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Lobo kritisiert bei Medientagen die Branche

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Lobo kritisiert bei Medientagen die Branche

Er ist ein gern gesehener Talkshowgast, Kolumnist und mag auffällige Frisuren: Im BR-Interview spricht Sascha Lobo über die Fehler der klassischen Medien und über kleine Stupser in die richtige Richtung. Christian Schiffer

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"Wir als Medien müssen für eine liberale Demokratie streiten, das transparent tun und uns nicht dafür schämen!", sagte Sascha Lobo in einer Diskussion des Bayerischen Runfunks zum Auftakt der Medientage in München. Auf dem Branchentreffen soll es vor allem um die Zukunft der Medien gehen, ein Thema, das der irokesen-tragende Interneterklärer Lobo erst kürzlich in seiner Kolumne auf Spiegel Online aufgegriffen hatte.

Mehr Redlichkeit wagen

Dort diagnostizierte er einen weit verbreiteten "Medien-Nihilismus" und forderte die Medien deswegen dazu auf, transparenter zu werden. Ähnlich äußert er sich auch im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk: Die Gesellschaft habe sich gewandelt, die klassischen Medien hätten aber nicht ausreichend Schritt gehalten. In der Tat: Galten früher die Medien als die vierte Gewalt, gibt es heute mit Blogs, Twitter oder Facebook längst eine fünfte Gewalt, die wiederum die Medien kontrolliert - und kritisiert. Für Lobo ist klar, dass die Medien redlicher werden müssen. "Es hat sich Unmut aufgestaut", so der Spiegel-Kolumnist.

Paternalistisches Anstupsen

Lobo streift im BR-Interview auch noch ein anderes Thema, nämlich Nudging. Unter "Nudging", zu Deutsch: stupsen, versteht man kleine Psychotricks, die dazu dienen sollen, die Bürger zu besserem Verhalten anzuregen. Dazu kann es zum Beispiel gehören, Gemüse sichtbarer im Supermarkt zu platzieren und damit die Gesundheit zu verbessern oder eine Fliege ins Pissoir zu pinseln, damit es auf dem Herren-WC treffsicherer zugeht.

Kürzlich erst wurde mit Richard Thaler einer der Vordenker des Nudgings mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet. In der britischen Regierung wurde schon vor Jahren eine eigene Nudging-Abteilung ins Leben gerufen. Sascha Lobo allerdings ist ein Kritiker dieser Kniffe aus der dem Werkzeugkasten der Verhaltensökonomie: "Vom libertären Paternalismus wird am Ende nur noch der Paternalismus übrig bleiben", so der Internet-Experte.