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Kunst und Klimawandel: Die Ausstellung "eiskalt" in München | BR24

© ERES-Stiftung München

"Upliftet Ground": Gletscherspalten der Zeichnerin Emma Stibbon

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    Kunst und Klimawandel: Die Ausstellung "eiskalt" in München

    Die ERES-Stiftung in der Römerstraße in München-Schwabing macht regelmäßig Kunstausstellungen zu naturwissenschaftlichen Themen. Der Künstler Stephan Huber hat "eiskalt" zusammengestellt, die bis zum 6. Oktober zu sehen sein wird. Von Stefan Mekiska

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    Im zentralen Ausstellungsraum hängt die Entwurfszeichnung des "War Room" von Filmdesigner Ken Adam. In Stanley Kubricks Film "Dr Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben" sitzen Anfang der 60er Jahre wichtige Herren und der amerikanische Präsident an diesem langen Tisch, unter diesen spitz zulaufenden dunklen Wänden mit Weltkarten und Bildschirmen. Der Atomkrieg hat gerade begonnen. Doktor Seltsam, ein Wissenschaftler mit Nazi-Vergangenheit, gespielt von Peter Sellers, macht gerade den Vorschlag, ein Zuchtprogramm für überlebende Menschen zu beginnen.

    Tiefe Schlünde

    Gleich gegenüber diesem finsteren Filmset hängen Zeichnungen der Britin Emma Stibbon. "Broken Ground" und "Uplifted Ground" zeigen die Folgen gewaltiger tektonischer Verschiebungen. Erdplatten platzen auseinander, gewaltige Kräfte wirken, es entstehen Spalten, die den Blick tief in ein dunkles Nirgendwo führen. Geradeaus geht es zum Beitrag von Kurator und Künstler Stephan Huber: Er hat in das apokalyptische Theaterszenario aus dem Ersten Weltkrieg, "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus, eigene Texte eingefügt. Zitat: Nach den verdammten Hurricans fangen plötzlich alle mit dem Global warming an. Das ist total nervig. Worst case scenario. Zitat Ende. Eine Ausstellung aus negativen Utopien, aus Dystopien.

    "Dystopien umgeben mich. Ich bin jemand, der unglaublich viele Serien anguckt. Und jede gute Serie von 'True Detectives' bis zu 'Westworld' hat mit Dystopien zu tun. Dystopien ist einer der absoluten Standards in der Welt von 2018. Und deswegen kommen die auch in dieser Ausstellung vor, ohne dass die zunächst mal irgendeine Message oder sonst was bedeuten. Es ist einfach der Status quo." Stephan Huber

    "Eiskalt" ist also eine Ansammlung von Kunst aus unseren letzten Tagen der Menschheit. Selbstzerstörerisches liefert Andreas Schmitten, der in coolen medizinischen Zeichnungen vorführt, wie man sich in den Finger schneidet. Das berühmte Video der Israelin Sigalit Landau zeigt eine nackte Hula-Hoop-Tänzerin vor grauem Meer: Doch der Reifen ist aus Stacheldraht. Und die Folgen blutig auf Bauch und Hüfte zu sehen. Ursprünglich sollte Stephan Huber eine Ausstellung über den Klimawandel zusammenstellen.

    "Es ging um einen bestimmten Status Quo, in dem ich mich befinde. Und da war natürlich der reale Klimawandel eine Bedrohung, die es gab. Aber es gab ne Autodestruktion. Es gab viele, viele andere Dinge, die dort thematisiert wurden. Das hat die ERES-Stiftung dann so akzeptiert. Und so ist die Ausstellung dann auch entstanden." Stephan Huber

    Am Ende der Schau eine große gelbe Wand mit der Aufschrift "Die Lage ist normal". Sie stammt aus den 80er Jahren und von Gerhard Merz. Nach einem Gang durch die Kellerräume in Schwabing wird aus der ursprünglichen postmodernen Zuversicht distanzierende Häme. Kein Trost, nirgends. Genau deshalb hat Stephan Huber die Arbeit des Kollegen in diesen Kontext gestellt.