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Stammzellspende So läuft eine Stammzellspende ab

Eine Stammzellenspende rettet Menschenleben. Wie sie abläuft und wo Sie sich in Bayern typisieren lassen können.

Stand: 24.10.2018

Eine Blutprobe wird im Labor der DKMS bearbeitet. | Bild: DKMS

11.000 Menschen jeden Alters erkranken jedes Jahr in Deutschland an bösartigen Blutkrankheiten wie zum Beispiel Leukämie. Vielen kann nur mit einer Stammzellübertragung geholfen werden. Ungefähr für ein Drittel der Patienten findet sich ein Geschwister-Spender, berichtet das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD). Bei Eltern und anderen nahen Verwandten ist es schon sehr viel seltener, dass sie die selben Gewebemerkmale wie der Patient haben. Deswegen müssen für viele Patienten nichtverwandte Spender gesucht werden, damit sie den Blutkrebs überleben können. Dass die Stammzellen zusammenpassen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Patient die fremden Zellen nicht wieder abstößt.

Stammzellenspende Voraussetzungen

Wenn Sie zwischen 17 und 55 Jahre alt sind sowie gesund und in körperlich guter Verfassung, können Sie sich als Stammzellspender registrieren lassen. Bis zum vollendeten 60. Lebensjahr kann man Stammzellen spenden.

Es gibt zwei Arten der Stammzellspende. Bei der so genannten peripheren Spende werden die Stammzellen direkt aus dem Blut herausgefiltert. An den vier Tagen vor der Entnahme wird der Spender mit einem Medikament behandelt, das das Wachstum der Stammzellen anregt und dafür sorgt, dass die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut wandern. Dabei können grippeähnliche Symptome auftreten. Die Entnahme, die ähnlich wie eine Dialyse funktioniert, dauert meist vier bis acht Stunden an ein bis zwei Tagen: "Hierbei wird das Blut des Spenders in einem ständigen Kreislauf aus einer Armvene durch einen Zellseperator geleitet und über die andere Armvene wieder zurückgeführt", so das ZKRD. 

In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen einfach aus dem Blut des Spenders gefiltert.

Spender sind nur an diesen Tagen arbeitsunfähig. Nebenwirkungen sind bei der Entnahme noch keine festgestellt worden, das Verfahren wenden Mediziner seit 1988 an.

Rund 80 Prozent der Spenden werden so gewonnen. In 20 Prozent der Fälle müssen die Stammzellen aus dem Knochenmark des Beckenkamms entnommen werden. Das Knochenmark bildet sich danach beim Spender innerhalb von zwei Wochen wieder neu. Dieser Eingriff erfolgt unter Vollnarkose und dauert rund eine Stunde, der Krankenhausaufenthalt insgesamt drei Tage. In den meisten Fällen werden Spender danach für einige Tage krankgeschrieben. Eine reine Vorsichtsmaßnahme. Es entstehen dem Spender keinerlei Kosten, denn die übernimmt die Krankenkasse des Patienten, dem mit den Stammzellen geholfen wird. Das schließt Reisekosten und Verdienstausfall mit ein.

Wie lasse ich mich typisieren

Aus Zellen der Mundschleimhaut können die Gewebemerkmale des Spenders bestimmt werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) zum Beispiel bieten eine Online-Registrierung an und verschicken Sets für einen Wangenabstrich oder eine Blutabnahme beim Hausarzt per Post. Aus dem Zellmaterial, das man dadurch gewinnt, lassen sich die Gewebemerkmale, die sogenannten HLA-Merkmale, herauslesen. Diese werden in der Spenderdatenbank gespeichert.

Wer beim Bayerischen Roten Kreuz Blut spendet, kann sich dabei auch als Stammzellenspender registrieren lassen. Die dritte Möglichkeit ist, sich bei einem Typisierungstermin als Spender aufnehmen zu lassen.

Typisierung in Bayern

In Holzkirchen kann man sich am Sonntag, den 28.10.2018 beim Holzkirchner Marktlauf in der Zeit von 9.30 Uhr bis 15 Uhr typisieren lassen. In der Mittelschule, Baumgartenstraße 7.

Auf Initiative der Stiftung für krebskranke Kinder Coburg wird am Samstag, 10. November 2018, von 11 bis 16 Uhr im Sportland Coburg,  Ziegelei 10, 96487 Dörfles-Esbach, eine Typisierungsaktion stattfinden.

Wie wahrscheinlich werde ich Knochenmarkspender

Mittlerweile kann für 75 Prozent der Blutkrebs-Patienten innerhalb von drei Monaten ein passender Spender gefunden werden, so das Zentrale Knochenmarkspender-Registers Deutschland, bei dem alle deutschen Spender registriert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass man nach seiner Typisierung zu weiteren Untersuchungen gebeten wird, liegt bei zehn Prozent. Lediglich ein Prozent der registrierten Spendewilligen spendet dann tatsächlich, so das ZKRD.

Eine Stammzellspenderin berichtet

Als die Nachricht kommt, dass sie zu den möglichen Spendern für einen Blutkrebs-Patienten gehört, ist Katharina Illner seit vier Jahren bei der DKMS registriert. Eine Freundin hatte sie damals zur Typisierung mitgenommen. Für Katharina war es keine Frage, ob sie mitmacht oder nicht: Mit 13 war eine Schulfreundin an Knochenkrebs erkrankt, Katharina besuchte sie regelmäßig und erlebte, was die Krankheit und die Behandlung bedeuten.

Gezweifelt hat sie nie, sagt Katharina Illner: "Wenn man jemandem das Leben retten kann, dann kann man schon mal was auf sich nehmen."

Die Nachricht kommt per Post

Der Brief kommt im Dezember 2012. Katharina erfährt, dass ihre Merkmale möglicherweise auf die eines Blutkrebs-Patienten passen - und die DKMS fragt, ob sie noch als Spenderin zur Verfügung steht. Für Katharina keine Frage, für ihre Eltern ein Grund zur Sorge. "Mein Vater hat dann im Internet recherchiert, danach waren sie beruhigt", erzählt Katharina.

Die Blutprobe beim Hausarzt

Katharina geht zum Hausarzt und lässt sich Blut abnehmen - so kann im Labor überprüft werden, ob ihre Merkmale und die des Patienten wirklich zusammenpassen. Zusätzlich untersucht sie der Arzt, um sicherzugehen, dass sie gesund ist.

Danach kommen noch zwei weitere Briefe. "Darin stand, dass ich noch im Rennen bin", sagt sie. Die DKMS ruft sie mehrmals an, um zu fragen, ob sie noch zu einer Spende bereit ist. Und weil die genetischen Merkmale tatsächlich übereinstimmen, fährt Katharina ins Krankenhaus nach Nürnberg.

Stammzellspende - Voruntersuchungen im Krankenhaus

"Ich konnte mir den Termin einfach aussuchen und hingehen, wann ich wollte", sagt Katharina. Die Ärzte im Krankenhaus untersuchen sie noch einmal gründlich, machen ein EKG, einen Ultraschall und zeigen ihr die Maschine, die bei der Spende die Stammzellen aus Katharinas Blut filtern wird.

Bis kurz vor der eigentlichen Spende hätte sie noch abspringen können - darüber nachgedacht habe sie aber nicht, sagt sie: "Ich wusste ja, was ich tue, als ich mich habe typisieren lassen."

"Mir war klar, dass an meiner Spende ein Leben hängt."

Katharina Illner, Stammzellspenderin

Zehn Tage vor der eigentlichen Spende wird das Immunsystem des Patienten zerstört. Bis er durch die Stammzellen ein neues Immunsystem bekommt, ist seine Lage kritisch. Schon eine kleine Infektion ist gefährlich, ein Rückzieher des Spenders kann zu diesem Zeitpunkt tödlich sein.

"Deshalb werden die Spender vorher immer wieder gefragt, ob sie auch wirklich zu der Spende bereit sind", sagt Karsten Meier von der DKMS. In der Regel springe dann auch keiner mehr ab.

Katharina Illner muss in den vier Tagen vor der Spende ein Medikament bekomen, das die Bildung der Stammzellen fördert und dafür sorgt, dass sie sich vom Knochenmark lösen und in Katharinas Blut wandern. Manche Spender bekommen durch das Medikament grippeähnliche Symptome, andere Rückenschmerzen. Bei Katharina tut nur am letzten Tag ein bisschen der Rücken weh.

Stammzellenspende - so läuft sie ab

Kurz vor der Spende Anfang Juni ist Katharina doch etwas nervös. "Einfach weil ich's ja noch nie gemacht hatte", sagt sie. Und: Sie kann kein Blut sehen.

Ihr Vater fährt sie in die Klinik nach Nürnberg. Um 8.00 Uhr nimmt sie auf dem Stuhl Platz. Die Ärzte setzen ihr eine Nadel in den rechten, eine in den linken Arm. Das Blut fließt aus dem einen Arm in den sogenannten Zellseparator, der die Stammzellen herausfiltert. Angereichert mit einem Gerinnungshemmer fließt das Blut dann durch den anderen Arm wieder zurück.

Bis um 14.00 Uhr dauert die Spende, Katharina schaut zwei Filme und unterhält sich mit einem anderen Spender in ihrem Alter, der im selben Raum sitzt. Das Blut ist kein Problem, nur ein bisschen ungewohnt ist es, dass sie sich mit den beiden starren Nadeln im Arm nicht bewegen kann.

Noch am selben Tag transplantieren Ärzte in einem Lübecker Krankenhaus einem Mann Anfang vierzig Katharinas Stammzellen. Dank Katharinas Spende überlebt er den Blutkrebs.


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