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Warnung vor FSME Auwaldzecke als neuen Überträger entdeckt

Ein kleiner brauner Körper in der Haut, zappelnde Beine: Ekel und Angst stellen sich ein, denn bei näherem Hinschauen entpuppt sich das Wesen als Zecke. Rasches Handeln ist gefragt. Denn im Frühling können Holzbock und Auwaldzecke die berüchtigte FSME auslösen.

Stand: 04.04.2017

Weitere Zeckenart als Überträger von FSME identifiziert | Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-Bildfunk

Die Zeckensaison startet. Als Haupt-Übeltäter für die Virus-Infektion der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, galt bislang der Gemeine Holzbock. Er hat als Krankheitsüberträger in der Auwaldzecke zweifelhafte Konkurrenz bekommen. Denn auch die Auwaldzecke kann das FSME-Virus übertragen, wie Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart, des Deutschen Konsiliarlabors für FSME in München und des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg im April 2017 bekannt gaben.

Wie unterscheiden sich Holzbock, Auwaldzecke, Ixodes inopinatus und Hyalomma?

Gemeiner Holzbock

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) gehört zur Familie der Schildzecken. Er ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern weit verbreitet. Meist lebt er im Wald und an Waldrändern, wo es feucht ist. Er überträgt Bakterien wie Borrelien und das FSME-Virus auf Mensch und Tier. Auffällig ist sein rot-brauner Hinterleib.

Ixodes inopinatus

Ixodes inopinatus, ebenfalls eine Schildzecke, kam ursprünglich nur im Mittelmeer-Raum vor. Mittlerweile hat diese Zeckenart jedoch stabile Populationen in Deutschland gebildet. Ob die Zeckenart das FSME-Virus oder sogar bisher in Deutschland unbekannte Erreger überträgt, wird noch erforscht. Ixodes inopinatus ist sehr leicht mit Ixodes ricinus zu verwechseln, da die sichtbaren Unterschiede sehr gering und mit bloßem Auge schwer zu erkennen sind.

Auwaldzecke

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist ein Vertreter der Gattung der Buntzecken. Sie ist etwas größer als der Holzbock. Ihr Körper ist grau und marmoriert. Auwaldzecken leben auf sonnenexponierten Wiesenflächen und in lichten Wäldern (auch in Überschwemmungsgebieten). Sie sind bislang vor allem als Überträger von Babesien-Bakterien bekannt. Diese lösen bei Hunden die Hundemalaria aus.

Hyalomma

Die Hyalomma-Zecke zählt zu den Schildzecken. Die tropische Zeckenart ist in Südeuropa, Afrika oder Asien beheimatet, kommt mittlerweile aber auch vereinzelt in Mitteleuropa und Deutschland vor. Sie überträgt Infektionen wie das Fleckfieber und das Krim-Kongo-Fieber. Ihre Beine weisen eine hellere Färbung auf als ihr Schild und sind oft geringelt. Die Hyalomma-Zecken haben im Unterschied zu den heimischen Zecken die Eigenschaft, selbstständig auf die Jagd zu gehen.

2016 - ein extremes Zeckenjahr

Dass die Auwaldzecke auch die bakterielle Infektion Borreliose übertragen kann, darüber wurde bereits im vergangenen Jahr berichtet. Denn das warm-feuchte Wetter machte 2016 zu einem der schlimmsten Zeckenjahre. Allein 350 bis 400 Fälle der gefürchteten FSME-Erkrankung wurden bundesweit registriert. Die Gesundheitsexperten wissen allerdings noch nicht, ob die Auwaldzecken erst jüngst zum gefährlichen Überträger wurden, oder ob ihre Gefährlichkeit bis dahin nicht bekannt war.

Ansteckung durch Rohmilch möglich

Hinzu kommt, dass erstmals umfassend dokumentiert werden konnte, wie sich zwei Personen auf einem Bauernhof beim Trinken von Ziegen-Rohmilch mit dem FSME-Virus infiziert hatten. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg erklärte daraufhin, auch eine Ansteckung mit Rohmilch-Käse sei denkbar. Nur pasteurisierte, also kurzzeitig erhitzte, Milch könne bedenkenlos getrunken werden.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Regionen

Baden-Württemberg ist wie Bayern seit Jahren ein FSME-Risikogebiet. Auch Teile Südhessens und Südthüringens sowie kleinere Ecken in Rheinland-Pfalz oder im Saarland zählen dazu. Zuletzt breitete sich die Krankheit weiter Richtung Norden aus.

Neben Deutschland sind vor allem die mittel- und osteuropäischen Länder FSME-gefährdet, allen voran Russland inklusive seiner fernöstlichen Gebiete. Subtypen des Erregers sind in Japan und der Mongolei zu finden.

Entfernen

Die Gefahr einer Übertragung steigt mit der Dauer der Saugzeit, vermutlich weil während des Saugvorgangs eine Virusvermehrung innerhalb der Zecke stattfindet. Ein rasches Entfernen der festgesaugten Zecke ist daher wichtig. Etwa 30 Prozent der Menschen, die mit dem FSME-Virus infiziert worden sind, erkranken daran.

Krankheitsphasen

Etwa fünf bis sieben Tage nach dem Biss treten bei einem Drittel der Infizierten uncharakteristische Beschwerden auf: Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit, gelegentlich Magen-Darm-Probleme. Meist ist die Krankheit damit überstanden.

Bei jedem dritten Erkrankten bzw. jedem zehnten Infizierten befällt der Erreger jedoch das zentrale Nervensystem - in unterschiedlicher Ausprägung. Unterschieden werden die Meningitis (nur die Hirnhäute sind beteiligt), die Meningoenzephalitis (Beteiligung von Hirnhäuten und Gehirn) und die Meningoenzephalomyelitis (zusätzlich ist das Rückenmark betroffen).

Symptome

Bei der Meningitis: Starke Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Nackensteife, verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Die akuten Symptome vergehen nach einigen Tagen, bis zur völligen Genesung dauert es oft ein Jahr.

Bei der Meningoenzephalitis: Zusätzlich Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma, Bewegungsstörungen oder Krampfanfälle. Die Krankheit dauert länger. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen bleiben Spätschäden wie psychische Veränderungen zurück.

Die Meningoenzephalomyelitis ist die schwerste Verlaufsform - gekennzeichnet durch zusätzlich auftretende Lähmungen, vor allem der Arme oder Schultern. Zu den Spätschäden gehören bleibende Lähmungen. Sind Gehirn und/oder Rückenmark mit betroffen, verläuft etwa jede hundertste Erkrankung tödlich.

Vorbeugung

Es gibt keine Medikamente gegen FSME. Daher ist Vorbeugung besonders wichtig. Dazu gehört geeignete Bekleidung, um Zeckenbisse von vornherein zu verhindern. Gerade an den Beinen sollten alle Hautpartien bedeckt sein (z. B. Jogginghose mit Gummizug, Strümpfe über den Hosenbeinen). In den heißen Sommermonaten empfehlen Mediziner Zeckensprays und die genaue Inspektion des Körpers nach einem Spaziergang. Eine Zecke sollte zudem schnell und vorsichtig entfernt werden. Und wer sich in einem Risikogebiet aufhält, sollte nach Möglichkeit hohes Gras und Unterholz meiden.

Impfung

Die verlässlichste Vorbeugung gegen FSME ist eine Impfung, betonen amtliche Stellen. Die Experten raten zur Impfung, wenn man in einem Risikogebiet wohnt oder sich dort aufhält.

Keine Impfung sollte durchgeführt werden: bei akuten, fieberhaften Erkrankungen und bei Allergien gegen Komponenten des Impfstoffes sowie gegen Hühnereiweiß. Bei Kindern unter drei Jahren sollte sorgfältig geprüft werden, ob eine Impfung notwendig ist. Bei ihnen treten danach überdurchschnittlich häufig Fieberreaktionen auf.

Zeckenfreier Waldspaziergang: Feste Schuhe und Hose in die Socken

Aussehen der Auwaldzecke

Die Auwaldzecke ist etwas größer als der Gemeine Holzbock. Statt des rot-braunen Hinterleibs ist ihr Körper grau und marmoriert.

Nicht alle Menschen, die sich mit FSME infizieren, bekommen Beschwerden. Die Infektion kann aber grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Gelenkschmerzen hervorrufen. In schweren Fällen (siehe Klicktool) kann es zu einer Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns oder gar des Rückenmarks kommen - mit manchmal schweren Folgeschäden. Den besten Schutz bietet entsprechende Kleidung beim Wandern oder gar eine Schutzimpfung. Medikamente wie beispielsweise Antibiotika helfen bei der Virus-Infektion nicht.

Augen auf bei der Auwaldzecke!

Dem Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für FSME, Gerhard Dobler, bereitet Sorge, dass die Auwaldzecke im Gegensatz zum Holzbock sehr früh im Jahr und im späten Herbst bis zum ersten Schnee aktiv ist. Die Zeit mit aktiven und gefährlichen Zecken weitet sich also aus. Und auch das Hohenheimer Forscher-Team hat beobachtet, dass FSME-übertragende Zecken zunehmend auch im Winter, in Stadtnähe und im Norden Deutschlands aktiv sind.


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