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Lesen Warum uns Lesen glücklich macht

Bücher lesen macht nicht nur schlau, sondern vor allem glücklich: Fünf gute Gründe, immer genug Lesestoff parat zu haben.

Stand: 27.08.2019

Frau liest Buch | Bild: mauritius-images

Lesen lässt uns besser (ein)schlafen

In einer Studie der Universität von Liverpool zu den Auswirkungen von Lesen auf das Wohlbefinden von Menschen gaben 43 Prozent der Probanden an, nach dem Lesen besser schlafen zu können. Für den Psychologen Rolf Schmiel nicht verwunderlich, denn "wer fernsieht, hält sich ja wach – die Strahlung des Lichts vermindert unsere Einschlaffähigkeit."

Anders beim Lesen: "Dadurch, dass ich dabei ja etwas mache - aber in einem ruhigen Umfeld – komme ich zur Ruhe. Die Anstrengung lässt langsam die Augen schwer werden, was wiederum für den Körper und die Psyche das Signal ist, zu schlafen." Für Schmiel ist Lesen im Bett "ein Klassiker der Einschlafhilfe".

Lesen versetzt uns in einen "Flow"

Viele von uns kennen das Gefühl, wenn man ein gutes Buch gefunden hat: Schon nach ein paar Seiten taucht man ab in eine Parallelwelt, vergisst Raum und Zeit - und landet erst Stunden später wieder in der Realität. Mit einem wohligen Gefühl von Zufriedenheit. Zurück aus dem Flow-Zustand, der immer dann eintritt, wenn, wie Psychologe Rolf Schmiel es formuliert "ich etwas tue, was perfekt auf meiner Fähigkeitskurve reitet – mich nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert." Ist eine Geschichte also zu "billig", wird sie keinen Flow-Effekt hervorrufen, genau so wenig wie die so genannte "Hochliteratur", die einem früher oft aufgezwungen wurde.

"Lesen muss Spaß machen"

"Lesen muss Spaß machen", sagt der Psychologe und rät daher dazu, "Bücher zu Themen zu lesen, die mich interessieren und emotionalisieren – ohne mich verstört zurück zu lassen". Ähnlich wie Sport ist Lesen mit einer gewissen Anstrengung verbunden. Die wiederum einen wunderbaren Effekt hat, wie Schmiel beschreibt:

"Wenn wir es tun und dabei eine positive Erfahrung machen, hat das eine starke Glückswirkung – körpereigene Hormone werden ausgeschüttet und wir fühlen uns gut."

Psychologe Rolf Schmiel

Lesen befriedigt unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Ob allein oder in Gesellschaft: Wer liest, fühlt sich nicht allein.

Wir Menschen sind soziale Wesen, wir brauchen emotionale Nestwärme - die Sicherheit, zu einer Gruppe zu gehören - um uns gut zu fühlen. Wenn wir ein Buch lesen, das uns interessiert oder fesselt, fühlen wir uns der Geschichte emotional verbunden – und auch, wenn Handlung und Personen nur fiktiv sind, so ist ihre Wirkung real. Das hat eine Studie von Shira Gabriel und Ariana Young von der amerikanischen University at Buffalo gezeigt, die sich mit den psychologischen Auswirkungen von Geschichten auf Menschen beschäftigt hat. Die Probanden bekamen Textpassagen aus der "Harry Potter"- und "Twilight"-Reihe zu lesen und wurden danach getestet. Ergebnis: Je mehr die Teilnehmer sich in die Geschichten hineingezogen fühlten, je stärker also das Zugehörigkeitsgefühl zum Kreis der fiktiven Figuren, desto positiver die Auswirkung auf ihre reale Lebenszufriedenheit und ihre Grundstimmung. Sie fühlten sich wohl und ausgeglichen.

Lesen macht uns empathischer

Zumindest theoretisch. Fakt ist, dass regelmäßige Leser in Tests, bei denen es um Empathie geht, signifikant besser abschneiden. Ob diese Menschen sich dann auch tatsächlich in Alltagssituationen mehr in ihre Mitmenschen einfühlen, ist damit zwar nicht gesagt, schränkt Psychologe Schmiel ein. Was man aber sagen kann: Wer regelmäßig liest, wird empathischer – weil er sich häufiger mit Situationen, Bedürfnissen, Konflikten und inneren Herausforderungen anderer Menschen beschäftigt und daher schnell Ähnlichkeiten und Strukturen bei seinen Mitmenschen erkennt. Oder kurz gesagt: Wer viel liest, versteht Menschen einfach besser. Und: Wer viel liest, hat ein weiteres Spektrum von Lebenswelten als derjenige, der sich einfach nur mit seinem Alltag beschäftigt.

Lesen entspannt uns – besser als Fernsehen

Mit Buch (und Hund) zur perfekten Entspannung :-)

Während wir beim Fernsehen meist eine passive Rolle einnehmen, sind wir beim Lesen geistig und emotional gefordert. Wir tauchen ab in eine andere Welt, verbinden uns emotional mit fiktiven Charakteren und vergessen dabei völlig unsere realen Sorgen und Zwänge. "Das ist das, was guter Literatur tatsächlich gelingt", sagt Rolf Schmiel, "sie führt uns zu diesem Alphazustand, zu diesem Zustand der perfekten Entspannung." Beim Fernsehen oder Surfen sind wir hingegen häufig abgelenkt, kommen erst gar nicht in diesem tranceähnlichen Zustand.

Lesen hilft gegen depressive Gefühle

Die Studie der Universität von Liverpool lieferte noch ein weiteres interessantes Ergebnis: Unter den Nicht-Lesern waren depressive Verstimmungen deutlich häufiger anzutreffen als unter den Lesern. Und jeder fünfte Leser gab an, dass ihm regelmäßiges Lesen dabei helfen würde, sich weniger einsam zu fühlen. Psychologe Schmiel bestätigt:

"Lesen hilft bei depressiven Verstimmungen, um wieder aus dem Loch zu heraus zu kommen. Durch die Geschichten bekomme ich ein Zugehörigkeitsmoment – das schafft Trost und stabilisiert die Psyche."

Psychologe Rolf Schmiel

Zudem lässt Lesen uns alte, vergessene oder unterdrückte Gefühle und Erfahrungen wiederentdecken und neue entdecken – und hilft uns damit dabei, unseren Lebenssinn und Platz in der Welt wiederzufinden.

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Warum uns Lesen glücklich macht - Gute Nachrichten für alle Leseratten da draußen: Lesen macht nicht nur glücklich, es macht uns auch zu besseren Menschen.
Was die Wissenschaft dazu sagt: https://www.br.de/radio/bayern1/lesen102.htmlGepostet von BAYERN 1 am Samstag, 19. Januar 2019

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Haben Sie genug Lesestoff für Ihre tägliche Dosis Glücksgefühl? Unsere Moderatorin Ulla Müller liest sich regelmäßig querbeet durch Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt - abseits von Bestseller-Listen und stellt ihre Vorschläge für Gute Bücher hier vor:


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