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Haltbarkeit abgelaufen Was muss ich bei alten Medikamenten beachten?

Der Medizinschrank ist voll, aber die Hälfte der Medikamente schlummert dort friedlich seit Jahren. Ob Sie die Arzneimittel noch gebrauchen können, wie die Entsorgung läuft und, ob Sie alte Pillen spenden können.

Von: Marc Strucken

Stand: 20.03.2017

Verschiedene Arzneimittel auf einem Haufen | Bild: mauritius-images

Das auf der Verpackung eines Medikaments gedruckte Datum ist zu allererst kein Mindesthaltbarkeits-Datum - wie auf dem Joghurt - sondern ein Verfall-Datum - die Haltbarkeit läuft zu diesem Termin ab. Zumindest übernimmt der Hersteller ab diesem Zeitpunkt keine Verantwortung für unsere Gesundheit.

Medikamente auf Konsistenz prüfen

Grundsätzlich geht es bei der Haltbarkeit um die Stabilität der Wirkstoffe. Untrügliche Zeichen dafür, dass eine Medizin "umgekippt" ist: Tabletten sind rissig, Flüssigkeiten trüb, Salben haben sich in getrennt oder riechen ranzig. Darüber hinaus können sich Medikamente auch unbemerkt verändern.

Dr. Peter Sandmann, selbst Apotheker und Sprecher der Bayerischen Landesapothekenkammer, nennt das Beispiel Aspirin. "Der Wirkstoff zerfällt in seine Bestandteile und wird deutlich weniger wirksam - aber auch weniger verträglich". Gefährlicher: "Bei starken Schmerzmitteln oder Antibiotika wird es völlig unkalkulierbar, wie sie nach dem Verfallsdatum wirken", so Sandmann. In manchen Hustensäften können sich sogar krebserregende Abbauprodukte bilden.

Zu lange geöffnete Medizin kann der Gesundheit schaden

Nicht optimal: Im Badezimmer ist es meist feucht und warm - Wirkstoffe zerfallen hier noch schneller.

Das Verwendbarkeitsdatum gilt nur für verschlossene Packungen. Sobald etwa Flaschen, Tuben oder Tropfbehälter offen waren, gilt die Aufbrauchfrist, z. B.: "nach Anbruch 6 Wochen verwendbar". Keime oder Schimmel können sich im Behälter breit machen. "Hier halte ich mich", erklärt Apotheker Sandmann, "immer und grundsätzlich an die Frist". Tipp: Auf der Packung das Datum der ersten Einnahme notieren.

Auch Verbandsmaterial und andere Medzinprodukte haben so ein "Ablaufdatum". Bei Bandagen wird im schlimmsten Fall das Gummi porös. Bei Pflasterauflagen beispielsweise können aber auch Keime eindringen - ein Infektion der Wunde wäre eine mögliche Gefahr für die Gesundheit. Daher muss auch der Inhalt des Verbandskasten im Auto regelmäßig erneuert werden.

Arzneimittel immer kühl, trocken und dunkel lagern

Für die Lagerung von Medikamenten ist der Badezimmerschrank der wohl schlechteste Ort: Die meisten Arzneimittel mögen es nicht in einer feucht-warmen Umgebung auf ihren Einsatz zu warten. So ist in den tropischen Ländern die angegebene Haltbarkeit von Medizin oft viel kürzer als in nördlichen Breiten. Dr. Sandmann rät, Präparate besser in der Küche oder trockenen Kellerräumen aufzubewahren - und immer dunkel.

Entsorgung von Medikamenten

Solche Mengen an abgelaufenen Medikamenten am besten direkt auf den Recyclinghof bringen.

Ein guter Rat ist, einmal im Jahr den Medizinschrank zuhause auszumisten. Haben Sie nun ein paar Altlasten entdeckt, gehören die zwar entsorgt, aber definitiv nicht in die Toilette oder das Waschbecken. Entweder Sie fragen zunächst in Ihrer Apotheke, wie ein Medikament am besten entsorgt wird. Die Website www.arzneimittelentsorgung.de zeigt, wie es der Entsorger in Ihrer Gemeinde handhabt. Abgelaufenes Verbandsmaterial, gebrauchte Pflaster und Bandagen können Sie über den Restmüll entsorgen. Aber bitte in einer verschnürten Tüte oder Ähnlichem - zum Schutz Anderer!

Arzneimittel spenden?

Abgelaufene oder nur überzählige Medikamente zu spenden, ist nicht möglich. Hier rät Apotheker Sandmann und die "Apotheker ohne Grenzen" dazu, lieber den Hilfsorganisationen Geld zu spenden. Zudem nimmt kaum eine offiziell anerkannte Organsation Arzneimittelspenden an.

Das hat auch wieder mit der Lagerung zu tun: Niemand wisse, wie ein Mittel gelagert wurde, daher wäre eine Weitergabe unverantwortlich, so Sandmann. Und Apotheker ohne Grenzen gibt zu bedenken, dass oft unklar sei, welche Medizin gerade vor Ort gebraucht werde. Am Ende läuft dann doch die Haltbarkeit ab, ohne dass das Mittel irgendjemand geholfen hätte.


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Max Morigl, Mittwoch, 22.März 2017, 07:26 Uhr

1. Medikamenten-Entsorgung

In jüngerer Vergangenheit waren Apotheken verpflichtet, abgelaufene oder nicht mehr benötigte Arzneimittel zurück zu nehmen. Die Belastung des Hausmülls und des Brauchwassers mit Chemikalien aus diesen Abfällen sollte dadurch reduziert werden. Diese Regelung wurde zwischenzeitlich wieder aufgehoben. Warum eigentlich? MfG Morigl

Marc: Vielen Dank für Ihre Frage. Mein Interviewpartner von der Landesapothekerkammer konnte nur für den LK München sprechen. Hier hat sich der Spezialentsorger aus dem Dienst zurückgezogen, so dass die Apotheken wiederum auch die Medikamente in den Restmüll entsorgen müssen. Daher ist eigentlich am besten, problematische Arzneien zum Wertstoffhof zu bringen; Aspirin, Hustensaft und andere schwache Medikamente können in den Restmüll. Dieser wird ohnehin Grundwasser neutral verbrannt. Genaue Infos zur Situation bei Ihnen vor Ort unter www.arzneimittelentsorgung.de Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von Max Morigl, Mittwoch, 22.März, 10:15 Uhr

    @ Herrn Marc Strucken und der Redaktion.
    Vielen Dank für Ihre Recherche und Rückantwort. MfG Max Morigl