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Fleisch kaufen Gute Gründe, Fleisch beim Metzger zu kaufen

Fleisch kaufen ist Vertrauenssache. Warum Sie Ihr Fleisch beim Metzger, auf dem Wochenmarkt, im Hofladen oder im Biomarkt kaufen sollten.

Stand: 13.02.2020 16:36 Uhr | Archiv

Mann trägt Holzbrett mit gebratenem Fleisch | Bild: mauritius images

Wer essen mehr Fleisch als gut für uns ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 300 bis maximal 600 Gramm Fleisch pro Woche. Tatsächlich essen wir doppelt so viel: Männer im Schnitt über 1.000 Gramm Fleisch und Wurst, Frauen immerhin noch 600 Gramm pro Woche. Das macht rund 60 Kilo im Jahr pro Kopf.

Wer weniger Fleisch isst, tut nicht nur etwas für die eigene Gesundheit, sondern langfristig auch für die Umwelt: "Die Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima sind immens. Nahezu 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen", so die Naturschutzorganisation WWF.

Fleisch beim Metzger oder im Biomarkt kaufen - und wissen, dass es den Tieren gut ging

In der Metzgerei kann man nachfragen, woher das Tier stammt, dessen Fleisch man kauft.

Zwei Drittel der Verbraucher empfinden Tierschutz heute als wichtig, das ergab eine Studie der Uni Göttingen, für die 2016 über 1.000 Verbraucher befragt wurden. 80 Prozent der Befragten würden sogar mehr zahlen für tiergerechtere Lebensmittel. Bei der Studie wurde auch klar: Die Hälfte der Verbraucher weiß gar nicht, woran Fleisch aus artgerechter Haltung überhaupt zu erkennen ist.

Wer beim Metzger, auf dem Wochenmarkt, im Hofladen oder im Biomarkt an der Fleischtheke sein Fleisch kauft, kann und sollte auch nachfragen, woher das Fleisch genau stammt. Mit diesen Informationen kann man sich Verbraucher entscheiden, welches Fleisch man kaufen will. Stammt das Fleisch von Bauernhöfen der Region, hat man als Kunde die Möglichkeit, den Bauernhof selbst zu besuchen.

Auch bei den Metzgern hat sich einiges verändert - nur noch rund ein Drittel - 1.000 von rund 3.160 Betrieben - schlachten selbst. Und es gibt auch Metzger, die ihr Fleisch über den Großhandel beziehen - und da ist es nicht auszuschließen, dass die Tiere aus Massentierhaltung stammen. Fragen Sie nach, woher das Fleisch stammt und wie die Tiere gehalten wurden. Ein guter Metzger gibt gern darüber Auskunft, woher sein Fleisch stammt.

Fleisch aus Weidehaltung gibt es oft in Hofläden.

Wenn Sie Fleisch von Tieren kaufen wollen, die nachweislich die meiste Zeit auf einer Weide und nicht im Stall gestanden haben, hilft der Tipp der Verbraucherzentrale: "Wenn 'Weidefleisch' auf den Tisch kommen soll, können Sie beispielsweise nach regionalen Anbietern suchen. Es gibt Erzeuger, die Fleisch aus eigener Weidehaltung direkt ab Hof, auf Wochenmärkten oder regional in Supermärkten verkaufen." Auch Rinder, die auf Bio-Höfen gehalten werden, müssen laut EU-Öko-Verordnung immer Zugang zu Weideland haben.

Nur Rindfleisch muss gekennzeichnet sein - beim Metzger kann man nachfragen

Bei Rindfleisch muss die Herkunft des Fleisches klar angegeben werden. Diese Regeln für die Kennzeichnung waren die Lehre, die man aus der Tierseuche BSE gezogen hat. Allerdings muss auch Rindfleisch nicht gekennzeichnet sein, wenn es in irgendeiner Wiese verarbeitet ist - zum Beispiel mariniert als Grillfleisch. Bei Schweinefleisch und Geflügel muss nicht ausgewiesen sein, woher das Fleisch kommt. Aber beim Metzger können wir jederzeit nachfragen.

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Warum es ganz klare Vorteile hat, sein Fleisch beim Metzger oder auf dem Wochenmarkt zu kaufen. Denn viele Verbraucher haben sich ja vorgenommen: wenn Fleisch, dann gutes Fleisch.Gepostet von BAYERN 1 am Montag, 17. Februar 2020

Ein weiterer Vorteil, wenn wir beim Fachhandel einkaufen: Der Metzger besitzt Fachwissen. Zum Beispiel, darüber, welches Fleisch sich für welche Zubereitung eignet, wie man es am besten gart oder, wie lange man Fleisch lagern kann. "Die Produkte beim Handwerksmetzger sind keine genormte Massenware, sondern werden oft nach traditionellen Rezepturen oder Verfahren hergestellt, die ein ganz besonderes Genusserlebnis bieten“, so Landesinnungsmeister Konrad Ammon, Metzgermeister aus Fürth.

Fleisch aus dem Supermarkt: Vorwiegend kritische Haltungsformen

Wer sein Fleisch im Discounter oder im Supermarkt kauft, sollte sich bewusst sein, dass dieses Fleisch zum größten Teil aus einer Tierhaltung stammt, die nur die gesetzlichen Mindeststandards einhält. Das hat die Umweltschutzorganisation Greenpaece im Januar 2020 herausgefunden: "Im Schnitt 88 Prozent des Frischfleischs der Supermarkt-Eigenmarken stammt von Tieren, die qualvoll und häufig tierschutzwidrig gehalten wurden – im Handel erkennbar an der Kennzeichnung Haltungsform 1 oder Haltungsform 2", so Greenpaece.

Die Organisation hatte diese Supermarktketten und Discounter befragt: Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny, Rewe und Real. Hintergrund: Im April 2019 wurde die Haltungsform als freiwillige Kennzeichung vom Handel eingeführt. Haltungsform 1 bedeutet die schlechteste Haltungsform - die reine Stallhaltung, Haltungsform 4 - Premium - ist nach einer Bestandsaufnahme der Verbraucherzentralen in Supermärkten und Discountern kaum zu finden.

Fleisch aus Übersee kaufen

Immer mehr Menschen machen sich Gedanken darüber, wie sich ihr Konsum auf die eigene Öko-Bilanz auswirkt. Tierhaltung belastet die Umwelt - allerdings unterschiedlich stark: "So verursacht die Produktion von Fleisch von Wiederkäuern wie Rind, Schaf und Ziege deutlich höhere Emissionen als Geflügel- und Schweinefleisch", so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Wie viel Fleisch verträgt sich mit dem eigenen Gewissen? Die Umweltschutzorganisation WWF hat durchgerechnet und schreibt: "Unter Beachtung der ökologischen Grenzen unseres Planeten sollten es nicht mehr als 350 g pro Person und Woche sein."

Fleisch aus Übersee zu kaufen - davon rät der WWF aus Umweltschutzgründen ab. Mehr dazu gibt es hier: Wie umweltfreundlich ist importiertes Fleisch?

Billigfleisch aus Massentierhaltung: Kleinere Betriebe sind nicht wettbewerbsfähig

Unsere Art des Fleischkonsums und die Art, was und wo wir einkaufen, bestimmt darüber, ob Handwerksbetriebe wie die Metzgerei um die Ecke morgen noch Bestand haben. Oder ob auch der Handel mit Fleisch immer mehr zur Sache der Großkonzerne wird.

Wir als Verbraucher haben es auch in der Hand, ob es morgen auch noch Landwirte mit kleineren Höfen geben wird. Die Alternative: Industrielle Landwirtschaft wie in den USA mit großen Betrieben könnten sich auch in Bayern immer mehr ausbreiten.

Viele Kunden machen sich heute Gedanken über ihre Art des Konsums, das spüren auch die Metzger. Die Kunden wollen wissen, woher ihr Fleisch stammt. "Nachfragen zur Aufzucht, Fütterung, Haltung und Rasse werden hierbei häufiger. Viele alte Rassen können durch diesen Trend erhalten werden, da sich die Kunden vermehrt für dieses Qualitätsmerkmal interessieren. Ein Beispiel ist das Mangalitza, das Wollschwein, das es ohne die wirtschaftliche Nutzung nicht mehr geben würde", so der bayerische Fleischerverband.

Weniger Fleisch kaufen - Fleisch und Geld "sparen"

Wenn wir weniger Fleisch kaufen und mehr Gemüse essen, tut das nicht nur unserer Gesundheit gut, sondern auch der Umwelt. So geht Fleisch sparen ganz praktisch: Geschnetzeltes mit viel Gemüse strecken, Hackfleischfüllungen mit Reis oder Kartoffeln mischen, Aufläufe mit viel Gemüse und wenig Fleisch zubereiten.


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