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Komödienstadel Ein Stück Fernsehgeschichte

Am 16. Mai 1959 ging der erste "Komödienstadel" im Bayerischen Fernsehen auf Sendung. Mit diesem Format schlug Olf Fischer, der "Vater" des Komödienstadels, ein neues Kapitel Fernsehgeschichte auf und begründete eine der bekanntesten und langlebigsten Marken des deutschen Fernsehens.

Stand: 12.09.2019

Die Kulisse zur Komödienstadel-Inszenierung "Späte Entdeckung" (1959). | Bild: BR/Foto Sessner

Seit sechs Jahrzehnten ist die Komödienstadel-Bühne eines der Markenzeichen des Bayerischen Rundfunks. Wer als Schauspieler in Bayern Rang und Namen hat, ist bereits hier aufgetreten: Liesl Karlstadt, Michl Lang, Ludwig Schmid-Wildy, Erni Singerl, Maxl Graf, Max Grießer, Beppo Brem, Gustl Bayrhammer, Katharina de Bruyn, Karl Tischlinger, Willy Harlander, Dieter Fischer - um nur einige Namen aus der Riege der großen bayerischen Volksschauspieler zu nennen. Vielen wurde diese Bühne ein Sprungbrett zur großen Karriere.

Doch nicht das Fernsehen, sondern der Hörfunk war einst Geburtsort des Komödienstadels. Sein "Vater" und Erfinder, der gelernte Münchner Schauspieler Olf Fischer, leitete in den 1950er-Jahren die Unterhaltungsabteilung des BR. Er erhielt damals den Auftrag, eine volkstümliche, bayerische Familiensendung zu entwickeln. Seit 1954 produzierte er insgesamt 41 Komödienstadel fürs Radio, die teils im Studio aufgenommen, teils live aus ganz Bayern gesendet wurden. Am 16. Mai 1959 wurde dann der erste Komödienstadel im Fernsehen gesendet. In Anlehnung an die traditionellen Bauern- und Heimatbühnen war auch der Zuschauerraum bei der ersten Fernsehaufzeichnung mit dicken Schwartlingen und echtem Heu geschmückt – eine Dekoration, die heute allein schon aus feuerpolizeilichen Gründen undenkbar wäre.

Mit dieser Sendung schlug Olf Fischer 1959 ein neues Kapitel der Fernsehgeschichte auf. Es war zu einer Zeit, als viele Bundesbürger sich erstmals ein eigenes Fernsehgerät leisten konnten. Von Anfang an wurde der Komödienstadel mit Musikbeiträgen umrahmt - nicht nur zur Auflockerung, sondern auch um die Umbaupausen zu überbrücken. Wer in der Volksmusik tonangebend war, spielte im Komödienstadel – von den Oberkrainern, der Gruppe "Eberwein" und den Dellnhauser Musikanten bis zum legendären Jodlerkönig Franzl Lang. Das musikalische Fensterl zum ersten Fernsehstadel öffneten 1959 übrigens die junge Maria Hellwig und "Die lustigen drei Moosacher". Anschließend folgten die beiden Einakter "Die späte Entdeckung" mit Liesl Karlstadt, Michl Lang und Ruth Kappelsberger und "Der zerbrochene Kruag" mit Carl Baierl, Paula Braend und Ludwig Schmid-Wildy.

Bislang wurden mehr als 130 Komödienstadel in Szene gesetzt. Seit 2019 werden fast alle Volkstheater-Produktionen des BR unter dem Dach der Kultmarke gebündelt, mit der sich der BR in Zukunft auch weiter neuen Themen und Erzählformen aus ganz Bayern öffnen will. Vier bis fünf Wochen dauert es, bis ein neuer Komödienstadel sendereif, bis die optische Gratwanderung zwischen Theatererlebnis und Fernsehspiel geglückt ist. Dahinter steht ein Team von rund 50 Mitarbeitern in Technik, Ausstattung, Produktion und Redaktion. Den Maßstäben, die Olf Fischer einst für die Arbeit auf der Bühne und hinter den Kulissen gesetzt hat, fühlen sich die Programmverantwortlichen von heute noch immer verpflichtet: Milieutreue nicht nur in Mimik und Gestik, Musik und Tanz, sondern auch in Maske, Kostüm, Dekoration und Bühnenbild.

In seinem langen Fernsehleben kann der Komödienstadel viele Höhepunkte aufweisen und ist dabei thematisch und erzählerisch auch neue Wege gegangen. Zu den Klassikern zählen beispielsweise "Die drei Eisbären" (1961), "Der Geisterbräu" (1963), "Mattheis bricht’s Eis" (1972), "Das sündige Dorf" (1974), "Der verkaufte Großvater" (1967 und 1998) und "Die Tochter des Bombardon" (1982), aber auch modernere Produktionen wie etwa "Glenn Miller und Sauschwanzl" (2009) oder "Hummel im Himmel" (2012). Viele davon sind in der BR Mediathek verfügbar.

Seit 2015 wird der Komödienstadel nicht mehr im Fernsehstudio aufgezeichnet, sondern bespielt verschiedene Theater in allen Regionen Bayerns, etwa "Ein Garten voll Schlawiner" (2016) im Ludwigs Festspielhaus Füssen oder "Der Cowboy von Haxlfing" (2017) in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen oder "Rock 'n' Roll im Abendrot" (2017) im Waitzinger Keller in Miesbach. Auch nach den Aufzeichnungen ist der Komödienstadel regional präsent: Immer wieder gehen die Ensembles mit verschiedenen Stücken auf Tournee. Zum 60-jährigen Jubiläum gab es ein besonderes Highlight: Das Stück "Ein Bayer in der Unterwelt" wurde auf dem Münchner Nockherberg aufgezeichnet und war ausschließlich mit Schauspielern aus der BR-Serie "Dahoam is Dahoam" besetzt.


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