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Marienkäfer Warum gibt es im Herbst so viele Marienkäfer?

Im Herbst sitzen dutzende Marienkäfer an den Hauswänden oder flattern durch offene Fenster. Wonach suchen die kleinen Glücksbringer eigentlich? Und was können Sie für den Käfer tun?

Stand: 16.10.2019

Marienkäfer purzelt von Blatt | Bild: mauritius-images

Auch wenn die Marienkäfer manchmal durch offene Fenster fliegen, suchen sie in der Wohnung eigentlich gar keinen Platz für den Winterschlaf, sie haben sich nur verirrt. Laut Bund Naturschutz ist die dauernde Wärme und Heizungsluft nicht ideal für Marienkäfer, denn dann fallen sie eben nicht in die Winterstarre. Sie brauchen mehr Energie als normal, finden aber in den Wohnungen zu wenig Nahrung. Deshalb ist es wichtig, dass Sie einen Marienkäfer wieder der Kälte aussetzen, damit dieser seinen Rhythmus wieder findet.

Halten Marienkäfer Winterschlaf?

Marienkäfer verbringen die kalte Jahreszeit am liebsten in Hohlräumen, wie Mauerritzen, Astlöchern oder Dachsparren, unter Steinen, Rinden, Laub oder im Moos. Im passenden Versteck fallen sie in eine Winterstarre.

"Die Tiere fahren den Stoffwechsel nahezu auf Null herunter und zehren von den Reserven, die sie sich angefressen haben. Als wechselwarme Tiere verbrauchen sie zur kalten Jahreszeit kaum Energie, denn ihre Körpertemperatur entspricht der Umgebungstemperatur - bei Minusgraden frieren sie durch."

Andreas Fleischmann, Botanische Sammlung München

Durch Frostschutzmittel im Blut gefrieren die Käfer allerdings nicht. In ihrem Winterversteck sind die Marienkäfer nie alleine, sie sammeln sich im Herbst an einem gemeinsamen Ort und wärmen sich während des Winters gegenseitig.

Wieviele Punkte hat ein Marienkäfer?

Wussten Sie, dass die Anzahl der Punkte auf dem Marienkäferpanzer nicht dessen Alter anzeigen? An den Punkten kann man nur erkennen, zu welcher Art der Marienkäfer gehört.

"Alleine in Europa leben ca. 250 verschiedene Marienkäfer-Arten. Einige davon werden mehrere Monate alt, von eingen Arten gibt es mehrere Generationen pro Jahr, die dann auch überwintern."

Andreas Fleischmann, Botanische Sammlung München

So müssen sich viele Marienkäfer im Herbst auf die Suche nach einem geeigneten Winterquartier begeben. Bevor sie das tun, kann man die roten Käfer zu großen Scharen an Hauswänden sitzen sehen. Dabei handelt es sich meist um den aus Asien stammenden Harlekin-Marienkäfer Harmonia axyridis. Diese Art kann hellorange bis dunkelrot werden und hat deutlich mehr Punkte als beispielsweise der heimische Siebenpunkt-Marienkäfer. Er ist der bekannteste Marienkäfer in Deutschland und wird von Biologen Coccinella septempunctata genannt.

Der asiatische Harlekin-Marienkäfer frisst die Laven der heimischen Marienkäfer und wird deshalb immer mehr zum Problem.

Der Harlekin wurde anfangs im gewerbsmäßigen Gartenbau gezielt zur biologischen Schädlingsbekämpfung in Gewächshäusern eingesetzt. Vor ein paar Jahren gelangte er dann in die freie Natur und da sich der Harlekin-Marienkäfer sehr schnell vermehrt, ist er an manchen Orten sogar häufiger zu entdecken, als der heimische Marienkäfer. Das Problem: Der Harlekin frisst nicht nur Blattläuse, sondern auch die Larven der heimischen Marienkäfer und Schwebfliegen. Zusätzlich bringt er Parasiten mit, gegen die unsere heimischen Käfer nicht gewappnet sind, erklärt Andreas Fleischmann aus der Botanische Sammlung München.

Marienkäferpipi?

Grundsätzlich sind Marienkäfer nicht gefährlich, weder für Menschen noch für Ihre Einrichtung. Ganz im Gegenteil: Die Käfer ernähren sich von Blattläusen und gelten deshalb als Nützlinge. Trotzdem sind zu viele Marienkäfer eher lästig. Die Käfer sondern nämlich gelbliche Flüssigkeit ab, wenn sie sich bedroht fühlen. Biologen nennen diesen Vorgang „Reflexbluten". Das Sekret ist kein Marienkäferpipi, es ist ein Abwehrmechanismus gegen Fressfeine. Es schmeckt sehr bitter. Deshalb werden sie dann von Vögeln nicht gefressen, erklärt Fleischmann. Die Flüssigkeit wird aus den Gelenken der Laufbeine abgesondert und riecht äußerst unangenehm. Wer also Marienkäfer in der Wohnung hat, der sollte versuchen, sie friedlich wieder loszuwerden.

Marienkäfer in der Wohnung

Ein ganz einfaches Mittel sind Fliegenschutzgitter. Sie können aber auch Lorbeerblätter, Vanillestangen oder Lavendelöl auf Ihre Fensterbank legen. Marienkäfer mögen all diese Gerüche nicht und bleiben ihnen deshalb fern.

Verirrte Marienkäfer einfach einsammeln und ins Freie setzen.

Wenn die Käfer schon in der Wohnung sind, dann können Sie diese vorsichtig mit einem Handfeger einsammeln und draußen wieder aussetzen. Bei größeren Ansammlungen hilft der sogenannte Sockentrick: Nehmen Sie eine alte Socke und stülpen Sie diese über das Staubsaugerrohr. Der Rest der Socke wird locker in die Öffnung geschoben. Saugen Sie so alle Käfer auf der niedrigsten Stufe ein. Nun können Sie die Socke abziehen und die Marienkäfer im Garten aus der Socke befreien.

Sie können den Marienkäfern auch in Ihrem Garten Überwinterungsplätze anbieten. Dafür eignen sich Laubhaufen und Totholzecken. Fleischmann weist darauf hin, dass man das ganze Jahr über dem heimischen Marienkäfer unterstützen kann:

"Schaffen Sie artenreiche Lebensräume im eigenen Garten. Verwenden Sie keine Gifte gegen Blattläuse, denn ohne Blattläuse gibt es keine Marienkäfer, Schwebfliegen und andere Blattlausfresser."

Andreas Fleischmann, Botanische Sammlung München

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Wonach sucht der Marienkäfer in meiner Wohnung?Haben Sie sich auch schon gefragt, warum jetzt im Herbst so viele Marienkäfer unterwegs sind? 🐞Gepostet von BAYERN 1 am Donnerstag, 17. Oktober 2019


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