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Ab 17 Uhr deutscher Zeit sollen die 7500 Twitter-Beschäftigten erfahren, ob sie ihren Job verlieren oder behalten.

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Twitter beginnt heute mit Massenentlassungen

Ab 17 Uhr deutscher Zeit sollen die 7500 Twitter-Beschäftigten erfahren, ob sie ihren Job verlieren oder behalten. Das hat das Unternehmen aus San Francisco seinen Angestellten mitgeteilt. Twitter-Eigentümer Elon Musk muss massiv Geld einsparen.

Der Kurznachrichtendienst hat am Donnerstagabend seine 7.500 Angestellten per E-Mail über die geplante Kündigungswelle informiert: Bis 17 Uhr deutscher Zeit sollen alle Beschäftigten, die ihren Job behalten, eine Mail mit dem Betreff: "Deine neue Rolle bei Twitter" erhalten. Alle, die ihren Job verlieren, sollen eine Nachricht an ihre private Adresse bekommen.

Twitter-Memo: "Erfolg auch in Zukunft sicherstellen."

Weiter heißt es in dem Memo:

Team, in dem Bemühen, Twitter auf einen gesunden Weg zu bringen, werden wir am Freitag den schwierigen Prozess der Reduzierung unserer weltweiten Belegschaft durchlaufen. Wir sind uns bewusst, dass dies eine Reihe von Personen betreffen wird, die wertvolle Beiträge zu Twitter geleistet haben, aber diese Maßnahme ist leider notwendig, um den Erfolg des Unternehmens auch in Zukunft sicherzustellen.

Twitter am Freitag geschlossen

Das Firmengebäude von Twitter am Hauptsitz in San Francisco soll am heutigen Freitag geschlossen bleiben. Alle Mitarbeitenden wurden aufgefordert, nicht ins Büro zu kommen, die Firmenausweise hätten ihre Gültigkeit verloren.

Die Kündigungen passieren gewissermaßen mit Ansage. Ursprünglich hatte der 51-jährige Musk wohl vorgehabt, 75 Prozent der Belegschaft zu feuern. Nach Informationen der New York Times stehen auf der internen Kündigungsliste nun 3738 Twitter-Mitarbeitende. Die Mehrzahl davon arbeitet am Hauptstandort San Francisco. Praktikanten sollen von den Entlassungen ausgenommen sein.

Bevor Musk den Dienst übernahm, hatte Twitter bereits Kündigungen geplant. Allerdings nicht in dem jetzigen Umfang. Es wären wohl gut ein Viertel der Beschäftigten betroffen gewesen, um so 700 Millionen Dollar Personalkosten zu sparen.

Angestellte verabschiedeten sich am Donnerstag unter Tränen

In den Büros an der Market Street in San Francisco mit der Hausnummer 1355 sollen sich viele Angestellte am gestrigen Donnerstag unter Tränen voneinander verabschiedet haben. Eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, erklärte gegenüber dem BR Studio in San Francisco, man habe Unterlagen und Programmiercode für die verbliebenen Kollegen so aufbereitet, dass alle Daten nachvollziehbar seien. Viele hätten Kontaktdaten ausgetauscht, weil die Gekündigten ab Freitag keinen Zugang zum Firmennetz mehr hätten.

Musk unter Druck

Twitter-Besitz Elon Musk steht unter großem Druck. Er muss schnellstmöglich die Kosten senken. Um das soziale Netzwerk für 44 Milliarden Dollar zu übernehmen, hatte Musk dem Unternehmen rund 13 Milliarden an Schulden aufgebürdet. Es ist die bislang größte fremdfinanzierte Übernahme in der Tech-Industrie des Silicon Valley. Dafür muss das Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar Zinsen pro Jahr bezahlen.

Der gewaltige Druck, der auf dem Dienst lastet, zeigt sich auch in der Produktentwicklung: Täglich gibt es neue Nachrichten, wie der Tesla-Chef mit Twitter Geld verdienen will. Laut mehrerer US-Medien überlegen Musk und sein Führungsteam künftig kostenpflichtige Direktnachrichten einzuführen. Damit sollen Twitter-Nutzerinnen und Nutzer an prominente User private Nachrichten schreiben können.

Video-Paywall wie bei Porno-Plattform "OnlyFans"

Diskutiert wird auch eine sogenannte Paywall für Videos. Bestimmte Videos sollen nur noch gegen eine Gebühr angesehen werden können. Solch ein Konzept verfolgt bereits die Porno-Website "OnlyFans".

Musk denkt auch über eine Wiederbelebung der Kurz-Video-Plattform Vine nach, die Twitter 2016 abgeschaltet hatte. Damit möchte der reichste Mann der Welt jüngere Leute anziehen, die hauptsächlich bei Netzwerken wie TikTok sind. Ein Entwickler-Team soll prüfen, ob sich der alte Vine-Code wieder einbauen lässt.

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Büros gesperrt, Systemzugang blockiert - bei Twitter bangen Tausende Beschäftigte um ihren Job.

Blauer Haken nur noch gegen Geld

Das Twitter Verifizierungsprogramm mit Namen "Blue Check" soll ab 7. November in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland acht Dollar pro Monat kosten. Bisher ist der blaue Haken für mehr als 423.000 Twitter-Konten weltweit Ausweis dafür, dass die oder der Besitzer von dem Unternehmen verifiziert wurden.

Nun soll das blaue "Echtheitszertifikat" nicht nur etwas kosten; jeder User kann es künftig gegen Gebühr bekommen. Eine Überprüfung, ob es sich bei dem Kontobetreiber wirklich um die Person handelt, wäre nach internen Twitter-Dokumenten nicht mehr nötig. In Europa soll der kostenpflichtige Dienst wohl erst später eingeführt werden, weil man ihn in Übereinklang mit den Datenschutzvorgaben der Europäischen Union bringen will.

Sparmaßnahmen auch bei Infrastruktur

Sparen will Musk auch bei den Kosten für Server und den Cloud-Diensten. Ziel sei es, so täglich zwischen 1.5 und 3 Millionen Dollar einzusparen. Insgesamt versucht man damit gut eine Milliarde Dollar wettzumachen. Allerdings droht Twitter ein Rückfall in seine Anfangsjahre. Zwischen 2007 und 2009 war es immer wieder wegen Überlastung zu Ausfällen des Angebots gekommen. Erst als Twitter massiv in eine redundante Infrastruktur investiert hatte, wurden die Ausfälle seltener.

Mit Informationen von ThePlatformen, Washington Post, New York Times, reuters, The Verge, SlashGear

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