Bayern 1 - Wohlbefinden

Zähneknirschen Was Knirscherschienen bringen

Gegen nächtliches Zähneknirschen verordnet der Zahnarzt oft eine Knirscherschiene, um die Zähne zu schützen. Aber hilft die Schiene auch gegen Kopfschmerzen oder Verspannungen?

Stand: 02.05.2019 | Archiv

Zahnärztin zeigt ihrem Patienten eine Aufbissschiene | Bild: mauritius-images

Wann brauche ich eine Zahnschiene

Wenn wir morgens häufig mit Muskelverspannungen im Gesicht oder Nacken aufwachen, mit Kopf- oder Ohrenschmerzen, könnte es sein, dass wir die Nacht mit Zähneknirschen oder Zähnepressen verbracht haben. Auch, wenn uns das Kiefergelenk morgens oft weh tut, sich wie eingerostet anfühlt oder wir nach dem Aufstehen den Mund nur mühsam öffnen können, könnte das ein Indiz für nächtliches Knirschen sein.

Zähneknirschen oder auch medizinisch "Bruxismus" verursacht nicht nur Schmerzen in Kiefergelenk und Kaumuskulatur, sondern ruiniert vor allem die Zähne des Knirschers. Der hohe Druck durch unsere sehr starke Kaumuskulatur lässt Schleifspuren auf den Zähnen oder Risse im Zahnschmelz entstehen. Im schlimmsten Fall brechen Zähne sogar oder Keramikverblendungen von Kronen platzen ab. Deswegen raten viele Zahnärzte Patienten in solchen Fällen zu einer Zahnschiene. Der Zahnarzt kann anhand der Schleifspuren auf den Zähnen meist sehr klar erkennen, ob sein Patient knirscht oder nicht.

Ursachen des Zähneknirschens

Wir knirschen mit den Zähnen, weil wir dadurch unbewusst Stress bewältigen. Das ist die häufigste Ursache. Auch bestimmte Medikamente, Alkoholgenuss oder eine Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) können Zähneknirschen fördern. Nach Schätzungen der Bundeszahnärztekammer leidet jeder Zehnte unter Zähneknirschen oder Zähnepressen.

"Frauen sind von diesem Krankheitsbild häufiger betroffen als Männer, die am häufigsten betroffene Altersgruppe liegt zwischen 30 und 45 Jahren."

Bundeszahnärztekammer

Aufbissschiene Wirkung

Die Schienen, die auch Okklussions- oder Aufbissschienen genannt werden, schützen in erster Linie die Zähne und entlasten Kiefergelenke sowie die Kaumuskulatur. Im besten Fall können sie das Zähneknirschen reduzieren, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und - therapie (DGFDT): "'Harte Okklusionsschienen mit individualisiertem Aufbiss werden für die Behandlung bei Bruxismus empfohlen, sie können die Intensität des Bruxismus um bis ca. 50 Prozent absenken."

Prof. Dr. Christoph Benz von der Bayerischen Landeärztekammer sieht das kritischer:

"Einmal schützen Sie durch die Schiene Ihre Zähne und der andere Effekt ist, dass sich das Bewegungsmuster Ihres Unterkiefers umstellen kann und Sie weniger bis gar nicht mehr knirschen. Dass das der Haupteffekt ist, kann man aber nicht behaupten."

Prof. Dr. Christoph Benz

In vielen Fällen kann es notwendig sein, die Aufbissschiene immer wieder in Stressphasen zu tragen oder sogar ein Leben lang.

Welche Aufbissschiene hilft am besten

So sieht eine Schiene mit individualisiertem Aufbiss aus.

Welche Schiene am effektivsten ist, darüber gibt es verschiedene Theorien. Am häufigsten wird wohl eine harte Schiene an den Unterkiefer angepasst, die an der Oberseite eingeschliffen ist, also an das eigene Zahnrelief genau angepasst ist. Diese nennt sich "adjustierte Aufbissschiene". Meist sind diese Schienen aus hartem Kunststoff, der auch bei Zahnspangen verwendet wird. Für die Herstellung einer solchen Schiene muss der Zahnarzt zuerst einen Abdruck von Ober- und Unterkiefer nehmen und dann ein Gipsmodell erstellen lassen. Auf dessen Grundlage wird dann die Kunststoffschiene im Dentallabor erstellt und eingeschliffen. Der Zahnarzt passt sie dann nochmals genau dem Patienten an.

Ob eine harte oder weiche Schiene besser hilft, darüber gebe es verschiedene Ansichten und das müsse auch der behandelnde Zahnarzt individuell entscheiden, so Prof. Dr. Christoph Benz.

Sogenannte Miniplastschienen sind als erste Hilfe für die Zähne zu verstehen und sollten nicht länger angewendet werden. Es sind einfache Standardkunststoffüberzüge, die nicht an den Kiefer des Patienten angepasst werden.

Knirscherschiene - wann tragen

"Es ist wichtig, die Schiene regelmäßig nachts zu tragen. Nachts habe ich keine wirkliche Kontrolle über mein Knirschen und deswegen ist die Gefahr am größten, dass ich es tue. Es gibt aber auch Menschen, die so stark knirschen, dass ihnen empfohlen wird, die Schiene auch tagsüber zu tragen."

Prof. Dr. Christoph Benz, Bayerische Landeszahnärztekammer

Menschen, die auch, wenn sie wach sind, heftig knirschen oder die Zähne aufeinander pressen, raten Mediziner zudem oft zur Selbstbeobachtung. Rote Klebepunkte werden auf Schreibtisch, Armbanduhr, Kaffeemaschine oder andere Gegenstände, die häufig im eigenen Blickfeld liegen, geklebt. Jedes Mal, wenn der Patient sie sieht, soll er sich fragen: Knirsche ich gerade mit den Zähnen? Und sich gegebenenfalls zum Lockerlassen zwingen. Auf Dauer soll das dann zu einer Verhaltensänderung führen.

Aufbissschiene reinigen

Nach jedem Tragen sollten Sie die Schiene reinigen - allerdings ohne Bürste und Zahnpasta. "Mit Zahncreme verkratzt man die Oberfläche und hat dann noch mehr Anlagerungen von Bakterien an der Schiene, die für unangenehmen Geruch sorgen können. Auch, wenn es etwas merkwürdig klingt, ist Flüssigseife das beste für die Reinigung. Danach natürlich gut abspülen. Wenn die Schiene im trockenen Zustand streng riecht, muss man sie irgendwann austauschen", sagt Christoph Benz. Gebissreiniger-Tabs seien für die Schiene nicht unbedingt erforderlich.

Knirscherschiene - was zahlt die Krankenkasse

Das Material einer Knirscherschiene und das Zahnarzthonorar zahlen die Krankenkassen meist. Einige Arbeitsschritte und die Diagnostik bei Zähneknirschern, die meist eine aufwendige sogenannte Kiefergelenksfunktionsanalyse beinhaltet, muss der Patient komplett selbst zahlen. Und da kommen schnell mehrere hundert Euro zusammen.

Durchgeführt wird eine Kiefergelenksfunktionsanalyse, um auszuschließen, dass Fehlstellungen von Zähnen oder Kiefergelenk das Knirschen auslösen.

Warum ist die Funktionsanalyse so teuer?

"Es erfordert einen großen Fortbildungsaufwand, um überhaupt in den Stand zu kommen, das zu können. Nach der Uni beherrsche ich das noch nicht. Diese Kollegen müssen sich da schon sehr engagieren", sagt Prof. Dr. Christoph Benz.

Er rät Patienten, sich genau erklären zu lassen, warum der behandelnde Zahnarzt die Funktionsanalyse empfiehlt. Der Patient könne sich immer noch dagegen entscheiden.

Was hilft noch bei Zähneknirschen

Das kann auch helfen: Gezielte Physiotherapie löst die Muskelverspannungen von hartnäckigen Zähneknirschern.

Stehen wir unter großem seelischen Druck, leiden an Ängsten oder depressiven Verstimmungen sollten wir über Entspannungsübungen, Yoga oder psychotherapeutische Hilfe nachdenken.

Bestimmte "Gymnastik" kann helfen, unsere Kaumuskulatur zu entspannen. Zum Beispiel, den Mund gegen den sanften Druck der eigenen Hand zu öffnen. "Fragen Sie Ihren Zahnarzt nach geeigneten Übungen", empfiehlt Prof. Dr. Christoph Benz.

Wenn wir eine neue Füllung oder Krone bekommen und stellen zu Hause fest, da stört noch etwas beim Beißen - auf jeden Fall noch einmal zum Zahnarzt gehen und das anpassen lassen. Auch ein störender Kontakt kann dazu führen, dass wir mit den Zähnen mahlen und knirschen.