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Spitzwegerich Star unter den Heilkräutern: Was der Spitzwegerich alles kann

Er sieht unscheinbar aus, steckt aber bis in die Blattspitzen voller Heilkraft. Wie Sie den Spitzwegerich gegen Husten und bei Insektenstichen einsetzen können.

Stand: 17.06.2020

Spitzwegerich | Bild: picture-alliance/dpa

Er wächst auf Wiesen, aber auch an Straßen und Wegrändern, was ihm auch seinen Namen eingebracht hat:

Längliche, lanzenförmige Blätter, kahler Stengel, kolbenförmige Ähre - der Spitzwegerich ist leicht zu erkennen.

Man erkennt den Spitzwegerich leicht an den langen, lanzenförmigen Blättern mit den Längsrillen, die eine Rosette bilden um den langen, unbehaarten Stengel mit der kolbenförmigen Ähre.

Eine Allerweltspflanze auf den ersten Blick. Aber eine, die es in sich hat - nicht umsonst war der Spitzwegerich 2014 "Arzneipflanze des Jahres": Er enthält das antibiotisch wirkende Aucubin, dazu Gerb- und Schleimstoffe, die reizlindernd und entzündungshemmend wirken. Eine alte Heilpflanze für jede Art von Husten und Stichen.  

"Indianerpflaster": So hilft der Spitzwegerich bei Stichen

"Indianerpflaster" mit Spitzwegerich lindern Insektenstiche jeder Art.

Wenn Sie ein Insektenstich draußen in der Natur erwischt, empfehlen wir ein "Indianerpflaster": Der Spitzwegerich ist ein äußerst wirksames Hausmittel bei jeder Art von Stichen - sei es Mücke, Biene, Wespe & Co. oder auch Brennnessel.

Dazu einfach paar Blätter abzupfen und so zerquetschen, dass Saft austritt und die Masse auf die betroffene Hautstelle drücken.

Die enthaltenen Gerbstoffe wirken adstringierend (zusammenziehend) und schmerzlindernd; die Schleimstoffe kühlen und lindern den Juckreiz. Und die natürliche antibiotische Wirkung des Spitzwegerichs hilft dabei, eine Entzündung der Stichstelle zu vermeiden. 

Tipp für Wanderer: Anti-Blasen-Pflaster mit Breitwegerich

Des Wanderers Freund: Blasenpflaster mit dem Breitwegerich beugen vor.

Die Heilkraft der "Brüder" des Spitzwegerichs, dem Breitwegerich und dem Mittleren Wegerich, ist deutlich weniger belegt. Gesichert ist allerdings, dass der Breitwegerich mit seinen Schleim- und Gerbstoffen Blasen am Fuß vorbeugt. Vorausgesetzt, er wird angewendet, BEVOR sich eine Blase gebildet hat. Wenn Sie also bei einer Wanderung der Schuh drückt, ein großes Breitwegerichblatt leicht anquetschen, so dass Saft austritt und auf die betroffene Stelle legen. Es wirkt kühlend und entzündungshemmend, ein perfektes Blasenpflaster aus der Natur. 

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So einfach und schnell lassen sich Juckreiz und Schwellungen von Insektenstichen mildern - das hat die Oma schon so gemacht.Gepostet von BAYERN 1 am Dienstag, 30. Juni 2020

Wann Spitzwegerich sammeln?

Da die jungen Spitzwegerichblätter die meisten Wirkstoffe enthalten, bietet sich das Frühjahr als "Erntezeit" an. Aber der Wegerich treibt wieder neu aus, sobald seine Wiese abgemäht ist - deshalb können Sie bis in den September hinein sammeln. Je weicher die Blätter sind, desto besser;  zerfressene, befallene Exemplare nicht verwenden.  

Kann man Spitzwegerich trocknen?

Kann man, aber BAYERN 1 Pflanzenexpertin Karin Greiner rät davon ab: "Trocknen ist schwierig und muss schnell passieren - und meist gehen zu viele Inhaltsstoffe verloren." Generell sollte man den Spitzwegerich nicht erhitzen, denn "dabei bringt man sich um die volle Heilkraft." Statt Tee also besser sogenannte Kaltauszüge machen. Wie etwa den folgenden Hustensaft. 

Selber machen: Spitzwegerich-Oxymel gegen Husten 

Um einer Erkältung vorzubeugen, aber auch als wirksames Hustenmittel im Akutfall empfiehlt BAYERN 1 Pflanzenexpertin Karin Greiner ein sogenanntes Spitzwegerich-Oxymel.

Was ist ein Oxymel?

Ein Oxymel ist eine Honig-Essig-Mischung mit stärkender und heilender Wirkung, die schon in der Antike verwendet worden ist. Je nach Zusatz ergeben sich weitere heilkräftige Wirkungen. 

Für das Oxymel, oft auch "Sauerhonig" genannt, benötigen Sie Honig und Essig im Verhältnis 3:1 gemischt. Am besten verwenden Sie dabei einen guten, naturtrüben Apfelessig und einen flüssigen Blütenhonig, rät Frau Greiner. Beides in einem Glas gut verschütteln, bis sich der Honig ganz aufgelöst hat.  

Honig, Essig, Spitzwegerich - zusammen ergeben sie einen wirksamen Hustensaft.

Für ein 200 ml-Glas Oxymel geben Sie dazu zirka 2 EL frisch gesammelte Spitzwegerichblätter - quer zur Faser in Streifen geschnitten.  

Das Ganze sollte ein bis zwei Wochen durchziehen und dunkel und kühl gelagert werden. Wer ganz sicher gehen will, stellt das Glas in den Kühlschrank. Die Blätter können im Oxymel bleiben - es sei denn, sie stören Ihr Mundgefühl. Die Haltbarkeit beträgt in etwa ein Jahr. 

Zur Vorbeugung gegen Erkältung nehmen Sie über drei bis vier Wochen hinweg täglich einen Teelöffel des Spitzwegerich-Oxymels zu sich. Bei akutem (Reiz-)Husten bringen zwei bis drei TL täglich rasch Linderung. 

Spitzwegerich-Oxymel für Limonade und Salatdressing verwenden

Eine gesunde Abwechslung bringt das Spitzwegerich-Oxymel auch in die Küche: Mit etwas Saft oder Wasser sowie Salz und Pfeffer lässt sich daraus schnell ein süß-saures Salatdressing herstellen.

Mit Mineralwasser aufgefüllt erhalten Sie einen gesunden Switchel - eine frische, kühlende Sommerlimonade. Der ist optimal etwa nach Sport oder anstrengenden Gartenarbeiten in der Sommerhitze, weil er durch den Essiganteil kühlend wirkt und dem Körper wichtige Mineralstoffe zurückgibt, die durchs Schwitzen verloren gegangen sind.

Mehr Garten-Tipps von Karin Greiner

Viele gute Ideen für Balkon & Garten, dazu Tipps für Zimmerpflanzen, und den Haus- und Ziergarten rund ums Jahr gibt unsere Garten-Expertin Karin Greiner jeden Samstag um 13.15 Uhr im Samstagmittag bei BAYERN 1.

Wie Sie Ihre eigene Hausapotheke komplett selber machen können, erklärt unsere Fachfrau in ihrem neuen Buch "Meine Wildpflanzen-Apotheke". Erschienen im Ulmer Verlag für 16,95 Euro.

Sie mögen sauer? Dann haben wir hier noch einen Tipp für Sie - von BAYERN 1 Sternekoch Alexander Herrmann: Rezept für Zitronenlimonade


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