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Wie sinnvoll ist Hochschulfinanzierung durch private Gelder? | BR24

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Institut für Informatik der TU München

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    Wie sinnvoll ist Hochschulfinanzierung durch private Gelder?

    Aldi-Hörsaal und Lidl-Professur, Stiftungslehrstühle und Forschungsaufträge: Privates Geld trägt in hohem Maße zur Hochschulfinanzierung bei. Die Unis nehmen das Stiftergeld gerne, doch an ihrem Einfluss gibt es auch Kritik. Von Eva Eichmann.

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    Die Finanzierung von Hochschulen ist längst gang und gäbe. Die sogenannten Drittmittel tragen auch dazu bei, dass sich die verschiedenen Universitäten im Hochschul-Ranking erfolgreich platzieren können. Die Konsequenz: Hörsäle, die nach Firmen benannt werden, Bibliotheken, die heißen wie große Unternehmen - bis hin zu einem ganzen Satz an Professuren wie jetzt an der TU München. An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Würzburg etwa sitzen die Studierenden im Sparkassen-Hörsaal. Insgesamt elf Hörsäle sind hier und am Standort in Schweinfurt von privaten Unternehmen gesponsert.

    Unis sind staatlicherseits unterfinanziert

    Vom Staat bekommen die Hochschulen längst nicht genug Geld, um Personal und Gebäude ausreichend zu finanzieren. Deshalb gibt es in Deutschland inzwischen rund 1.000 Stiftungsprofessuren. Verglichen mit der Zahl der regulären Professuren ein geringer Anteil von gerade mal gut zwei Prozent. In absoluten Zahlen sind die Drittmittel trotzdem nicht zu unterschätzen: Daten des Statistischen Bundesamtes belegen, dass die Universitäten im Jahr 2015 fast 6,8 Milliarden Euro an Drittmitteln eingeworben haben – ganz vorne dabei waren die Technische Hochschule Aachen, die Technische Universität München und die Technische Universität Dresden. Die allermeisten privatfinanzierten Professuren finden sich in wirtschaftsnahen Disziplinen wie den Natur- und Ingenieurswissenschaften, Medizin und Mathematik.

    Drittmittel für Universitäten - Ein Geben und Nehmen

    Anders ginge es gar nicht, sagt der Präsident der TUM, Wolfgang Herrmann: „Die Kooperationen mit der Wirtschaft sind ein Geben und Nehmen.“ Durch die Verbindungen, durch die gemeinsame Forschung mit der Wirtschaft bekomme seine Hochschule Einblicke in das unternehmerische Knowhow. Auch die jungen Leute profitieren laut Herrmann davon. So erführen Doktoranden frühzeitig, welche Zielsetzungen die Wirtschaft habe.

    Drittmittel in der Kritik von Transparency International

    Kritiker allerdings warnen, dass die akademische Lehre ihre Freiheit verliert. In dem Zusammenhang meldet sich beispielsweise Transparency International (TI) immer wieder zu Wort. Edda Müller, der Vorsitzenden von TI Deutschland, missfällt, dass die öffentliche Hand immer mehr Aufgaben in Forschung und Lehre an Private überträgt. Sie fordert von den Hochschulen, sicher zu stellen, dass Forschung und Lehre auf keinen Fall von den Geldgebern beeinflusst werden.

    Drittmittel zum Start - dann müssen die Unis zahlen

    Meist sind Stiftungsprofessuren für etwa fünf Jahre finanziell abgesichert, danach muss die Hochschule dafür aufkommen. Die hat aber eigentlich dafür kein Geld, muss also umschichten. Der Effekt: andere Forschungsgebiete verschwinden aus dem Portfolio. Auch das ist ein oft genannter Kritikpunkt.

    Drittmittel sollen gekennzeichnet werden für mehr Transparenz

    Fakt ist, wenn die Hochschulen bei ihrer Finanzierung transparent vorgehen und nichts verschweigen, hat das Ganze deutlich weniger schalen Beigeschmack. Stiftungsprofessuren müssen als solche gekennzeichnet werden. Immer mehr Hochschulen haben den Bedarf erkannt und verpflichten sich bestimmten Transparenz-Richtlinien. Die Internetseite hochschulwatch.de versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Hier lassen sich nach Bundesländern geordnet die Hochschulen auswählen. Bei der Hochschule Augsburg beispielsweise lassen sich so drei Stiftungsprofessuren finden, außerdem Hörsaal-Sponsoring und Stipendien – jeweils unter Angabe der beteiligten Firmen.

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    Rundschau Magazin

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