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Landwirt bringt Gülle aus
© dpa/picture alliance
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Landwirt bringt Gülle aus

Wissenschaftler und Umweltschützer warnen seit Jahren vor den hohen Nitratgehalten in unserer Umwelt. Der Stoff gelangt zum Großteil über die Gülle von Rindern und Schweinen auf die Felder und irgendwann auch ins Grundwasser. Dort ist Nitrat alles andere als erwünscht: Für Babys ist der Stoff regelrecht giftig, bei Erwachsenen besteht der Verdacht, dass zu viel Nitrat das Krebsrisiko erhöht.

Kritik an intensiver Tierhaltung

Problematisch sind die Nitratwerte vor allem in Regionen, in denen Tierfleisch industriell hergestellt wird, sagt Professor Jean Charles Munch. Er hat viele Jahre am Lehrstuhl für Bodenökologie an der Technischen Universität München geforscht und festgestellt: In Regionen, in denen intensiv Tiere gehalten werden, liegen die Messwerte häufig über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Trinkwasser. In Bayern sind zum Beispiel Unterfranken und Mittelfranken betroffen, aber auch der halbmondförmige Streifen von Kaufbeuren im Allgäu über Landshut und Straubing nach Passau.

Teuflischer Kreislauf

Das Problem beginnt laut Munch bereits beim Tierfutter: „Es gibt in Deutschland nicht genügend Flächen zum Anbau von Tierfutter. Das Futter, das meist aus Proteinen besteht, wird importiert. Und es wird sehr viel Gülle produziert, die nicht verwendet werden kann. Wenn das Futter auf eigenen Flächen dieser Betriebe erzeugt würde, wären auch genügend Flächen da, um die Gülle vernünftig zu verwerten.“ Gerade große, industriell arbeitende Betriebe, wissen aber nicht, wohin mit dem Gülle-Überschuss.

Es ist offenbar kein Wille da, diese industrielle Tierhaltung einzustellen. (Bodenexperte Jean Charles Munch)

Der Bodenexperte fordert: „Die industrielle Tierproduktion gehört verboten.“ Doch statt die Tierhalter zu umweltverträglicheren Methoden anzuhalten, brüste sich Deutschland mit hohen Fleischexporten ins Ausland. Dabei hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass deutsches Fleisch nicht immer von glücklichen Kühen kommt, sagt Munch. „Der Verbraucher aus Frankreich will kein Fleisch mehr aus Deutschland, weil er weiß, wo es herstammt.“ Morgen wird sich zeigen, wie der Europäische Gerichtshof die Situation in Deutschland bewertet.

Die Macht der Verbraucher

Wer selbst etwas für saubere Böden und reines Wasser tun will, kann jetzt schon reagieren, sagt Munch. Er rät zum Verzicht auf Billig-Fleisch aus dem Supermarkt. „Der Metzger ist natürlich teurer. Das kann man aber mit weniger Fleisch-Konsum ausgleichen,“ so Munch. Außerdem kauften viele Metzger bei Bauern, die ihre Tiere vernünftig halten und mit eigenem Futter füttern.

Autoren

Anne Kleinknecht

Sendung

IQ - Wissenschaft und Forschung vom 20.06.2018 - 19:05 Uhr