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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Elke Büdenbender

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Die Politik macht Pause: Bundespresseball in Berlin

Wenig Politiker, dafür Youtube-Jungstars, Tatort-Kommissare und Uschi Glas: Der Presseball fand im Machtvakuum statt. Gefeiert wurde trotzdem, allerdings gedämpft. Und Wolfgang Kubicki hoffte auf eine Tanzkarte. Von Peter Jungblut.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 - Das Feiertagsmagazin am .

Gerade erst sind sie volljährig worden, haben zum ersten Mal in ihrem Leben gewählt, jetzt sind sie dank eines Großsponsors auf dem Bundespresseball: Heiko und Roman Lochmann, besser bekannt als "Die Lochis" senkten dort den Altersdurchschnitt um schätzungsweise dreißig Jahre. Ja, und sie interessieren sich sogar für Politik.

Ist ja der Wahnsinn, was für Menschen und was für Persönlichkeiten heute da sind! Das ist für uns Jungspunde natürliche eine Mega-Ehre dabei zu sein. - Roman Lochmann

Tatort-Kommissar ist besorgt

Naja, ganz so viele Politiker waren gar nicht da. Eher wenige, von SPD und Union nur vereinzelte. Dem politischen Berlin ist wohl gerade nicht so nach feiern zu Mute. Aber wer schmückt sich heute nicht gern mit Youtube- und Comedy-Stars, mit Influencern wie den "Lochis", die sympathisch rüberkommen und so ganz nebenbei Meinungen transportieren? Der Münchener Tatort-Kommissar Miroslav Nemec gehört natürlich einer ganz anderen Generation an - einer besorgten, jetzt, wo die Regierungsbildung so überraschend schwierig scheint.

Wir werden trotzdem feiern, natürlich. Ich denke, dass die Sache auf einem guten Wege ist, was ich heute lese und mitkriege. Wir dürfen am Tisch von Herrn Steinmeier sitzen. Der darf natürlich zu so was nichts sagen, möchte vielleicht auch nicht, beim Essen. Da werde ich nicht in ihn dringen, natürlich. - Miroslav Nemec

Wachtveitl will Minderheitsregierung

Das hört sich diplomatisch zurückhaltend an. Tatort-Kollege Udo Wachtveitl dagegen gab sich fast draufgängerisch:

Ich fände das Experiment einer Minderheitsregierung mal ganz gut. Um dem Parlament mal wieder die Möglichkeit zu geben, nicht entlang von Lagergrenzen zu diskutieren, sondern entlang von Sachargumenten. Man muss als Minderheitsregierung dann eben werben für seine Position und Sachargumente austauschen. Das fände ich sehr spannend.

Kubicki bei Göring-Eckardt auf Tanzkarte

Wolfgang Kubicki von der FDP war eigens aus Kiel angereist, ein langer Weg, und offenbar auch ein einsamer, denn andere Spitzen-Liberale waren auf dem Ball nicht sichtbar. Dafür hatte sich Kubicki fest vor genommen, die Verbindungen zu den Grünen nicht abreißen zu lassen:

Na ja, was heißt gut Freund. Es gibt einige Personen, da wird nie Herzlichkeit ausbrechen untereinander. Aber beispielsweise hat sich mein Verhältnis zu Katrin Göring-Eckardt komplett normalisiert. Wir werden uns heute Abend auch nicht nur treffen, sondern sie wollte mir einen Platz auf ihrer Tanzkarte freihalten. Da habe ich gefragt: Das gibts noch? Also: Wir haben auch schon rum gescherzt. Heute Abend wird es sehr entspannt sein. - Wolfgang Kubicki

Gerd Müller wollte "Jamaika-Fest"

Zu später Stunde plauderte Kubicki angeregt mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe von der CDU, vermutlich nicht über die Gefährlichkeit der Raucher-Ecken, die wieder mal sehr umlagert waren. Entwicklungsminister Gerd Müller musste umdisponieren - er wollte eigentlich feiern, was ihm aber offenbar schon bei der CSU-Vorstandssitzung am Vortag vergangen war.

Ich hätte heute gern ein großes Jamaika-Fest gefeiert. Eine neue Regierung! Aber die FDP war leider ein Spielverderber. Trotzdem: Für heute lassen wir uns die Laune nicht nehmen. - Gerd Müller

Claudia Roth im Pailletten-Outfit

Noch am feierwütigsten gaben sich die Grünen, obwohl die heute einen schwierigen Parteitag absolvieren müssen. Claudia Roth glänzte buchstäblich: Sie erschien im knallroten Pailletten-Outfit.

Das waren sehr, sehr intensive Wochen in dieser - wie soll ich sagen - Mehrgenerationen-Sondierungs-Wohngemeinschaft. Da war einiges zu erleben, ich habe viele neue Perspektiven kennen gelernt, von denen, die Lichtjahre von uns entfernt sind. - Claudia Roth

Özdemir tiefen-entspannt

Cem Özdemir wirkt trotz gescheiterter Jamaika-Koalition dermaßen aufgekratzt und aufgeräumt, als ob er als Außenminister nie im Gespräch war. Er brachte es fast auf dieselbe Selfie-Dichte wie der Bundespräsident, der zwar lächelnd, aber wortlos durch die Reihen ging.

Jetzt müssen wir halt mal schauen, ob die zusammen kommen. Entscheidend ist, dass Deutschland gut regiert wird. Wenn für uns die Oppositionsrolle rauskommt, werden wir auch das machen. Opposition ist wichtig. Wir hatten alles gut ausverhandelt, wo alle ihre Handschrift hätten erkennen können. Jetzt ist es nicht so - das Leben geht weiter. - Cem Özdemir

Uschi Glas hofft für alle

Zu den wenigen Prominenten aus Film und Fernsehen, die regelmäßig zum Bundespresseball kommen, gehört Uschi Glas - die diesmal allerdings nicht sonderlich zuversichtlich gestimmt war, so verfahren, wie die Koalitionsverhandlungen nun mal sind. Umso mehr hoffte sie für Europa, ja für alle auf eine schnelle Regierungs-Lösung. Ein Presseball im Machtvakuum. Ein Presseball fast ohne Politiker - Angela Merkel kommt sowieso nie, und die SPD traut sich wohl derzeit nicht. Auch, wenn also im vornehmen Hotel Adlon kaum einer über Politik reden wollte, Regierungssprecher Steffen Seibert blieb unverdrossen:

Manche haben überhaupt keine Lust, über Politik zu reden, manche schon, und ich eigentlich sehr.