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Lakritz - Blutdruck Ab dieser Menge kann Lakritz ungesund sein

"Enthält Süßholz", "Erwachsenenlakritz" oder "kein Kinderlakritz" - diese Hinweise finden sich häufig auf salzigem Lakritz. Was das genau bedeutet und warum auch bei Lakritz die tägliche Dosis enorm wichtig ist.

Stand: 18.02.2020 | Archiv

Buntes Lakritzkonfekt liegt in einer Schüssel auf einem Holztisch. | Bild: mauritius images

Die gute Nachricht: Gegen gelegentliches Naschen von ein wenig Lakritz spricht nichts. Doch die Süßigkeit ist nicht ganz ohne. In Lakritze sind drei Prozent oder mehr Süßholz enthalten. Genauer gesagt: Extrakt aus der Wurzel des Süßholzstrauches. Das macht den typischen Lakritzgeschmack aus. Süßholz schmeckt nicht nur 50 mal süßer als Haushaltszucker, es enthält auch Glyzyrrhizin. Dieser Stoff kann ab einer gewissen Dosis den Wasser- und Mineralstoffhaushalt unseres Körpers so stark durcheinanderbringen, dass unser Blutdruck steigt. Es können auch Wassereinlagerungen im Gewebe, also Ödeme, und Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen auftreten. Damit so eine sogenannte "Lakritzintoxikation" auftritt, muss man eine Menge Lakritz essen mit einem hohen Gehalt an Glyzyrrhizin.

Noch ein weiterer Stoff in manchen Lakritz-Süßigkeiten ist problematisch: Salziges Lakritz enthält meist größere Mengen Salmiak, also Ammoniumchlorid. Das kann bei regelmäßigem und hohem Konsum von salzigem Lakritz dazu führen, dass der Säure-Basen-Haushalt im Körper durcheinanderkommt.

Lakritz und Blutdruck: Woran erkenne ich Erwachsenenlakritz

Wegen der bekannten Gesundheitsgefahren vor allem für Menschen, die an Bluthochdruck leiden, bei einem Zuviel an Süßholz und/oder Salmiak, muss Lakritz in Deutschland gekennzeichnet sein.

"Liegt der Gehalt unter 0,2 g/100 g Fertigerzeugnis, wird das Produkt als 'Lakritz' bezeichnet (hierunter fallen die Kinderlakritze). Bei einem Glyzyrrhizingehalt von mehr als 0,2 g/100 g müssen die Lakritzwaren als 'Starklakritz' gekennzeichnet werden. Bei salzigen Lakritzen aus deutscher Herstellung ist ein Zusatz von Salmiaksalz von maximal 2 % erlaubt."

Bundesverband der Süßwarenindustrie

Salzlakritz enthält oft viel Salmiak und Glyzyrrhizin.

Doch wie weiß der Verbraucher, welche Lakritzsorte wie viel Glyzyrrhizin enthält? Der genaue Gehalt des Stoffs muss nicht auf der Packung deklariert sein, aber ab einem Gehalt von 0,1 g/100 g muss Süßholz entweder in der Zutatenliste zu finden oder der Hinweis "Enthält Süßholz" aufgedruckt sein. Ist mehr als 0,4 g/100 g Glyzyrrhizin in der Lakritze, muss sogar ein expliziter Warnhinweis vorhanden sein: "Enthält Süßholz — bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden". Steht dieser Hinweis auf einer Packung, handelt es sich um Starklakritz.

Und dann gibt es noch die Lakritzimporte aus Ländern wie Holland oder Dänemark. Sie können bis zu 7,99 Prozent Salmiaksalz enthalten und müssen deswegen den Hinweis "Erwachsenenlakritz" oder "Kein Kinderlakritz" tragen. Bei besonders hohen Werten steht auch noch "Extra stark" auf der Packung.

So viel Lakritz gilt als sicher

Das Bundesinstitut für Risikobewertung und der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission empfehlen, nicht mehr als 100 Milligramm Glyzyrrhizin pro Tag zu sich zunehmen. Das hieße, dass man möglichst weniger als 50 g Erwachsenenlakritz oder weniger als 100 g Kinderlakritz pro Tag naschen sollte, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Auch Tees mit Süßholz-Warnhinweis besser nicht kannenweise trinken.

Süßholz ist eigentlich gesund

Die Süßholzwurzel sorgt für den typischen Geschmack von Lakritz.

Die Dosis macht auch bei Lakritz das Gift: Eigentlich ist die Süßholzpflanze eine Arzneipflanze. Süßholzwurzelextrakt wird schon seit der Antike als Heilmittel eingesetzt und zwar bei krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich oder bei Atemwegserkrankungen. Außerdem scheint Süßholz als Heilmittel gegen Hepatitis wirksam zu sein und gilt als Hustenlöser. Aus diesem Grund gibt es auch einige Arzneitees, die Süßholz enthalten. Hier sollten Sie unbedingt die Dosieranleitung beachten.

Wer besser kein oder nur wenig Lakritz essen sollte - besonders das mit Warnhinweis

Menschen mit erhöhtem Blutdruck, mit Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes sowie Menschen, die blutverdünnende Mittel nehmen müssen, sollten bei Lakritz generell vorsichtig sein. Kinder sollten auf keinen Fall Erwachsenenlakritz essen, nur Kinderlakritz und das auch in Maßen.

Lakritz und Libido: Weniger Sex nach viel Lakritz

Männer, die viel Lakritz naschen, haben weniger Lust auf Sex. Das bestätigen verschiedene Studien. Glyzyrrhizin senkt den Testosteronspiegel nachweislich und kann bei Männern dazu führen, dass die Libido sinkt. Trost für alle Männer: Der Effekt ist reversibel - keine Lakritze mehr naschen und alles ist beim Alten.

Lakritz in der Schwangerschaft

Bei Schwangeren kann der Verzehr von viel Lakritz dazu führen, dass es zu einem niedrigeren Geburtsgewicht oder einer Frühgeburt kommt. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Embyro zu viel Cortisol von der Mutter aufnimmt. Eine finnische Studie von Katri Räikkönen an der Universität Helsinki beweist, dass das Glycyrrhizin der Süßholzwurzel die Wirkung des mütterlichen Cortisols verstärkt. Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft mehr als 100 Gramm Lakritz pro Woche gegessen hatten, entwickelten später zum Beispiel häufiger ADHS oder hatten Probleme mit dem Gedächtnis. Für die Studie wurden 378 Versuchspersonen untersucht. Auch in Finnland gilt Lakritz für Schwangere als "nicht empfehlenswert".


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