden - über den Bebauungsplan und die sogenannte Gestaltungsverordnung.

"Hiermit kann etwa geregelt werden, wie groß die Vorgärten sein dürfen, ob sie begrünt oder versiegelt sein dürfen - und da auch im Detail zu wieviel Prozent etwa ein Vorgarten versiegelt sein darf. Wobei Schottergärten als versiegelte Fläche gelten."

Wilfried Schober, Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetages

So reagieren die Bürger in Bayern 

Droht ein Aufstand der Bauherren gegen diese Art der Einmischung durch öffentliche Stellen? Fehlanzeige, meint Wilfried Schober. Das Feedback aus den bayerischen Kommunen, die über Neuregelungen nachdenken, zeigt: Wo gut kommuniziert wird - also etwa Versammlungen stattfinden, die Raum für Fragen und Diskussion geben, zeigt der Großteil der Bürger Verständnis. "Die Art der Kommunikation gibt den Ausschlag", so Pressesprecher Schober.

In Bayern gilt Bestandsschutz

Bayern will kein landesweites Verbot von Schottergärten.

In Baden-Württemberg droht Schottergarten-Besitzern eine Rückbauforderung für ab 1995 angelegte Steingärten. Anders in Bayern: Für alle bereits bestehenden Schottergärten gilt Bestandschutz, betont der Pressesprecher des Bayerischen Städte- und Gemeindetages: "Was zum Zeitpunkt der Baugenehmigung rechtmäßig war, bleibt auch danach rechtmäßig."

Wo sind Schottergärten verboten?

In Nordrhein-Westfalen haben Dortmund und Paderborn schon 2019 ein Verbot von Schottergärten in ihren Bebauungsplänen festgelegt; ebenso Bremen. Im Juli 2020 hat Baden-Württemberg mit einer Änderung des Landesnaturschutzgesetzes Schottergärten auf Privatgrundstücken verboten.

Als erste bayerische Stadt hat Erlangen Anfang 2020 ein Verbot von Schottergärten für Neu- und Umbauten verabschiedet; im Juli 2020 hat auch Würzburg dies beschlossen.

Schottergärten Bayern

Schottergarten ja oder nein - das regeln in Bayern weiterhin die Kommunen.

Wird Bayern seinem Nachbarland Baden-Württemberg beim Verbot der Schottergärten nachziehen? Wohl kaum, sagt Wilfried Schober: "Ein Verbot wird der bayerische Gesetzgeber nicht aussprechen - aber wohl die Gemeinden verstärkt ermuntern, von den Möglichkeiten des Bebauungsplans und der Gestaltungsverordnung Gebrauch zu machen." So sieht es auch die Bayerische Bauordnung vor, deren Novelle gerade in Arbeit ist: "Wir geben den Städten und Gemeinden mehr Handlungsspielraum", lobt die Bayerische Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) am 2. August auf einer Pressekonferenz in München. Es sei auch Wunsch der Kommunen gewesen, die Ortsgestaltung selbst lokal regeln zu können. "Diese Lösung ziehen wir einem bayernweiten Verbot vor", betonte die Ministerin.

Grün statt Grau: Darum ist auch Ihr Garten wichtig!

Nicht zu unterschätzender Rückzugsraum für viele Vögel und Insekten - unsere Hausgärten

Jeder Quadratmeter an unversiegelter und möglichst noch insektenfreundlich bepflanzter Bodenfläche zahlt auf die Artenvielfalt ein, betonen Naturschutzverbände schon seit Jahren immer wieder. Diese Botschaft ist bei vielen Menschen in Bayern angekommen. Wenn aber Pflanzen, Vögel und Insekten ausreichend Lebensraum finden sollen, reicht es nicht aus, diese Aufgabe allein der Landwirtschaft zu überlassen. Gerade die Gärten in Wohngebieten sind für viele Tiere als sichere Lebens- und Rückzugsräume unverzichtbar.

Arbeitsarm und artenfreundlich: Tipps für Ihren Vorgarten

Stauden und Blumenmischung füllen den sonnigen Vorgarten ohne viel Arbeit zu machen

Ein insektenfreundlicher und schön bepflanzter Vorgarten, der nicht viel Arbeit macht? Ja, das geht - mit etwas Planung und den folgenden Tipps unserer Gartenexpertin Karin Greiner.

Pflanzen für den sonnigen Vorgarten

  • Am einfachsten: Bunte Blumenmischungen aus einjährigen Pflanzen aussäen; gibt es auch in speziellen Zusammensetzungen als Falternahrung, Bienenmischung oder auch als essbare Blüten.
  • Alternativ Kräuter und Gemüse im Vorgarten kultivieren - etwa eine Kombinationen aus Salbei, Thymian und Oregano - und dazwischen Zierfenchel oder einen toskanischen Palmkohl. Sieht zusammen gut aus, ist nutzbar und dabei sehr robust, auch gegen Trockenheit. Rückschnitt einmal jährlich reicht, und bienenfreundlich ist das Ensemble obendrein.

Pflanzen für den schattigen Vorgarten

  • Am besten: dauerhaft angelegter Staudengarten mit Bodendeckern und einem Strauch oder Baum.
  • Heimische Kombi: Schlehe oder Bauernjasmin mit robustem Waldmeister, Taubnessel und Veilchen.

Frau Greiners Tipp: "In den ersten Jahren muss man das Kräfteverhältnis zwischen den Pflanzen ausgleichen und die stärker wuchernden Exemplare etwas zurücknehmen - sobald aber alles eingewachsen ist, müssen Sie sich nicht mehr kümmern." Wenn Sie weitere Pflanz-Ideen für die schattigeren Bereiche Ihres Garten brauchen, lesen Sie hier weiter: Diese Pflanzen mögen schattige Plätze.

Mehr Garten-Tipps von Karin Greiner

Viele gute Ideen für Balkon & Garten, dazu Tipps für Zimmerpflanzen, und den Haus- und Ziergarten rund ums Jahr gibt unsere Garten-Expertin Karin Greiner jeden Samstag um 13.15 Uhr im Samstagmittag bei BAYERN 1.


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