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Chris Dercon, Intendant der Berliner Volksbühne, tritt zurück | BR24

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Chris Dercon, Intendant der Berliner Volksbühne, tritt zurück

Heftig angefeindet wurde Chris Dercon schon, als er zum Nachfolger von Frank Castorf gekürt wurde - weit vor seiner ersten Spielzeit als Intendant. Jetzt tritt der Belgier nach wenigen Monaten von seinem Posten zurück.

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Dercons Intendanz werde mit sofortiger Wirkung beendet, teilte die Berliner Kulturverwaltung mit, wie der rbb zuerst berichtete. Die kommissarische Leitung der Geschäfte werde der designierte Geschäftsführer Klaus Dörr übernehmen, sagt Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke).

"Beide Parteien sind übereingekommen, dass das Konzept von Chris Dercon nicht wie erhofft aufgegangen ist, und die Volksbühne umgehend einen Neuanfang braucht", heißt es in der Erklärung. Mit der einvernehmlichen Einigung sei nun die Chance gegeben, diesen notwendigen Neustart einzuleiten. Lederer betont aber auch "dass die persönlichen Angriffe und Schmähungen aus Teilen der Stadt gegen Chris Dercon in der Vergangenheit inakzeptabel waren. Solche Formen der Auseinandersetzung sind unwürdig und entbehren jeder Kultur."

Grund der Rücktritts: drohender Bankrott

Licht in die Hintergründe für den Rücktritt von Chris Dercon bringt jetzt eine gemeinsame Recherche von NDR/RBB und SZ. Danach droht der Volksbühne der Bankrott. Die Recherche der ARD-Sender und der SZ ergab, dass Dercon sich gründlich verkalkuliert hat, und zwar doppelt. Zum einen mit der Summe der Sponsorengeldern – er rechnete mit 1.250.000 Euro, dem Zehnfachen dessen, was die Volksbühne 2017 als Einnahme eingeplant hatte. Zum andern mit den Einnahmen: Dercon meinte, er könne 750.000 Euro durch Gastspiele einspielen – weit gefehlt, statt dessen überstiegen die Kosten für die Eigenproduktionen noch das dafür geplante Budget .

Hinzu kommt, dass seit der Intendanz Dercons die Auslastung zurück gegangen sei. Für 2018 werde zum einen mit einem „weiteren Besucherrückgang zahlende Besucher um 20 Prozent" gerechnet. und zum anderen mit weniger Vorstellungen auf dem Spielplan insgesamt – und das bei gleichen Produktionskosten. 

Massive Proteste gegen Dercon

Weite Teile der Berliner Kulturszene und viele Anhänger von Frank Castorf, der jahrzehntelang die Berliner Volksbühne geleitet hatte, hatten gegen Dercons Berufung protestiert. Sie befürchteten, dass der ehemalige Leiter der Tate Modern eine "Eventbude" aus dem Traditionstheater machen werde. Schon bevor die Spielzeit begann, besetzten Aktivisten das Haus. Unter dem Motto, eine "gewaltige transmediale Theaterinszenierung" zu veranstalten behinderten sie tagelang die Proben von Dercons Team, bis die Polizei das Theater Ende September 2017 räumte.

Der Protest ebbte auch nicht ab, als Dercon die Volksbühnen-Spielzeit auf dem Tempelhof statt in der Volksbühne begann. Auch das erste Stück in der Volksbühne erntete mehr Kritik als Applaus.