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Morin Interview mit Marlene Morreis und Frederic Linkemann

Stand: 10.10.2023

In ihrem Büro daheim bekommt Katja (Marlene Morreis) ein Eis von Steven (Frederic Linkemann, links) und Ärger mit Morin (Leo Alonso-Kallscheuer). | Bild: BR/Odeon Fiction/Hendrik Heiden

Fragen an Marlene Morreis (als Morins Mutter "Katja")

Was ist Katja, die Mutter des hochbegabten "Morin", für eine Frau und inwiefern steht Katja evtl. auch beispielhaft für eine im Film skizzierte gesellschaftliche Haltung, was Leistung und Erfolg anbelangt?

Katja ist mit Leib und Seele Forscherin und ihr ist zu Anfang des Films der Gedanke gar nicht fremd, dass man für Erfolg hart arbeiten und oft auch wirklich an seine Grenzen gehen muss. Sie ist bereits in einer Welt aufgewachsen, in der alles mit Erfolg und hartem Wettbewerb verknüpft ist. Es zählt, was den Arbeitgeber oder einen selbst nach vorne bringt, das Privatleben muss sich hinten anstellen und ist zweitranging hinter dem Beruf, in dem sie aber glücklich ist und der sie ausfüllt.

Von welchen Beweggründen wird Katja Ihrer Meinung nach als Mutter – auch mit Blick auf die Ausbildung ihres Sohnes – angetrieben?

Sie will natürlich – Floskel hin oder her – das Beste für ihren Sohn. Die Gesellschaft – in der Zeit, in der sie leben – wird immer getriebener und erfolgsorientierter, und das alles beginnt mit immer jünger werdendem Alter. Dies sieht Katja aber durchaus als förderlich an, denn je früher Kindern Möglichkeiten geboten werden, sich zu ihrem besten Selbst zu entwickeln, desto besser. Den Leistungsdruck, unter dem Morin steht, sieht sie als durchwegs positiven Nebeneffekt an, schließlich hat er so einen Vorsprung vielen Altersgenossen gegenüber. Erst langsam versteht Katja, weil sie selbst in ihrem Job die direkten Auswirkungen der Academies sieht, was da wirklich passiert.

Welcher Stellenwert wird dem Gefüge der Familie im Film zugeschrieben?

Unsere Familie ist ein liberal-futuristischer Haushalt, der keine klassische Rollenverteilung hat. Ich denke, Katja und Steven müssen sich – die eine mehr, der andere weniger – aber erst darauf besinnen, was ihnen beiden auch wichtig ist im Leben. Wieder zurückfinden zu den Werten, die sie noch kennen, die Katja auch von Ida noch mit auf den Weg bekommen hat. Es ist leicht, in einer Gesellschaft, in der es so wahnsinnig viel um Leistung, Arbeit und Erfolg geht, den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Familie darf nie selbstverständlich werden.

Wie erlebten Sie die Zusammenarbeit mit ihrem Filmsohn Leo Alonso-Kallscheuer, der den begabten Jungen "Morin" spielt?

Ich durfte vor ein paar Jahren schon einmal Leos Mutter spielen, deshalb wusste ich, wie talentiert er ist, vor allem sein klares Denken, was die Figuren angeht und sein Verständnis für Dinge weit über seine Altersgrenze hinweg. Abgesehen davon ist er ein wunderbarer junger Mann, der umgänglich und verständnisvoll und bescheiden ist und genau den richtigen Humor hat. Ohne Lobeshymne klappt das leider nicht.

Fragen an Frederic Linkemann (als Morins Vater "Steven")

Sie spielen den Vater des Jungen "Morin" im Film. Steven hat eigentlich von Anfang an Bedenken, seinen Sohn in die Hände einer sehr ehrgeizigen Academy für Hochbegabte und vielversprechende Talente zu geben. 
Hat er Ihrer Meinung nach Recht damit und braucht es Leute wie Steven?
 

Ich bin zwar selbst kein Vater, kann mir aber vorstellen, dass man seinem Kind erstmal gewisse Wünsche erfüllen möchte. Zudem ist man wahrscheinlich auch primär stolz darauf, dass das eigene Kind für so ein Programm ausgewählt worden ist. Sei es im Sport, in der Musik oder in ähnlichen geförderten Dingen, man steht als Vater anfangs immer voll und ganz dahinter, kann ich mir vorstellen. Die Entwicklungen aus solchen Förderungen sind ja meist völlig unterschiedlich. Mal geht es gut und mal nicht. Im Grunde denke ich, sollte man immer vorrangig auf das Kind hören und herausfinden, ob es gewisse Sachen möchte oder nicht, bzw. weiter machen möchte oder nicht.  

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle und das Thema des Films, der erst in naher Zukunft spielt, vorbereitet?

Das ist mir eigentlich sehr leicht gefallen. Im Grunde musste ich eine Figur in der Zukunft spielen, für die die Zukunft ja gar kein Thema ist, er befindet sich ja in diesem Moment im Hier und Jetzt. Das soll heißen, dass für ihn ja alles normal ist, die Gegenwart. 

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Regisseurin Almut Getto und mit Schauspielerin Marlene Morreis?

Das war easy. Marlene kenne ich schon sehr lange, wir haben schon oft zusammengearbeitet und sind in der gleichen Agentur. Es war Drehen mit einer guten Freundin, sehr spielerisch und ohne Druck, etwas falsch zu machen. Sehr viel Ausprobieren.

Almut kannte ich davor noch nicht, aber es war sofort eine entspannte Situation am Set. Ich durfte immer erstmal so machen, wie ich es mir vorgestellt habe, erst dann kamen konkretere Regieanweisungen von ihr. So liebe ich das Drehen. Probieren und dann, wenn gewünscht, auch gerne was anderes ausprobieren. Ich habe mich mit ihr als Regisseurin sehr wohl gefühlt.


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