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Wozu sind Mücken eigentlich gut? | BR24

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Für den Menschen sind sie lästig, aber Mücken haben im komplexen Ökosystem Natur auch eine wichtige Funktion.

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Wozu sind Mücken eigentlich gut?

Nervtötendes Summen, ein lautloser Stich und dann heftiges Jucken: Der feuchtwarme Sommer hat uns viele Mücken beschert. Völlig überflüssige Quälgeister? Oder doch nicht?

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Baden, laue Abende im Biergarten, Grillen im Garten – es wäre so schön, wären da nicht die vielen Blutsauger. Seit den starken Niederschlägen Anfang August sind besonders viele geschlüpft. Zum Beispiel am Chiemsee. Dort hat der Starkregen die Pegelstände steigen lassen und ganze Wiesen in Sümpfe verwandelt.

Stechmückeneier auf Standby

Die sogenannten Überschwemmungsmücken konnten während der heißen Tage danach massenhaft schlüpfen. "Die Eier der Stechmücken liegen lange Zeit im Boden und wenn diese Senken und Wiesen überschwemmt werden, kommt es zum Massenschlupf", sagt der Biologe Dirk Reichle. Er ist wissenschaftlicher Direktor bei der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) am Oberrhein. Eine Tochtergesellschaft der KABS führt die Mückenbekämpfung mittels Hubschrauber in Deutschland und somit auch am Chiemsee aus. Erstmals seit fünf Jahren flog wieder ein Hubschrauber rund um den Chiemsee und versprühte über besonders betroffene Stellen einen biologischen Wirkstoff, der Stechmücken tötet.

Mückenbekämpfung mit Bti ist umstritten

Der sogenannte Bti-Wirkstoff ist ein Eiweißkristall, das aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) gewonnen wird. Der Einsatz ist allerdings umstritten. Laut BUND Naturschutz ist sicher, dass Bti auf alle Stechmückenarten tödlich wirkt aber auch auf mehr als 50 Arten der Kriebelmücken und Zuckmückenarten, die nicht stechen. Naturschützer und Biologen kritisieren, dass Bti zwar Stechmücken tötet, aber auch langfristige Auswirkungen auf andere Organismen und das gesamte Ökosystem haben kann. Dazu gebe es kein begleitendes Monitoring.

Mücken als Fressen für Fische, Vögel und Amphibien

Außerdem sind Mücken mehr als lästige Blutsauger. Als Teil der Nahrungskette sind sie zum Beispiel Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse. Fische und Kaulquappen fressen Mückenlarven, die im Wasser leben. "Es gibt auch Tierarten, wie den Teichrohrsäger, der seine Jungen sogar größtenteils mit Mücken füttert", sagt die Vorstandsvorsitzende der BUND Naturschutz Kreisgruppe Traunstein Beate Rutkowski.

Außerdem funktionieren Mückenlarven wie kleine Filteranlagen für Gewässer. "Die Mückenlarven ernähren sich von Mikroplankton, von organischem Material, insofern hat man dort auch einen Säuberungseffekt", sagt Beate Rutkowski.

Wenn Mücken dann zum fliegenden Insekt werden, und etwa in Schwärmen unterwegs sind, kann das für Vögel und Fledermäuse auf einen Schlag sehr nahrhaft sein. Außerdem bestäuben Mücken Blütenpflanzen, denn die meisten Mücken ernähren sich von Nektar. Nur die weibliche Stechmücke braucht eine proteinreiche Blutmahlzeit, um Eier zu produzieren.

Die Mücke sei allerdings nur ein kleiner Teil des gesamten Menüs ihrer Fressfeinde, besonders wenn es um Stechmücken gehe, sagt Biologe Dirk Reichle. "Es gibt keinen Organismus der sich auf Stechmücken spezialisiert hat, denn er würde verhungern." In trockenen Sommern, wie in den vergangenen Jahren, kämen die Tiere auch gut ohne die Mücken aus. Angesichts der üppigen Mücken-Mahlzeiten diesen Sommer, bringt der eine oder andere Vogel vielleicht eine dritte Brut durch, das hoffen zumindest Umweltschützerinnen wie Beate Rutkowski.

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